Das Enneagramm – Eine Einladung

The Enneagram – an invitation
(for an english version: scroll to the bottom)

Mein persönlicher Vorläufer: Das DISG-Modell

Wer schon einen Moment länger in christlichen, bzw. freikirchlichen Kreisen unterwegs ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit von DISG-Modell gehört haben, einem Verhaltensmodell mit vier Grundtypen. Ich selbst habe mit diesem Modell viele Jahre in Berufsfindungsseminaren gearbeitet. Hier fällt mir immer sofort das klassische Einstiegsbild von Tiki Küstenmacher ein: Ein Elefant, ein Affe, eine Seerobbe, eine Schnecke, ein Fisch im Glas und schließlich ein Papagei auf dem Kopf des Elefanten. Sie alle schauen mit großen Augen auf den “Lehrer” hinter seinem Pult. Daneben steht ein großer, prachtvoller Baum. Und dann der Text darunter: “Damit es gerecht zugeht, erhalten Sie alle die gleiche Prüfungsaufgabe. Klettern Sie auf diesen Baum.” Das ist auch schon für jüngere Schüler, die den Text gerade so lesen können, ein eindringliches Bild. Sie verstehen sofort: Diese Aufgabe ist nicht in erster Linie gerecht, sondern mehr oder weniger passend für die einzelnen Tiere. Der Affe freut sich einen Ast (oder sitzt schon nach kürzester Zeit auf dem selbigen), während der Fisch sich noch so sehr anstrengen kann – er hat keine Chance.

Durch die vielen Jahre der praktischen Anwendung des Modells habe ich zum einen gelernt, dass jeder Verhaltenstyp mit bestimmten Stärken aufwarten kann. Zum anderen sollten die vier Grundtypen in einem Team möglichst alle vorhanden sein. Nur wenn die sehr unterschiedlichen Stärken in einem einzelnen Team zusammen kommen, kann es langfristig erfolgreich zusammenarbeiten.

Zu der Wahrheit gehört aber auch, dass alle Verhaltenstypen mit einem bestimmten Set an Schwächen aufwarten. Meinen Blick auf Menschen hat das sehr entspannt: Es gibt nicht den einen Helden, der in allem überdurchschnittlich gut ist. Wir alle brauchen Ergänzung von Menschen, die explizit anders sind als wir.

Das Enneagramm in aller Kürze

Das Enneagramm habe ich hingegen erst vor ca. 1,5 Jahren intensiver kennengelernt. Es ist kein Modell, das auf der Verhaltensebene ansetzt, sondern sehr viel tiefer auf der Persönlichkeitsebene. Hier ein paar Besonderheiten:

  • Das Modell ist alt. Sein Ursprung scheint irgendwann zwischen dem christlichen Wüstenmönch Evagrius Pontikus (der ist 399 gestorben und nein, ich kannte den auch noch nicht) und dem Mittelalter zu liegen. Vielleicht ist das Modell nicht nur alt, sondern eher uralt.
  • Es werden insgesamt neun Grundtypen anhand von Nummern benannt. Diese Grundtypen beschreiben verkürzt gesagt die Strategien, die wir uns als Kinder angeeignet haben. Sie dienten dazu, Schwierigkeiten und Probleme in unserem direkten Umfeld möglichst unbeschadet zu überstehen und uns sicher zu fühlen. Typischerweise kommen diese Strategien bei uns auch noch im Erwachsenenalter zur Anwendung.
  • Das Modell ist in erster Linie zum Arbeiten am eigenen Ich gedacht. Es ist explizit nicht für das einsortieren anderer Menschen in Schubladen oder das Zusammensetzen von Teams geeignet (auch wenn ich zugebe, dass es mir im Verstehen von wahlweise schrecklichen bis schlicht skurilen Menschen geholfen hat – ich muss ihnen ja nicht mitteilen, in welches Kästelchen ich sie gesteckt habe…)
  • Jeder Typ wird in den Abstufungen seines Reifegrads beschrieben: unreif, normal oder gereift- wobei die Autoren hier natürlich unterschiedliche Begriffe verwenden. Das Ziel ist, das eigene Leben möglichst oft als gereifter Mensch bewusst zu gestalten.
  • Außerdem tendieren die Grundtypen unter Stress oder in Entspannung zu dem Verhalten von anderen Typen. Diese Perspektive macht das Model wunderbar dynamisch, weil sich mein Verhalten auch innerhalb eines Tages zwischen diesen Tendenzen verändern kann. Ich kann wie bei einem Thermometer mein eigenes Stresslevel ablesen.
  • Interessant sind auch die jeweiligen “Flügel” der Grundtypen. Die neun beschriebenen Typen sind in einem Kreis angeordnet, so dass jeder Typ auf der eigenen rechten und linken Seite einen “Flügelspieler” hat. Auch hier sind Tendenzen für die eigene Persönlichkeit zu erkennen, an denen gearbeitet werden kann.

