Rezension – Sarah Bessey: Out of sorts

Es ist ungefähr 12 Jahre her, als ich Teil einer unglaublich großen Gemeinde war und unheimlich frustriert jeden einzelnen Gottesdienst verlassen habe. Das lag zu einem wahrscheinlich eher geringen Teil an den Menschen, welche die Gottesdienste geprägt haben. Zu einem viel größeren Teil lag es aber an jeder Menge Fragen und Vorwürfen und inneren Auseinandersetzungen mit dem „Glaubenssystem“ an sich. Ich war in einer Gemeinde aufgewachsen, ich kannte alle richtigen Antworten. Vor wenigen Tagen saß ich noch lange mit einer Freundin im Auto und wir haben uns ausgetauscht, wie klar und einfach der Glaube an Gott mit 17 war. Es war uns fast schon peinlich, wie sicher wir uns damals waren.

Wir sind in einem bestimmten Glaubenssystem aufgewachsen, das wir zunächst übernommen und für richtig befunden haben. Dann lernen wir dazu, machen unsere eigenen Erfahrungen, sehen wie Menschen in der Gemeinde und von Leitern tief verletzt und enttäuscht werden. Und wir fangen an, Fragen zu stellen. Ich glaube, dass diese Auseinandersetzung notwendig ist. Damit wir zu unseren eigenen Überzeugungen finden. Damit wir verstehen: Was von meinen Erfahrungen sind Enttäuschungen von Menschen, was sind Enttäuschungen von Gott. Wenn der Prozess gut durchlebt wird und die notwendigen Fragen gestellt und ausgehalten werden, bietet diese Reise eine wunderbare Chance: Auf ein tieferes Verständnis über Gott und seine Gemeinde und eine größere Liebe zu ihm und den Menschen um uns herum.

Sarah Bessey, eine kanadische Autorin und Bloggerin, hatte mich schon mit „Jesus Feminist“ sehr begeistert. In Ihrem zweiten Buch hat sie sich genau mit dieser Reise auseinandergesetzt, die so viele junge Christen in unserer Zeit einschlagen (müssen). Bei ihr wird die Reise als ein Aussortieren beschrieben: Wir betrachten die einzelnen Überzeugungen, prüfen sie und entscheiden, was wir behalten wollen und was wir hinter uns lassen müssen, weil sie nicht mehr uns entsprechen. Sie beschreibt über große Teile einfach ihre eigene Reise, ihre eigenen Fragen, ihr eigenes Ringen. In einer viel größeren Tiefe und mit mehr theologischem Verständnis, als ich je erreichen werde.

Welche Fragen widmet sich das Buch?

  • Ist es möglich, Jesus innerhalb der Gemeinde aus dem Fokus zu verlieren?
  • Was ist Theologie und wer darf theologisieren?
  • Wie kann ich beten, wenn ich so verletzt bin, dass ich keine Worte finde?
  • Wie kann ich „Dein Reich komme“ in meinem Alltag leben?

Wie werden diese Fragen beantwortet?

Mich hat Besseys Tiefe und Mut beeindruckt, mit der sie sich den wirklich schwierigen Fragen stellt. Ich selbst konnte mich sehr gut in fast allen von ihr angesprochenen Themen wiederfinden. Sie fasst vieles in Worte, was bei mir auf der emotionalen Ebene in den letzten Jahren durchgerungen wurde und zu einem guten Abschluß gefunden hat. Das Buch hilft mir entsprechend, sprachfähig zu werden.

Bessey fällt es leicht, zwei Wahrheit nebeneinander zu stellen, die enthaltene Spannung zu beschreiben und dann auch im Alltag mit Leben zu füllen. Die Bibel zu lesen beispielsweise kann dann zu manchen Zeiten bedeuten, voller Glauben das Wort Gottes zu proklamiere. Zu anderen Zeiten tauchen wir tief in den historischen Kontext ein um den Hintergrund zu verstehen. Beten kann heißen, voller Inbrunst die neuesten Lobpreislieder zu singen, während einem fast die Ohren wegfliegen. Zu Hause zünden wir dagegen vielleicht schweigend eine Kerze für die Flüchtlinge an, weil ihr Schmerz uns so berührt, dass wir keine Worte finden. Oder wir wenden uns dem Stundengebet zu, weil wir zumindest ein ganz kleines bißchen Struktur in unserem völlig verrückten Alltag suchen.

Welche Fragen habe ich jetzt?

Bessey zeichnet sich vor Allem durch ihre unbändige Liebe zu Jesus aus. Und ist mir dadurch zu einem Vorbild geworden.

Wir können auf dieser Reise und dem Aussortieren des „Glaubenssystems“ über unendlich viel diskutieren: Wie war das nochmal mit der Schöpfung in sieben Tagen? Und war Jona tatsächlich in dem Bauch eines Wales? War es ein Apfel, mit dem Eva verführt wurde? Und was ist eigentlich mit der Frage der Homosexualität? Und die Bedeutung des Kreuzes? Und den armen eierlegenden Wollmilchsäuen, denen wir unfassbar viel Arbeit und Verantwortung auflegen und Pastoren nennen? Das sind alles mehr oder weniger wichtige Fragen.

Nach dem Lesen von „Out of Sorts“ scheinen mir diese folgende Fragen soviel wichtiger und bedeutender zu sein: Wer ist Jesus für mich? Was heißt es für mich, ihm nachfolgen zu wollen? Wie schnell vergebe ich? Wie oft gelingt es mir, den anderen höher zu achten als mich selbst? Viel interessanter, viel ehrlicher, viel wichtiger.

Meine drei Lieblingszitate

I felt ripped off. Because this Jesus, the one here in the pages of my bible, the one who spoke in the red letters, the one I was yearning to know in my heart of hearts and walk behind every day – this Jesus was so different from all those other Jesuses. He wasn´t in a tidy box. He wasn´t the property of any one religion or denomination or belief system, or of a governmental system or a financial system or a lifestyle. He was bigger, wilder, and more wonderful than all of that. And it made me feel angry to realize it.

I had to learn to read the whole bible through the lens of Jesus, and I had to learn to stop making it into something it wasn´t – a glorified answer book or rule book or magic spell. I had to stop trying to reduce the Bible to something I could tame or wield as a tool. I had to let the Bible be everything it was meant to be, cast away the idols of certainty, materialism, and control.

In a fractured and mobile and hypercustomized world, intentional community – plain old church – feels like a radical act of faith and sometimes like a spiritual discipline. We show up at a rented school and drink a cup of tea with the people of God. And we remember together who we are and why we live this life, and we figure out all over again how to be disciples on the Way.

 

Mir bleibt nur noch zu sagen: Wärmste Leseempfehlung!

Rezension – Donald Miller: Eine Million Meilen in tausend Jahren

img_8455Immer wieder versuche ich den Buchhandlungen hier in der Nähe eine Chance zu geben und manchmal, ganz manchmal mache ich unglaublich Funde. So auch bei diesem Buch. Von Donald Miller hatte ich bisher wegen seines Buches „Blue like Jazz“ gehört. Als ich vor ein paar Wochen dann mal wieder durch die ortsansässige christliche Buchhandlung schlenderte  hatte ich schon fast aufgegeben. Schon wieder draußen ließ ich den Blick nochmal über die stark reduzierten Artikel schweifen, als Millers Name mir ins Auge fiel. Bei dem stark reduzierten Preis war mein Gewissen zwar nur mässig über die letzten Amazon-Käufe erleichtert, die Freude über das Buch dann aber umso größer.

Der Untertitel des Buches lautet „Was ich beim Umschreiben meines Lebens gelernt habe“. Nach dem großen Erfolg von Millers Buch „Blue life Jazz“ sollte ein Film gedreht werden. Da die Inhalte des Buches nur als grobe Orientierung dienen konnten, brauchte es ein eigenes Drehbuch, das Miller mit zwei Kollegen über einen längeren Zeitraum hinweg schrieb. Auf diese Reise nimmt Miller seine Leser mit und lernt jede Menge über die Prinzipien einer guten Geschichte. Aus dieser Perspektive ist es ein leicht zu lesendes Sachbuch. Gleichzeitig hält Miller sein eigenes Leben den Prinzipien einer guten Geschichte entgegen und stellt fest: Mein Leben ist eigentlich ganz schön langweilig und von Angst geprägt. Eigentlich wünsche ich mir eine viel spannendere eigene Geschichte. Hier ist das Buch eine ansprechende Autobiografie, die das Leben mit unfassbar vielen Gestaltungsmöglichkeiten darstellt.

Welchen Fragen widmet sich das Buch?

  • Was sind die wichtigsten Prinzipien einer guten Geschichte?
  • Was ist notwendig, damit sich eine Figur verändert?
  • Was macht ein Leben bedeutungsvoll?

Wie werden sie beantwortet?

Miller erklärt Geschichten in erster Linie mit eigenen Geschichten. Großen und kleinen. Dabei geht er auf die Suche nach seinem Vater, lernt eine Frau kennen, fängt an Fahrrad zu fahren um sich zu nächst einfach mehr zu bewegen und irgendwann auf dem Fahrrad die USA zu durchqueren. Oft erzählt er auch von Menschen, deren Geschichten ihn bewegt und inspiriert haben. Nebenher lernt der Leser die Grundprinzipien einer guten Geschichte kennen (das Filme schauen wird danach nicht mehr dasselbe sein…) und was in diesem Fall noch viel wichtiger ist: Wie diese Prinzipien auf das eigene Leben angewendet werden können.

