Rezension – Working Women

IMG_9536 (1)   Vor acht Jahren, als mein Sohnemann in meinem Bauch heranwuchs habe ich mit großer Freude jede Menge Schwangerschaftszeitungen gelesen, wollte Informationen bekommen und spühren, dass es ganz vielen anderen Frauen genauso geht wie mir. Dieses Bedürfnis wurde von den sehr unterschiedlichen Zeitschriften unterschiedlich erfüllt, aber irgendwann wusste ich genau, welche zu mir passt und welches Produkt eher die Schwangerschaftsübelkeit in Erinnerung ruft.

Etwas anders ging es mir z.B. mit „Business Punk“. Mein Mann kauft die manchmal zu Unterhaltungszwecken für sich selbst. Ich habe gefeiert, als sie mal eine Frau auf dem Cover hatten oder auch mal einen Familienvater zu Wort kommen ließen und nicht einen völlig durchgedrehten StartUp-Fuzzi, der es toll findet möglichst viele Nächte in der Woche durchzuarbeiten, weil das Projekt ach so spannend und erfolgsversprechend ist. Ich finde „Business Punk“ unterhaltsam, das gute Stück hat aber mit mir und meiner Welt tatsächlich sehr wenig zu tun. Wohl auch schon nur deshalb, weil ich eine Frau bin.

Weil mich gerade nicht mehr das Thema Schwangerschaft, sondern der berufliche Bereich und zwar v.a. aus der weiblichen Perspektive wichtig ist, bin ich schon vor längerer Zeit auf die Suche nach einer ansprechenden Zeitschrift gegangen. Letztes Jahr während meines Praktikums habe ich es einmal versucht. Ein totaler Fehlgriff. Als erfolgreich wurden die Frauen dargestellt, die in möglichst großen Unternehmen möglichst hohe Posten erreicht haben und möglichst viel Geld verdienen. Das ganze geht immer Hand in Hand mit dem Feindbild des bösen Mannes, gegen den es sich zu wehren gilt. Das hatte mit mir und meiner Welt komplett nichts zu tun und fühlte sich für mich alt und überholt an.

Nun bin ich hocherfreut, dass emotion einen Versuch unternimmt, Frauen und den Lebensbereich „Arbeiten“ anzusprechen. Mit „Working Women“ scheint mir der Start ganz gut geglückt zu sein.

1) Welchen Fragen widmet sich das Magazin?IMG_9538 (1)

  • Was bedeutet Erfolg für mich ganz persönlich?
  • Wie kann ich weniger Stress und mehr Erfüllung erleben?
  • Wie kann ich mehr Geld verdienen?

2) Wie werden Sie beantwortet?

„Working Women“ nimmt in den meisten Artikeln den Standpunkt ein: Erfolg muss man selbst definieren. Man wird aufgefordert, für sich selbst nachzudenken und sich selbst zu reflektieren. Das spricht mich sehr an. Die Frage nach weniger Stress und mehr Erfüllung wird mit drei Frauen beantwortet, die unterschiedliche Strategien gewählt haben: Aufsteigen – Umsteigen – Aussteigen. Interessant waren alle drei Frauen, besonders gefallen hat mir jedoch die Aufsteigerin. Claudia Kessler wollte eigentlich Raumfahrerin werden und ist inzwischen CEO von HE Space in einer typischen Männerbranche. Sie scheint dieser Aufgabe mit großer Leidenschaft, Herzensblut und vor allem viel Spaß nachzugehen. In dem Artikel wird sie beschrieben als eine Frau, die ihren Job im positivsten Sinn liebt und es als eine wichtige Aufgabe sieht, Frauen in ihrem Bereich nach vorne zu bringen. Eine schöne Inspiration nach der eigenen Berufung zu suchen und ihr mit viel Freude nachzugehen.

IMG_9537 (1)In dem Interview mit Arianna Huffington wird vieles auf den Punkt gebracht, warum meiner Meinung nach auch heute viele Frauen sich weigern, klassische Karrierepfade in einer von Männern geschaffenen Welt zu betreten: Sie machen krank, führen zum Burnout, lassen einen leer zurück. Frau Huffington war erfolgreich in dem ganz klassischen Sinn von viel Macht und viel Geld und brach irgendwann zusammen. Nun hat sie ein Buch herausgegeben: „Die Neuerfindung des Erfolgs.“ Darin tritt sie dafür ein, auf das eigene Wohlbefinden zu achten, genug zu schlafen (ihre Mitarbeiter dürfen explizit Mittagsschlaf halten), für Meditation, Achtsamkeit und digital detox. Der Grund dafür ist nicht nur der, dass es mit einer neuen Definition von Erfolg allen Beteiligten besser geht, sondern Misserfolge vermieden und entsprechend bessere Leistung gebracht werden kann.

Der einzige Artikel, den ich eher schwach und zu einseitig fand war die Frage, wie Frauen mehr Geld verdienen können. Auch, weil er natürlich auf dem Unterschied in den Gehältern zwischen Mann und Frau ansetzt. Entsprechend wird dazu geraten, dass Frauen andere Fächer studieren sollten, möglichst spät Kinder bekommen sollten, usw. Das ist aus der Perspektive „mehr Geld“ bestimmt richtig, lässt aber andere Fragestellungen außer acht, die solche Entscheidungen erst rund werden lassen. Ich glaube, dass für junge Frauen die Motivation nach „mehr Geld“ nicht mehr ausreicht, um ein unpassendes Studienfach und der sich anschließende jahrelang ebenfalls unpassende Job oder die fehlenden Kinder am Ende einer Karriere auszubügeln. Insofern hoffe ich, dass junge Frauen sich von der Forderung nach mehr Geld nicht den Horizont einschränken lassen, sondern diese Frage als eine unter verscheidenen anderen bei der Berufswahl reflektieren.

3) Welche Fragen habe ich jetzt?IMG_9539 (1)

  • Was bedeutet für mich Erfolg?
  • Wann habe ich das letztes Mal Mittagsschlaf gehalten? Meditiert? Das Handy ausgelassen?
  • Was ist für mich ein gutes Leistungsniveau (also weder Unter- noch Überforderung)?
  • Wann komme ich das nächste Mal nach Frankfurt? (Der Hauptfriedhof soll wunderschön sein zum durchatmen, verweilen und entdecken sein.)

4) Meine drei Lieblingszitate?

  • Fragen für Berufsanfänger von Ursula Burns (Xerox): „Stellen Sie sich Ihre Zukunft vor, aber nicht nur die berufliche. Wie sieht Ihr Alltag aus, wer möchten Sie sein? Und finden Sie etwas, das Sie lieben. Und wenn Sie es nicht lieben, finden Sie etwas anderes!“
  • Arianne Huffington: „Mein Scharfsinn, mein Selbstbewusstsein und meine Führungsqualitäten haben sich schon dadurch verbessert, dass ich genug geschlafen habe“.
  • Laura Roschewitz: „Der Wunsch nach Entschleunigung steht nicht direkt in einem Zusammenhang mit der wöchentlichen Arbeitszeit, sondern vielmehr mit der wahrgenommenen Kontrolle über die Zeiteinteilung. Es ist nicht die hohe Wochenstundenzahl, die zur Überlastung führt, sondern die Fremdbestimmung.“

Hier gibt es eine kostenlose Leseprobe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation