Die letzte Zeile der ersten Fussnote im ersten Absatz

Ich hatte es schon länger geahnt, inzwischen ist es Gewissheit: Zu jeder größeren wissenschaftlichen Arbeit gehört auch eine Druck-Geschichte. Meine geht so: Die letzte Zeile der ersten Fussnote in meinem ersten Absatz hat schon im Worddokument die ganze Zeit gesponnen und ist einfach immer wieder verschwunden. Nein, die Fussnote wurde nicht einfach geteilt, die Zeile war einfach nicht zu sehen. Diverse Male hatte ich es getestet: im PDF war sie immer vorhanden. Letzte Woche Montag früh, als dann endlich alle 38 Tabellen incl. Über- und Unterschriften am richtigen Ort waren, habe ich noch einen Probedruck gemacht. Auch hier war die Fusszeile sowohl im pdf als auch im Ausdruck vorhanden. Nach einigen Änderungen auf anderen Seiten habe ich dann erneut ein pdf abgespeichert und bin dann glücklich und zufrieden zum Copyshop gepilgert. Hier habe ich mich für ein Softcover entschieden, mich über einen günstigeren Preis als eingeplant gefreut und mir dann im Anschluss noch eine Massage verpassen lassen.

Als ich dann im Auto noch einmal durch die drei Exemplare durchgeblättert habe, ist mir das Herz fast stehen geblieben: Die letzte Zeile der ersten Fussnote im ersten Absatz war nicht da. Unglaublich. Wie man das wohl retten könnte? Könnte man so etwas überkleben? Mit Hand dazuschreiben? Weiter hinten hätte ich damit leben können, aber nicht an dieser prominenten Stelle. Irgendwann wusste ich, dass ich mich in Zukunft immer ärgern würde, wenn ich das so abgeben würde, so dass ich tatsächlich bereit war, noch einmal über 80 Euro in die Hand zu nehmen, um einen neuen Druck und v.a. eine erneute Bindung machen zu lassen.

Am nächsten Tag hatte ich den kurzen Gedanken die drei gedruckten Exemplare mit in den Shop zu nehmen. Vielleicht könnten sie noch irgendetwas retten, was ich für ziemlich unmöglich hielt. Die erste Mitarbeiterin machte mir keine großen Hoffnungen. Ihr Mann sah das jedoch ganz anders: Sie würden den Leim warm machen, die Seite jeweils austauschen und den Leim dann wieder abkühlen lassen. Ich habe mich gefreut wie Olle. Für einen Minibeitrag in die Kaffeetasse war meine Arbeit gerettet. Ihr lieben Wiesbadener: Die Druckerei Lang kann ich nur wärmstens empfehlen.

Inzwischen ist die Arbeit abgegeben und ich versuche nun einen eleganten Spagat zwischen „Entspannen/Auftanken“ und „liegengebliebenen Krusch wegarbeiten“ aufs Parkett zu legen. Das ist eine Herausforderung für sich. Aber immerhin saß ich heute zwei Stunden in der Sonne im Park (zehn Minuten davon stand ich ehrlich gesagt in einem Bach und habe mich vom eiskalten Wasser erfrischen lassen).

Learning the Unforced Rhythms of Grace

Die erste Hälfte des Jahres geht langsam zu Ende. It has been wild.

Die ersten vier Monate habe ich ein Vollzeitpraktikum gemacht. 40 Stunden die Woche gearbeitet, 2 Tage davon in Nürnberg. Danach habe ich versucht, innerhalb von sechs Wochen meine Magisterarbeit zu Ende zu bringen. Das hat nicht ganz gepasst und wird noch einen Moment brauchen. Ich versuche, Luft zu holen und Kraft zu sammeln für die nächste Runde.

Ein Gebet, dass mich die letzten Wochen immer wieder beschäftigt hat: Deine Gnade genügt für diesen Tag. Gestern bin ich extra auf einen Berg gestiegen (wie schön, wenn der direkt vor der Tür liegt…), um ein bißchen davon zu schnuppern und zu fühlen.

Und jetzt habe ich das hier gefunden. Einfach wunderschön und so wahr.

Prolo-Mami

Habe gerade mit dem Prüfungsamt wegen einer Verlängerung der Abgabefrist meiner Abschlussarbeit telefoniert. Das ist kein Problem. Kann gemacht werden, bis die Kinder 18 sind. Ja, super, dann kann ich hier auch noch die kleine Anekdote von gestern posten.

War mit der Süßen zur Nachkontrolle bei der Kinderärztin. Das Wartezimmer voll und stickig und alle Eltern und Kinder schlecht gelaunt. Bis auf meine Tochter. Die war nämlich wieder gesund und hat sich zufrieden mit der Spielküche beschäftigt und als wir nach zehn Minuten schon wieder gehen konnte keine Lust zum selbigen. Trotzdem stellt sie brav den Spielkorb in den Schrank zurück und läuft in Richtung Ausgang. Dabei kickt sie zweimal gegen einen am Boden liegenden Duplostein. So etwas kann ich gar nicht leiden, also die automatische Mamareaktion in klarem Tonfall und gut zu hörender Lautstärke: „Sofina, hebst Du den Stein bitte auf, anstatt dagegen zu treten?“. Und der nächste Gedanke: „Oh Mist, das hätte ich mal lieber leise gesagt, jetzt muss ich das hier vor dem versammelten Wartezimmer durchziehen und habe keine Chance, abzubiegen…“ Und spüre genau, alle Elternaugen sind interessiert, was das jetzt für einen Ausgang nehmen wird. Sofina lehnt sich natürlich gespannt an die Wand und schaut mich aus ebenso herausfordernden wie belustigten Augen an. Was sind meine Möglichkeiten? Plauderton… Und Essen… Also, verbreite ich Alles-Ist-Ganz-Wunderbar-Entspannt-Unterhaltungs-Atmosphäre: „Komm, Sofina, Du hast bestimmt auch Hunger, heb den Stein schnell auf, dann gehen wir uns etwas leckeres zu essen holen.“ Tür aufgemacht: ich-bin-schon-auf-dem-Absprung-und-der-Stein-ist-schon-fast-vergessen-Haltung. Und??? Töff Tööö. Sofina löst sich von der Wand, hebt den Stein auf, legt ihn auf einen Stuhl und nach einem kleinen Hinweis sogar auch auf den Tisch, damit sich keiner aus Versehen drauf setzt. Ich muss meinen Triumph natürlich auskosten: „Auf Wiedersehen, schönen Tag noch.“ Und spüre beim rausgehen diverse neidvolle und bewundernde Augenpaare auf mir ruhen. Ich bin definitiv die Heldin des Tages. Für diese eine Minute.