Kompetenzentwicklung und Charakterschulung

„Familienarbeit“… Ich mag dieses Wort. Viel besser als „Hausfrau.“ Er drückt aus, dass dieser Job tatsächlich viel mit Arbeit zu tun hat. Außerdem kann dieser Job sowohl von Frau als auch von Mann erledigt werden. Auch nicht schlecht.

Über einen schönen „Nebeneffekt“ dieser Aufgaben habe ich vor kurzem bei meinen Recherchen für die Magisterarbeit gelesen: Familienarbeit kann dazu führen, dass sich wichtige Kompetenzen für Erfolg im klassischen Karrieremillieu weiterentwickeln. Typische Fähigkeiten, die sich durch Familienarbeit verbessern können: Organisationsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, Selbstorganisation, Verantwortungsbewußtsein, Belastbarkeit, Kooperationsfähigkeit.

Für mich persönlich ist gerade die Flexibiliät ein Lernfeld. Meine Süße schläft super in der Nacht, dafür am Tag oft nur zwanzig Minuten am Stück. Dann frage ich mich ständig: Was ist jetzt gerade das wichtigste? Wieviel Zeit habe ich bis sie wieder etwas braucht? Lieber mit ihr spielen und kuscheln oder die Küche aufräumen oder eine wichtige Email schreiben? Ich lerne dazu und das tut gut. Gerade eben schläft sie und ich habe mir vorgenommen, diesen Post in den nächsten zwanzig Minuten fertig zu bekommen. Zum einen, weil ich wahrscheinlich nur die Zeit habe, zum anderen, weil ich nicht mehr Zeit dafür verwenden will. Es warten genug andere Aufgaben… Mir bleiben noch zehn Minuten…

Nun ist es natürlich schön, dass die Forschung inzwischen immer mehr auf den Trichter kommt, dass „Familienarbeit“ vielleicht auch nicht nur verlorene Zeit für die Wirtschaft ist. Die Frage für uns „Arbeiter“ ist ja auch, wie wir es nach einer Phase der ausschließlichen Familienarbeit verkaufen können. Jetzt bin ich sehr gespannt, weil unsere Uni im April dazu ein Seminar anbietet „Berufseinstieg für Eltern“ und ich hoffentlich danach genau erklären kann, warum ich mindestens so geeignet bin für die Stelle, wie meine fünf Jahre jüngere Mitbewerberin. Ach nein, ich bin ja schon höher qualifiziert, weil ich eigentlich schon fünf Jahre Berufserfahrung mitbringe…

Noch sieben Minuten…

Eigentlich geht das ganz aber auch über den Ausbau von Kompetenzen hinaus: Ich habe mich dazu entschieden, diese Phase als wunderbares Traingszeit für meinen Charakter zu sehen. Familienarbeit und Muttersein bringt so viele Herausforderungen mit sich und bedeutet immer und immer wieder sich selbst zurück zu stellen und zuerst zu schauen, dass es den Kindern gut geht und ihren Bedürfnissen nachzukommen. Immer wieder sträubt sich alles in mir, aber ich habe mich entschieden, meinen Kindern und meinem Mann, meiner Familie und meinen Freunden zu dienen im allerbesten Sinne des Wortes. Gerade mit Babies und Kleinkindern hat frau ein hervorragendes Übungsfeld. Die Kunst ist, die Dinge, die sowieso gemacht werden müssen, mit Ruhe, Gelassenheit und vielleicht sogar Leidenschaft zu machen. Vor meinem Fenster sehe ich ganz häufig eine Mutter mit drei kleinen Kindern und Hund vorbeispazieren. Und sie hat IMMER ein Handy am Ohr. Finde ich auf der einen Seite bewundernswert (Multitasking und so…), aber ich habe sie noch nie mit ihren Kindern reden sehen. Mein Mann sagt: klassisches Fluchtverhalten. Das ist die Herausforderung… Nicht innerlich zu flüchten, sondern sich den Herausforderungen zu stellen und an ihnen zu wachsen. Dann gibt es nicht nur Kompetenz- sondern auch Charakterentwicklung. Wir werden geduldiger, liebevoller, gelassener… hoffentlich…

Mist, drei Minuten drüber…

Schöne Woche Euch allen!

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