Ein paar Hinweise zum Start

Da es inzwischen genug Bücher, Podcasts, etc. zum Thema gibt, werde ich hier zu der puren Theorie nicht mehr schreiben. Die folgenden Hinweise gebe ich einfach für diejenigen, die Lust haben tiefer einzusteigen.

In Deutschland wie auch den USA verweisen die meisten Menschen, die sich mit dem Enneagramm auseinandergesetzt haben, auf das Buch von Richard Rohr und Andreas Ebert. Ich kann das nicht empfehlen. Es ist für den Einstieg aus meiner Sicht schlicht zu trocken und geschichtslastig.

Ich empfehle am liebsten die Podcastfolge von TheLiturgists. Sie gibt einen guten Überblick über die neun Grundtypen und ist ausgesprochen unterhaltsam gestaltet. Mit kleinen Liedchen für jeden Typen und Originalzitate von Vertretern des Typs – dann tut die Selbsterkenntnis auch nicht so ganz weh. Die Folge war tatsächlich auch mein Einstieg ins Thema und die Identifikation meiner eigenen Nummer war damit relativ leicht. Allerdings ist sie nur zu empfehlen, wenn Englisch einigermaßen beherrscht wird.

Von den beiden Experten dieser Podcastfolge (Ian Cron & Suzanne Stabile) gibt es ein hervorragendes Buch zum Einstieg ins Thema. Anders als bei Rohr wird sich nicht lange mit der Geschichte aufgehalten, sondern es geht direkt ans Eingemachte. Es liegt inzwischen auch auf deutsch vor, ich habe es entsprechend verlinkt Die beiden Autoren sind zunächst mit einem gemeinsamen Podcast gestartet, bei dem sie jeweilige Vertreter der Verhaltenstypen interviewten. Inzwischen haben beide ihre eigenen Sendungen. Ian Cron hat dabei aus meiner Sicht die interessanteren Gesprächspartner.

Viele Enneagramm-Lehrer raten von konkreten Tests zum herausfinden des eigenen Persönlichkeitstyps ab. Ihre Strategie ist die Selbsterkenntnis während man die neun Typen einzeln kennenlernt. Das hat bei mir auch ganz gut funktioniert. Zahlreiche Tests gibt es natürlich trotzdem. Ich selbst habe den kostenlosen Test quellgrund ausprobiert und er ist zu dem gleichen Ergebnis gekommen wie ich selbst (ja, ich gebe es zu – ich war tatsächlich ein bißchen erleichtert). Bei der Auswertung waren interessante Hinweise und Vorschläge enthalten. Unter anderem, dass ich regelmäßig bloggen sollte…

Im nächsten Post werde ich die graue Theorie zum Thema verlassen. Viel spannender ist es ja immer, die Menschen vor dem Hintergrund ihrer Verhaltenstypen kennenzulernen. Ein bißchen werde ich von meiner eigenen Reise mit dem Enneagramm erzählen, von meinem Jubelruf “ich spüre meinen Ärger” und der hart erkämpften Aussage “ich bekomme langsam Routine in Konfliktgesprächen.”

Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Entdecken der eigenen Nummer… Sollte es am Anfang entlarvend und schmerzhaft sein – nicht wundern. Das gehört meistens mit dazu…

My personal predecessor: The DISG model

Those who have been on the road in Christian or free church circles for a while will most likely have heard of DISG-Model, a behavioral model with four basic types. I myself have worked with this model for many years in vocational training seminars. Here I always immediately remember the classic opening picture of Tiki Küstenmacher: an elephant, a monkey, a seal, a snail, a fish in a glass and finally a parrot on the elephant’s head. They all look with big eyes at the “teacher” behind his desk. Next to it stands a large, magnificent tree. And then the text underneath: “In order to be fair, you all receive the same test task. Climb that tree.” This is an impressive picture even for younger students who can read the text just like that. You understand immediately: This task is not primarily fair, but more or less suitable for the individual animals. The monkey enjoys a branch (or sits on it after only a short time) while the fish can make an effort – it has no chance.

Through the many years of practical application of the model, I have learned on the one hand that every type of behavior can show certain strengths. On the other hand, the four basic types should be available in one team. Only when the very different strengths come together in a single team can it work together successfully in the long term.

But it is also true that all behavior types come with a set of weaknesses. My view of people has been very relaxing: There is not the one hero who is above average in everything. We all need to complement people who are explicitly different from us.

The Enneagram in brief

I got to know the Enneagram more intensively about 1.5 years ago. It is not a model that starts at the behavioral level, but rather a much deeper one at the personality level. Here are some special features:

  • The model is old. Its origin seems to lie somewhere between the Christian desert monk Evagrius Pontikus (who died in 399 and no, I didn’t know him yet) and the Middle Ages. Perhaps the model is not only old, but rather very old.
  • A total of nine basic types are named by numbers. These basic types briefly describe the strategies we have adopted as children. They were used to overcome difficulties and problems in our immediate environment as unharmed as possible and to make us feel safe. Typically, these strategies are also used in adulthood.
  • The model is primarily intended for working on one’s own self. It is explicitly not suitable for sorting other people into drawers or putting together teams (although I admit that it has helped me to understand people who are either horrible or simply bizarre – I don’t have to tell them in which box I put them…).
  • Each type is described in the gradations of its degree of maturity: immature, normal or mature – although the authors use different terms here, of course. The goal is to consciously shape one’s own life as often as possible as a mature person.
  • In addition, the basic types tend to behave like other types under stress or in relaxation. This perspective makes the model wonderfully dynamic, because my behaviour can change within a day between these tendencies. I can read my own stress level like a thermometer.
  • Interesting are also the respective “wings” of the basic types. The nine described types are arranged in a circle, so that each type has a “wing player” on its own right and left side. Here too, there are tendencies for one’s own personality that can be worked on.

A few tips for the start

Since there are now enough books, podcasts, etc. on the topic, I won’t write about pure theory here any more. I give the following hints for those who want to go deeper.

In both Germany and the USA, most people who have dealt with the Enneagram refer to the book by Richard Rohr and Andreas Ebert. I can’t recommend this. From my point of view, it is simply too dry and full of history.

I recommend the podcast episode of TheLiturgists. It gives a good overview of the nine basic types and is very entertaining. With small songs for every type and original quotes from representatives of the type – then self-knowledge doesn’t hurt so much. The result was actually my introduction to the topic and the identification of my own number was relatively easy.

From the two experts of this podcast series (Ian Cron & Suzanne Stabile) there is an excellent book on the introduction to the topic. Contrary to Rohr’s book, the history does not last long, but it goes directly to the preserves. The two authors first started with a joint podcast in which they interviewed representatives of the behavioral types. Now they both have their own shows. In my opinion, Ian Cron has the more interesting interlocutors.

Many Enneagram teachers advise against concrete tests to find out your own personality type. Their strategy is self-knowledge while getting to know the nine types individually. That worked pretty well for me, too. Nevertheless, there are of course numerous tests.

In the next post I will leave the grey theory on the subject. It is always much more exciting to get to know people against the background of their behavioral types. I will tell a little bit about my own journey with the Enneagram, about my cheering “I feel my anger” and the hard-won statement “I am slowly getting routine in conflict talks”.

Until then I wish you a lot of fun discovering your own number… Should it be debunking and painful at the beginning – don’t be surprised. That’s usually part of it….

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