Freunde bleiben

„Über die Schwierigkeit von Menschen mit Kindern, mit Menschen ohne Kindern befreundet zu sein“

So lautet der Titel des Leitartikels der zweiten Ausgabe von Nido. Ich habe beim lesen das Gefühl bekommen, dass es fast unausweichlich ist, das sich mit der Geburt eines Kindes zumindest ein großer Teil des Freundeskreises verändert. Von vielen der alten Freunde entfernt man sich, während man gleichzeitig nach neuen Gleichgesinnten (oder denen mit dem gleichen „Schicksal“)  Ausschau hält. Beim nachsinnen habe ich dann gedacht: Auf uns trifft das nicht zu. Unser Freundeskreis hat sich mit der Geburt von Benico kaum verändert. Klar, man sieht sich nicht mehr so oft (wobei selbst das seit dem Umzug nach Wiesbaden kaum noch stimmt) und die gemeinsamen Gewohnheiten haben sich sicherlich auch weiterentwickelt. Aber vorher bestehende Freundschaften sind nicht einfach komplett weggebröckelt.

Mir sind folgende Gründe dafür eingefallen:

  • wir hatten vor Benico schon einen relativ „kinderfreundlichen“ Lebensstil. Durchgefeierte Partynächte waren selten. Dementsprechend haben wir auch keine Freunde, die jedes Wochenende zweimal bis fünf Uhr morgens auf die Piste gehen. Im Gegenteil: die wissen sich so gut selbst zu beschäftigen, dass sie die krasse Müdigkeit eher auch nachvollziehen können, als kopfschüttelnd nebendran zu stehen.
  • in unserem Freundekreis gab es auch schon vor Benicos Geburt Paare mit Kindern, Paare ohne Kinder mit Kinderwunsch, Paare ohne Kinder ohne Kinderwunsch, glückliche Singles, unglückliche Singles… alles bunt gemischt. Da kamen wir auch schon mit den unterschiedlichen Leuten bestens zurecht und das hat sich danach nicht geändert.
  • Ein gesunder Pragmatismus im Umgang mit den neuen Unumgänglichkeiten hat wahrscheinlich auch zur Entspannung beigetragen (inzwischen frage ich in kinderlosen Haushalten nicht mehr, in welchen Mülleimer ich die Windel entsorgen soll, sondern wo die Mülltonne ist).
  • Mir war es wichtig, dass jeder, der mit Benico zu tun hat, seinen eigenen Zugang zu ihm finden darf (oder auch nicht). Klar, im Moment übersetze ich diverse Dinge, damit Kommunikation möglich ist, aber was gespielt wird und ob gespielt wird, entscheidet Benico und sein Gegenüber. Das hat zu wirklich unterschiedlichen Beziehungen geführt, die Benico gerade v.a. mit den zahlreichen Tanten und Onkels auslebt und ich finde das genial.
  • Wenn Fragen zu unserer Erziehung da sind, gebe ich gerne Auskunft, spitze Bemerkungen hingegen von kinderlosen Leuten (die ich aber äußerst selten erlebe) werden freundlich lächelnd („wartet nur ab, bis ihr so weit seid ;-)“) überhört.
  • Eine Sache hat aber wahrscheinlich v.a. zu einem nach meinem Empfinden entspannten Umgang beigetragen: Benico ist weder für mich noch für Flo der einzige Lebensinhalt geworden. Mit uns kann man (hoffentlich) auch noch über diverse andere Dinge reden.

Ich freue mich riesig, dass wir unsere alten Freunde behalten konnten und nicht nur noch mit den Spielplatzbekanntschaften zu tun haben. Danke an dieser Stelle an alle, die diese immense Veränderung mit uns durchlebt haben, sich mit uns gefreut haben und manches seltsame ertragen haben und auch noch ertragen werden. Danke v.a. dass ihr nicht nur uns, sondern auch den Kurzen lieb habt!!! Das bedeutet uns sehr viel!

Und ich freue mich an und auf alle neuen Freundschaften, die ohne Benico nicht zustande kommen würden. Was für eine tolle Bereicherung!

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