Meine HELDINNEN#2: Xenia Berg

Xenia habe ich erst vor wenigen Wochen kennengelernt und war sofort beeindruckt: Sie hat ihre Leidenschaft entdeckt, sich die Gelegenheiten zum lernen gesucht und genutzt und sich dann selbständig gemacht. Dabei ist es umso schöner, dass sie erst Mitte Zwanzig ist und nicht schon Vierzig und viele Jahre in einem „falschen“ Beruf verbracht hat. Das Interview haben wir in einem wunderschönen Cafe in Mainz gemacht:

Debbie: Was hast Du gemacht, bevor Du die Fotografie für Dich entdeckt hast und wie ging es Dir darin?

Xenia: Also, vor der Fotografie waren ganz andere Steps in meinem Leben. Angefangen habe ich beim Finanzamt. Ja, genau, was komplett anderes. Aber mit 17 weiß man noch nicht was Arbeitsleben bedeutet und in welche Richtung man gehen möchte. Da ich definitiv auch ein Zahlenmensch bin, habe ich meine Ausbildung dort ganz gut abgeschlossen und hab auch ein  halbes Jahr danach dort gearbeitet. Doch ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich da stehenbleibe. Damals war ich 19 und ich wollte echt was komplett Neues machen. Also entschied ich mich mein Abi nachzuholen. Zwischen der Arbeit beim Finanzamt und dem Start für mein Abi war ich noch 3 Monate in Texas, was echt meinen Horizont erweiterte. Ich kann nur sagen, dass es das beste ist, aus den „eigenen vier wänden“ rauszugehen.

Debbie: Was hast du dort gemacht?

Xenia: Ich war dort bei einer Family, habe Englisch gelernt und war viel reisen. In Kansas City und Mexiko.

Debbie: Und danach hast du dein Abi nachgeholt?

Xenia: Ja. Es war auch eine sehr schöne Zeit in Mannheim. Danach habe ich angefangen bei H&M zu jobben und später habe ich eine Stelle als Shopcontrollerin bekommen. Also war ich wieder sehr viel mit Zahlen, Statistiken, Umsätzen etc. beschäftigt. Also auch weniger kreativ. Dann habe ich, ehrlich gesagt, ganz plötzlich meinen Job verloren. Das war DER Schnitt in meinem Leben. Ich denke, selber hätte ich ihn nicht aufgegeben.

Debbie: Warst du nicht glücklich dabei?

Xenia: Ich hab mein Bestes gegeben. Aber es war sehr stressig. Und es hat mich nicht erfüllt.

Debbie: Würdest Du sagen, dass Gott Dir einen Schubs verpasst hat?

Xenia: Ja, so würde ich es nennen. Gott weiß, was das Beste für uns ist. Und manchmal sieht es für uns aus, dass wir zuerst etwas verlieren, dabei müssen wir nur etwas loslassen um etwas anderes zu gewinnen.

Debbie: Und wie ging’s weiter?

Xenia: Dann bin ich nach NY gegangen. Für ein Jahr. Und dort hat es sich mit der Fotografie entwickelt. Dazu muss ich sagen, dass ich früher nicht soviel mit Fotografie  zutun hatte. Mein Dad war ein Fotograf und ich bin schon damit aufgewachsen. Mit einer Dunkelkammer und Negativen. Ich persönlich habe nie wirklich viel fotografiert, hab auch keine gute Cam gehabt und die Realität war für mich immer viel schöner als ein Foto, das ich gemacht hab.

Debbie: Wie hat sich das in New York geändert?

Xenia: New York hat mich echt beeindruckt. Ich habe auf Long Island gelebt und ich bin ein absoluter Strand und Surfer Fan… und so hat es angefangen. Mit dem Atlantik und Surferbildern. Diese Bilder haben mich so inspiriert, also wollte ich noch mehr lernen. Deshalb habe ich Fotografiekurse auf dem College belegt und kurze Zeit später bei einem Fotografen (David Heinlein) angefangen an einem australischen Projekt zu arbeiten.

Debbie: Hast du dich bei ihm beworben?

Xneia: Nein! Das war echt einer von Gottes „Schubser“. Wir beide haben uns auf einem Konzert kennengelernt und die Begegnung dauerte nur eine Minute. Er suchte eine Assistentin und hat mir seine Visitenkarte gegeben. Und zwei Tage später konnte ich bei ihm anfangen. David ist echt der Beste. Er hat soviel an mich geglaubt. und immer gefragt: in welche Richtung willst du gehen? Damals wusste ich noch nicht mal, dass ich mit der Fotogafie in Deutschland im beruflichen Sinne weitermachen kann. Er wusste das aber.

