„Wir atmen uns da durch“

„Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.“ (Victor Hugo)

Mit allen drei hier beschriebenen Personengruppen kann ich mich im Moment hervorragend identifizieren. In meiner und unserer Zukunft als Familie ist im Moment unfassbar viel Bewegung drin. Das äußert sich am allerwenigsten im gelebten Alltag sondern v.a. in den höchst unterschiedlichen Optionen die in den letzten Wochen in Gedanken durchgespielt wurden. Und es betrifft die ganz nahe Zukunft. Mit dem Bestehen meiner mündlichen Prüfung und dem damit verbundenen Studienabschluss sind weitere Optionen dazu gekommen. Wir leben gerade mit soviel Spannung im Hirn, dass mich das Nachdenken darüber alleine schon müde macht. An vielen Stellen habe ich das Gefühl, ich kann nur abwarten und kaum einen aktiven Beitrag zur Klärung beitragen. So sind mir im Sinne des Zitates von Hugo Gefühle sowohl von Schwachheit und Furcht aber auch Mut gerade sehr vertraut und ich erlebe alles im schönen kurzweiligen Wechsel miteinander. Wenn ich gefragt werde, wie wir das gerade aushalten, sage ich immer: „Wir atmen uns da durch.“ Weil es das einzige ist, was man in solchen Situationen machen kann und weil es gleichzeitig so unfassbar effektiv ist.

Spätestens mit dem Kennenlernen, Einüben und Einsetzen von Atemübungen vor und während der Geburt unserer Tochter bin ich völlig begeistert von dieser Form der bewussten Entspannung. Es hat mich begeistert, zu spüren, wie durch richtiges atmen Schmerzen besser zu ertragen sind und das Baby mit Sauerstoff versorgt werden kann. Wie sich letzte Woche auf dem Crosstrainer mit tiefer bewusster Atmung der Puls sofort abgesenkt hat. Wie richtiges Atmen im Stehen in einer „Powerhaltung“ vor der mündlichen Prüfung zur Konzentration und positiven Einstellung beitragen konnte. (wenn nicht bekannt siehe dazu folgenden TedTalk)

Nicht zuletzt beginnen auch mit bewusster Atmung die Achtsamkeitsmediationen von headspace, einer über eine App ganz wunderbar leicht in den Alltag zu integrierenden Übung, die ich inzwischen sehr schätze.

Insofern spielt bewusstes atmen tatsächlich eine große Rolle darin, diese aktuelle Spannung auszuhalten und gut zu gestalten. Dazu gehört auch, sich immer wieder bewusst zu machen, dass alleine diese Situation auszuhalten schon enorm viel Kraft kostet (mein Mittagsschlafbedürfnis ist enorm erhöht) und entsprechend gut für mich zu sorgen.Das beinhaltet z.B.:

  1. Ich mache mir bewusst, dass diese Situation in erster Linie v.a. ganz viele Möglichkeiten und eher überschaubare Risiken enthält.
  2. Ich entscheide so bewusst wie möglich, was im Moment möglich und strategisch sinnvoll ist. Die anderen Dinge müssen warten.
  3. Ich versuche immer wieder neu, jeden Tag mit seinen schönen Seiten zu genießen: Die Zeit mit den Kindern; die Freiheiten, die ich gerade habe; neue Nichten und Neffen begrüßen; Ordnung an Orte in unserer Wohnung bringen, die schon länger darauf warten; Plätzchen backen mit der Großfamilie am gestrigen Nachmittag.
  4. Ich nehme Möglichkeiten wahr (z.B. zu ein paar kostenlosen Stunden Coachingweiterbildung) und gehe die Dinge, die umgesetzt werden können aktiv an. Das beinhaltet auch so klar und eindeutig wie möglich zu analysieren und zu kommunizieren. Das trägt sehr zu dem Gefühl bei, der Gesamtsituation nicht machtlos ausgeliefert zu sein.

Es ist schön zu wissen, dass diese Phase nicht unendlich lange anhalten wird und dass erste Klärungen am Horizont sichtbar werden.

In diesem Sinne atme ich und wir als Paar weiter und sind (meistens) freudig gespannt.

Wo atmet ihr euch gerade durch?

 

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