Auslöserereignisse sind z.B. notwendig, damit wir uns in Bewegung setzen. Außerdem gehören zu einer  guten Geschichte Konflikte, die die Hauptfigur durchleben muss und das Überwinden von Ängsten.  Mir ging es so, dass ich ständig beim Lesen über mein eigenes Leben reflektiert habe und mich häufiger richtiggehend ertappt gefühlt habe. Und mir wurde klar: Gute große und kleine Lebensgeschichten sind anstrengend, sie kosten unheimlich viel. Aber auf sie zurückzublicken ist das Schönste, was man erleben kann. Insofern hat dieses Buch in erster Linie unheimlich motiviert, mein Leben (und damit jeden einzelnen Tag) nicht nur einfach passieren zu lassen, sondern bewusst zu gestalten.

Welche Fragen habe ich jetzt?

  • Welche Entwicklung wünsche ich mir und welches Auslöserereignis ist dafür notwendig?
  • Gibt es eine unvergessliche Szene, die ich  als nächstes gestalten möchte?
  • Welche Werte stellt meine bisherige Geschichte in den Mittelpunkt?

Meine drei Lieblingszitate

  • „Wenn mich etwas tröstet, als ich mich an meiner ersten Geschichte zu schaffen machte, dann war es die Tatsache, dass in nahezu jeder Geschichte der Protagonist sich wandelt. Am Anfang ist er ein Idiot und am Ende nett, oder er ist am Anfang ein Feigling und am Ende tapfer. Wenn die Figur sich nicht verändert, dann ist die Geschichte noch nicht gelaufen. Und wenn Geschichten Abbilder des wirklichen Lebens sind, wenn Geschichten nur verdichtete Versionen des Lebens sind, dann ist vielleicht auch das Leben selbst darauf angelegt, uns zu verändern, so dass wir uns von einer Sorte Menschen zu einer anderen entwickeln.“
  • „Es stimmt, dass Ehrgeiz zwar Furcht hervorruft, zugleich aber auch die Geschichte erzeugt. Aber das ist ein gutes Geschäft, denn sobald man den Blick zum Horizont richtet, fühlt sich das Leben nicht mehr bedeutungslos an. Und plötzlich kommen Gefahren und Risiken in die Geschichte hinein und die bange Frage, ob man es schaffen wird.“
  • „Wir bringen unseren Kindern gute oder schlechte Geschichten bei, wofür es sich lohnt zu leben und wofür es sich lohnt zu sterben, wonach es sich zu streben lohnt und mit welcher Würde eine Figur ihre eigene Erzählung in Angriff nimmt.“

Grundsätzlich sei noch erwähnt, dass der Schreibstil sicherlich gewöhnungsbedürftig ist. Häufig hat man das Gefühl, direkt in Millers Kopf zu sitzen und die Gedanken ungefiltert serviert zu bekommen. Ungewöhnlich aber gut zu lesen.

Und falls es der Buchhändler um die Ecke nicht mehr bekommt – Amazon hat da noch was…

Eine ScheiterFeier – FuckUpNight in Frankfurt

Wir als kleine Familie waren die letzten drei Jahre Teil eines großen Traums. Darin ging es um ein Tech-StartUp, unfassbar viel Geld, unfassbare Anekdoten mit Investoren, mehrere namhafte Preise, die dicksten Teppiche in den Vorstandsetagen der deutschen Banken und zwischenzeitlich über 40 Mitarbeiter. Es ging um Geld- und Machtgeilheit und wie diese alle Potentiale einer zukunftsweisenden Technologie zerstören kann.

Am vergangenen Donnerstag wurde dieser Traum zu Grabe getragen. Als Trauergemeinde waren knapp 1200 Gäste gekommen, alle waren gut gelaunt, viele tranken Bier, Christian Lindner wurde beklatscht und es wurde viel gelacht, häufig wohl auch aus dem Wiedererkennen des eigenen Verhaltens heraus. Mein Mann sprach auf der FuckUpNight in Frankfurt über die Lektionen des Scheiterns dieses StartUps. Außer ihm und Herrn Lindner haben noch zwei weitere Gründer über Fehler, Hindernisse und sehr offen auch über Enttäuschung und Trauer gesprochen. Mich persönlich hat die Bandbreite der rübergebrachten Emotionen beeindruckt. Scheitern tut schauerlich weh und braucht Zeit, um verarbeitet zu werden. Aber gerade auch der Rahmen eines solchen Abends trägt dazu bei, dem Versagen in die Augen zu schauen, die schönen Zeiten zu erinnern, die Fehler zu benennen und Gelerntes mit anderen Gründern zu teilen, die überaus dankbar für die Offenheit sind.