Debbie: Und er hat dir viel beigebracht?

Xenia: David hat mich am meisten motiviert und dem ganzen Richtung gegeben. Er hat mich sehr stark inspiriert und mich ein Stück mit seinen Augen sehen lassen. Ich errinnere mich, wie er von den Schwarz Weiß Fotografien sprach, über die unterschiedlichste Schwarz Töne. So sensibel. Er ist mit Film aufgewachsen und hat mir seine alten Kameras gezeigt (8*10) Sie sind wie Schätze.

Debbie: Und wo hast du die ganzen technischen Sachen gelernt?

Xenia: Ich hab bei Sarah Ann Barlow in Nashville bei einem Internship mitgemacht. Das war eins der Dinge, wo ich nur sagen kann: WOOOOOW. Wir waren 5 Fotografen. Alle haben bei Sarah gewohnt. 10 Tage lang fotografiert. Soviel gelernt. Designsfindung. Name. Logo. Technik. Alles. Und dabei hatten wir soviel Spaß gehabt. Und uns alle in Nashville verliebt.

Debbie: Dann hast du so einiges gemacht?

Xenia: Ja, wenn man damit anfängt, kann man nicht aufhören. Das sind meine Bausteine. College ist eins. David Heinlein. Sarah Ann Barlow. Aber auch hier in D sind das unterschiedliche Bausteine: Aufträge, Projekte., Ausstellungen.

Debbie: Hast Du das Gefühl, dass Gott diese Bausteine für Dich vorbereitet hat; Dich darin geleitet hat?

Xenia: Auf jeden Fall. Es kam nicht aus meiner eigener Kraft. Ich habe keine Bewerbungen geschrieben um beim David zu assistieren. Bei Sarah habe ich mich zwar beworben, wurde aber genommen, was ich nicht erwartet habe.

Debbie: Wie bist Du dann zurück in Deutschland an die ersten Aufträge gekommen?

Xenia: In Deutschland durfte ich gleich eine erste Hochzeit nach zwei Wochen fotografieren. Dadurch und durch mein Blog und Homepage sind dann viele aufmerksam geworden. Viele waren aber sehr skeptisch. Sie dachten nicht, dass man sein Hobby zum Beruf machen kann.

Debbie: Vor welchen Herausforderungen stehst du heute?

Xenia: Heute? Jeder Tag ist herausfordernd. Aber das ist auch gut so. Aber es ist echt eine riesen Herausforderung selbstständig zu sein. Man arbeitet mit einer ganz anderen Motivation. Und obwohl man mehr arbeitet und sehr viel investiert, bekommt man echt viel zurück. Aber jeder Monat verläuft unterschiedlich. Man hat nicht die Sicherheit, die man früher als Arbeitnehmer hatte. Auf der anderen Seite hat man auch mehr Freiheiten. Man muss nicht um 6 Uhr aufstehen. 🙂 Dafür arbeitet man aber fast immer am WE. Jeder Shoot ist aber eine Herausforderung. Unterschiedliche Persönlichkeiten, unterschiedliche Locations, unterschiedliches Licht.

Debbie: Worauf möchtest Du Dich in Zukunft in der Fotografie konzentrieren?

Xenia: Mein Schwerpunkt liegt auf Hochzeiten, Verlobungen und Portraits. Doch momentan habe ich auch andere Aufträge. Businessportraits, Kosmetik, Deko und Familien.

Debbie: Du hast wirklich ein wunderschönes Cafe für unser Interview ausgesucht. Hast Du noch andere Tipps für Mainz?

Xenia: Annabatterie ist mein Stammcafe. Da ich sehr Second Hand Sachen liebe. Muffins, Coffee Bay oder Lomo sind auch sehr empfehlenswert.

Und für alle, die jetzt unbedingt mehr sehen wollen: Es gibt eine HOMEPAGE, ein BLOG
und auf facebook ist sie natürlich auch zu finden.

3 Thoughts on “Meine HELDINNEN#2: Xenia Berg

  1. Sehr cooles Interview! Xeni is der Hammer! I love her! 🙂

  2. Lilli on 19. Oktober 2010 at 10:20 said:

    Ein tolles Interview! Und vor allem sehr aufbauend!

  3. elishes on 9. November 2010 at 23:03 said:

    Danke für das Interview! Es ist toll zu sehen, dass es diese Leute tatsächlich gibt, die wirklich tun, was sie auch wirklich glücklich macht! Sehr mutmachend!

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