In Kürze beginnt die Fastenzeit

Lent is about to begin

(for an english version: scroll to the bottom)

Weder in meiner pfingstlich-charismatischen Aufzucht noch in meiner aktuellen Gemeinde spielt die Fastenzeit eine größere Rolle. Dass es viele Christen gibt, die diese 40 Tage sehr bewusst gestalten und z.B. auf Fleisch oder Alkohol verzichten, war mir lange gar nicht bekannt. Inzwischen habe ich dazu gelernt.

Eine der Autorinnen, die mich richtig sehnsüchtig nach Aschermittwoch und der Fastenzeit hat werden lassen ist Micha Boyett. Sie hat ein Buch über das Gebet geschrieben. Es ist ein leises, nachdenkliches, suchendes Buch über die Regel des heiligen Benedikts und wie sie versucht, die sehr strukturierte Gebetsart von Mönchen als Hausfrau und Mutter anzuwenden.

In ihrem Buch beschreibt sie einen Aschermittwochsgottesdienst (ich habe versucht zu übersetzen):

“Ich beobachte, wie sich die Gemeinde auf die Vorderseite des Raumes zubewegt. (…) Ich bitte Gott, mir zu sagen, dass ich liebenswert bin, ob ich nach Afrika gegangen bin oder nicht, ob ich Poesie studiert habe oder nicht, ob ich im vollzeitlichen Dienst geblieben bin oder bei meinem Sohn zu Hause war, ob ich jemals lernen werde zu beten oder für den Rest meines Lebens durch das Gebet stolpere.

Dann sitze ich und schaue zu: Reihe um Reihe bewegen sich die fünfhundert Teilnehmer nach vorne zu den vier Priestern mit Halskrausen. Diese halten Schmierdosen in den Händen, die mit den Überresten der verbrannten Palmsonntagsblätter vom letzten Jahr gefüllt sind. (…)

Ich folge der Reihe von Menschen zum Altar, wo ein Pastor mir das Kreuz auf die Stirn malt und die Liturgie spricht: Erinnere Dich, aus Staub bist Du und dahin kehrst Du zurück.

Diese Symbolik und Bilder lassen mich sehnsüchtig werden. Da ist eine Seite in mir, die mehr  handfeste Rituale und weniger Worte braucht. Vielleicht werde ich irgendwann einmal einen traditionelle Aschermittwochgottesdienst besuchen.

In diesem Jahr möchte ich zunächst einmal meine Fastenzeit noch bewusster gestalten. Drei Themen sollen mich durch die 40 Tage begleiten:

  1. Auf Süßigkeiten und Zucker so gut wie möglich verzichten. Das habe ich im letzten Jahr schon gemacht. Es ist erfahrungsgemäß gerade am Anfang echt hart. Dann ist der Körper irgendwann halbwegs entwöhnt und ich freue mich schon darauf, intensiver schmecken zu können. Richtig hart wird die Zeit nach dem Mittagessen, bzw. beim Nachmittagskaffee aber die ganzen 40 Tage bleiben. Hier bedeutet das Weglassen eines kleines Stückchens Schokolade jeden Tag wieder echtes Verzichten. Für dieses Jahr wünsche ich mir, dass ich diese Momente voller Sehnsucht nach dem braunen Glück noch mehr für eine bewusste Ausrichtung auf Gott und kleine Gebete nutze. Ob der Herr soviel Leere ausfüllen kann???
  2. Vorgenommen habe ich mir das Folgende schon häufiger, jetzt habe ich entschieden, mich in der Fastenzeit dazu zu zwingen und es hier öffentlich zu machen. Manchmal scheitere ich nämlich einfach nur schon, weil ich schüchtern bin. Das darf mich die nächsten Wochen nun trotzdem nicht abhalten. Also: Ich erschrecke immer mal wieder, mit welcher Routine ich beim Einkaufen den Kassiervorgang hinter mich bringe. Ein kurzes Begrüßen der Kassierer während ich die Taschen im Einkaufswagen bereit lege, dann geschäftiges Einpacken der Waren, ohne abzuwarten beantworte ich die Frage gleich selbst: “Ich zahle mit Karte”, das ist dann auch innerhalb von Sekunden geschehen. Während meine Augen schon den Ausgang suchen und ich den Einkaufswagen in die entsprechende Richtung schiebe, murmel ich noch “Vielen Dank und einen schönen Tag für Sie”. Ich bin sicherlich kein Arsch beim bezahlen, aber ich kann auf dem Parkplatz zu der Haarfarbe der Kassiererin schon nix mehr sagen. Das ist jedes Mal eine verschwendete Möglichkeit für eine echte menschlichen Begegnung. Meine Challenge für die Fastenzeit sind hier zwei Punkte: a) namentliche Begrüßung (die meisten der Kassierer haben ja ein Namensschild an) und b) Augenkontakt herstellen. Ehrlich gesagt macht mich diese Herausforderung nervös, weil ich so auffallen werde. Aber gut, ein bißchen guter Nervenkitzel gehört dieses Jahr dazu.
  3. Etablieren einer morgendlichen Meditationseinheit. Die war schon einmal da und ist wieder verloren gegangen. Das soll sich in den nächsten 40 Tagen wieder ändern.

Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass ich mich zu den drei Punkten später hier auf dem Blog noch einmal äußern werde. Ich musste mich aber nun v.a. selbst erstmal unter Druck setzen, damit ich nicht nach einer Woche aufgebe und anfange, ganze Schoki-Osterhasen zu verzerren. Obwohl ich ja bei jedem einzelnen Einkauf der Schokihasen freundlich zur Verkäuferin sein könnte… Nein, gibt´s nicht – alle drei Punkte sollen bis Ostersonntag durchgezogen werden!

Und wie gestaltet ihr die Fastenzeit? Gar nicht? Fernseh- oder Kaffeefasten? Mit besonderen Gebetsritualen?

Neither in my Pentecostal charismatic rearing nor in my current congregation does Lent play a greater role. I was not aware for a long time that there are many Christians who spend these 40 days very consciously and for example abstain from meat or alcohol. In the meantime, I have learned to do so.

One of the authors who really made me yearn for Ash Wednesday and Lent is Micha Boyett. She wrote a book about prayer. A quiet, thoughtful, searching book about the Rule of Saint Benedict and how she tries to apply the very structured way of prayer of monks as housewives and mothers.

In her book she describes an Ash Wednesday service:

“I watch as the congregation begins moving toward the front of the room. (…) I ask God to tell me that I´m lovabel whether or not I went to Africa or studied poetry, whether or not I stayed in ministry or stayed home with my son, whether or not I ever learn to pray or fumble through prayer for the rest of my life.

Then I sit, watching: row after row, the five hundred attendees slide forward in two single-file lies toward  the four ministers in collars with smudge cans filled with the remains of last year´s incinerated Palm Sunday leaves. Their thumbs mix the oils of our foreheads, dipping over and over and mingling us all together with those remains. (…)

I follow the line of people to the altar, where a pastor marks me with ashes and recites the liturgy: remember that you are dust, and to dust you shall return.”

These symbolism and images make me longing. There is a side in me that needs more tangible rituals than words. Perhaps one day I will visit a traditional Ash Wednesday service.

This year I would like to start by making my Lent even more conscious. Three themes shall accompany me through the 40 days:

  1. Avoid sweets and sugar as much as possible. I did that last year. Experience has shown that it is really hard, especially at the beginning. Then the body will be halfway weaned at some point and I am already looking forward to tasting more intensely. The time after lunch or the afternoon coffee will be really hard, but the whole 40 days will remain. Here is a small piece of chocolate every day again a real renounce. For this year, I hope to use these moments of longing for brown happiness even more for a conscious focus on God and small prayers. I wonder if the gentleman can fill in that much void?
  2. I’ve done the following several times before, now I’ve decided to force myself to do it during Lent and make it public here. Sometimes I just fail because I’m shy. That must not, however, prevent me from doing so in the coming weeks. So: I’m always startled by the routine with which I complete the checkout process while shopping. A short greeting of the cashiers while I put the bags ready, then busy packing of the goods, without waiting, I answer the question immediately myself:”I pay with card”, this happened then also within seconds. While my eyes are already looking for the exit and I push the shopping trolley in the right direction, I still mumble “Thank you and have a nice day for you”. I’m certainly not an ass at paying, but I can’t say anything more to the cashier’s hair color in the parking lot. This is always a wasted opportunity for a real human encounter. My challenge for the Lent is therefore two points: a) personal greeting (most of the cashiers have a name tag on) and b) eye contact. Frankly, this challenge makes me nervous because I’m gonna stand out. But well, a little bit of a thrill is part of this year’s action.
  3. Establishing a morning meditation session. It was there before and has been lost again. This should change within the next 40 days.

There is a certain probability that I will return to the three points here on the blog later. But I had to put myself under pressure to not give up after a week and start distorting whole chocolate Easter bunnies. Even though I could be friendly to the seller at every single purchase of the chocolate bunnies… No, there’s no such thing – all three points should be scored until Easter Sunday!

And how do you shape Lent? Not at all? Television or coffee fasting? With special prayer rituals?

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