Projekt „familienfreundlicher LOI Tag“ – Was ich gelernt habe

Einer der klassischen Dienste in einer Gemeinde, die ich noch nie übernommen habe, ist die Gestaltung der Kinderbetreuung oder Kindergottesdienste. In keiner Altersgruppe. Auch hatte ich mich bisher sehr wenig dafür interessiert, ob und wie Konferenzen eine Kinderbetreuung organisieren. Insofern war ich auf den „Job“, einen familienfreundlichen LOI Tag auf die Beine zu stellen, ausgesprochen schlecht vorbereitet. Was ich aber gut kann und auch schon viel gemacht habe, ist Fragen zu stellen und zu organisieren.

Beides habe ich in das Projekt eingebracht; allerdings zeitlich etwas versetzt. Erst einmal Fragen stellen: Wie machen das andere? Antwort: Sie machen es kaum. V.a. nicht mit dem Anspruch, inhaltlich an den gleichen Themen zu arbeiten wie die Erwachsenen. Das hieß, ich durfte kreative Ideen entwickeln. Und zwischendrin versuchen, meine Vision in Worte zu fassen. „Maybe we can create new learning environments for both kids and grown ups in a way that we all speak about the same topic but each group has its unique way of apprehending it. In this perspective, the LOI day could serve as an experiment for new ways of working and learning alongside kids but also together with them.“

Wunderbarerweise fand ich zwei junge Frauen, die bereit waren, sich mit mir auf diese gedankliche Reise einzulassen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie das ganze Realität werden könnte. Wir verbrachten diverse Abende mit Brianstorming via skype und trugen nach und nach das Gerüst für den Tag zusammen. Es wurde klar, bei wem wir ein gutes Konzept einkaufen könnten, wie wir das ganze finanzieren könnten (Sponsoring) und was organisatorisch notwendig sein würde, um es Familien so einfach wie möglich zu machen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Anne Bleis und Maggy Kleske, die sich hier ganz wunderbar eingebracht haben. Folgende Dinge habe ich auf dem Weg gelernt:

  • Ideen entwickeln ist alleine total ätzend und gemeinsam wunderbar! (das merke ich auch immer wieder in meinem sonstigen Arbeitsalltag: und weil die nächsten Monate mit der Magisterarbeit eher Einzelarbeit werden, gibt es Projekte, die ich einfach nur mache, um mit anderen gemeinsam etwas voran zu bringen…)
  • Organisieren kann ich auch ganz gut alleine, wenn die anderen Teammitglieder zu viele eigene Projekte haben. Erleben, wie dann am Ende alles zusammen kommt, macht dann gemeinsam trotzdem am meisten Spaß!
  • Gott will geben über „bitten und verstehen“: Als die Ideen standen und es an die Umsetzung ging, gab es so viele Baustellen, bei denen ich immer wieder dachte: Keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Gott, ich gehe davon aus, dass Du hierfür eine Lösung hast!? Und er gab: die richtigen Mitarbeiter; ausreichend Mitarbeiter; mehr als ausreichende Finanzen; Familien, die sich mit ihren Kindern angemeldet haben, obwohl sie kaum Informationen hatten, etc.
  • Gute Leitung hilft auch mir, mutig loszuziehen und neues Land zu erobern. Es ist einfach wunderbar, mit einem Team von Menschen zusammenzuarbeiten, die (auch wenn sie nichts mit dem eigenen Aufgabenbereich zu tun haben) immer und immer wieder ihre Begeisterung ausdrücken und tatkräftig unterstützen. Ich habe mich total durchgetragen und wertgeschätzt gefühlt von meinen Leitern innerhalb der LOI Arbeit, gerade auch, wenn es schwierig war.
  • Ich will mehr erzählen: Das war echt schräg. Ca. zwei Wochen vor dem großen Wochenende wurde mir bewusst, dass kaum jemand meiner engsten Freunde oder Familymitglieder wusste, was ich da mache und wie groß und wichtig und was für ein Abenteuer das für mich war. Warum? Vielleicht weil ich Angst hatte, dass das ganze doch nicht klappt und ich viel Wind um nichts gemacht hatte? Ich bin mir nicht so sicher, aber ich weiß, dass ich genau von solchen Wackelprojekte in Zukunft mehr erzählen will. Weil sie wichtig sind… für mich…
  • Wichtige Mitarbeiter am großen Tag das erste Mal face to face kennenlernen kann auch erstaunlich gut funktionieren! Wenn man vorher intensiv kommuniziert…
  • Auch der Follow Up Prozess dauert immer länger als geplant… Ich dachte, mit diesen ganzen Posts und der Materialrückführung und den Danksagungen wäre ich nach einer Woche durch… Vergesst es…

Diese Woche bekam ich dann den xpand Teamnewsletter, indem Anne Burdenski (Vorstand bei xpand) ihre Eindrücke vom LOI Tag schilderte und dabei das Herz des ganzen Projektes ziemlich gut trifft:

Es trafen sich am 16.+17.11.12 130 LOIs, ca. 40 Mentoren, 23 Kinder und 20 zusätzliche Helfer. Vielleicht wundert ihr euch, dass ich die Kinder extra nenne – sie hatten ihr eigenes gesellschaftsrelevantes Programm: parallel zu den Erwachsenen, die sich in den verschiedenen Gesellschaftsbereichen trafen, um zu diskutieren, wie wir als Christen hier prägen können, haben sie sich gestalterisch mit diesen Themen beschäftigt. Es hat mich echt berührt, zu sehen, wie selbstverständlich die jungen Leiter, auch die Frauen, ihre Familien mit einbeziehen. Allein das ist doch schon eine gesellschaftsrelevante Spur, da gerade junge Frauen, trotz Kita- und U 3 Betreuungsangeboten, immer noch mit der Frage kämpfen, wie sie wachsende Verantwortung und Familie vereinbaren können. Hier Modelle zu bauen finde ich sehr begeisternd.

Und jetzt? Es gibt neue Projekte, die in den Startlöchern stehen. Und über die ich hoffentlich natürlich berichten werde. Aber im Moment nehme ich mir auch bewusst Zeit, Advent zu feiern mit meiner wunderbaren Familie. Deshalb die ganz wichtige Frage: Habt ihr schon einen Tannenbaum? Wir nicht, aber dafür seit letzten Sonntag einen Holzgesellen, der uns beim heimkommen adventlich begrüßt!

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