Eine neue Kultur des Scheiterns soll explizit mit solchen Abenden auch gerade in Deutschland propagiert und geprägt werden. Oder wie Lindner es forderte: Ist ein Gründer erfolgreich verdient er Anerkennung, scheitert er verdient er Respekt.

Gleichzeitig wurde deutlich, wieviel Herzblut und Leidenschaft eine Gründung erfordert und dass immer auch eine gehörige Portion Abenteuergeist dazu gehört. Schön war das Zitat von Holger Heinzes Mutter, als er ihr gebeichtet hat, dass sein Modeversand gescheitert ist: „Das ist scheiße. Aber nicht so scheiße, wie wenn Du nie rausgefunden hättest, dass es nicht funktioniert.“

Dass Freunde und das richtige soziale Umfeld eine wichtige Rolle spielen kam in allen Vorträgen mehr oder weniger zum tragen. Ich habe danach gescherzt, dass es doch bestimmt auch mal interessant wäre, die Lebenspartner der gescheiterten Gründer zu Wort kommen zu lassen. Aber das kann ja noch kommen. Für dieses Mal habe ich mich neben den interessanten und humorvollen Beiträgen, die leider alle von Männern kamen, umso mehr über eine hochschwangere Moderatorin gefreut.

Well done an die Organisatoren und Ruhe in Frieden, lieber StartUp-Traum! Bis zum nächsten Mal. Nach dem Abend bin ich mehr denn je der Überzeugung: Ein Großteil der Gründer sind Serientäter. Es wird nur eine Frage der Zeit sein…

Wer über die Veranstaltung informiert bleiben will, kann sich hier eintragen. Auf der Seite sind auch ein paar tolle Fotos veröffentlicht.

Eine Schnitzeljagd auf dem Neroberg

Auf meinem Schreibtisch stehen gelbe Rosen in einer hellblauen Vase. Diese Maßnahme der Selbstliebe musste gestern, am letzten Tag des grauen Februars unbedingt sein. Schließlich möchte ich diese Woche gut gelaunt und mit zumindest ein bißchen Energie und einer schönen Aussicht gestalten.

IMG_5348  Vergangenen Sonntag sollte es eigentlich auch richtig schön und sonnig werden. Im Gegensatz zu den Vorhersagen war aber nur das farblose Grau wie schon die zahlreichen Wochen vorher zu sehen. Dazu wehte auf unserem Hausberg selbst zwischen den Bäumen ein heftig kalter Wind. Uns war das die meiste Zeit egal. Wir waren mit der Klasse unseres Sohnemannes zu einem besonderen Klassenfest verabredet, dass sich statt durch gemeinsames Kalorienaufnehmen vor allem durch gemeinsame Streckenbewältigung auszeichnete.

IMG_5349Nach einem kleinen Blick auf die Russische Kapelle ging es direkt am Kletterpark auf den Walderlebnispfad. Bisher kannte ich lediglich drei der vorhandenen Stationen. Weitere Stationen waren mir zuerst aufgrund der noch nicht vorhandenen Wanderausdauer meines Großen und dann aus Zeitnot verwehrt geblieben. Wie schön, dass sich die Zeiten ändern. Nach einer guten Stunde und einer ganz ansehnlichen Strecke waren wir dann bei unserem Ziel, dem Spielplatz an der Leichtweißhöhle angekommen.

IMG_5356Frische Luft – gibt es in dieser Jahreszeit etwas besseres? In der kurzen Zeit, die meine Tochter außerhalb des Kinderwagens (und nicht mit dem Nachholen des verweigerten Mittagsschlafs) zugebracht hat, haben wir dann auf kräftig gesungen:

„Das Wandern schafft stets frische Luft und hält das Herz gesund – frei atmet draußen meine Brust – froh singet stets mein Mund.“

Und nun ist der graue Februar vorbei – und keiner vermisst ihn! Wir sollten feiern.

2015 – virtuelles Bücherregal

Bücherregale in anderer Leute Wohnungen und Häuser… Ich liebe es, mein Bild von Menschen durch einen Blick auf ihren Regalinhalt ein bißchen zu vervollständigen. Falls jemand ähnlich neugierig ist: Hier die Einladung zum stöbern.

Bücher:

Ann Vosskamp – Tausend Geschenke: Vosskamp lebt als Farmerfrau in Kanada mit sechs Kindern sicherlich ein komplett anderes Leben als ich und setzt an vielen Punkten sehr andere Prioritäten. Zusätzlich schreibt sie keine wilden Geschichten sondern erzählt ausgesprochen langsam und mit vielen Verästelungen. Für das Buch habe ich am Anfang des vergangenen Jahres eine ganze Weile gebraucht, beeindruckt hat es mich trotzdem: Weil deutlich wird, welchen großen Einfluss eine dankbare Haltung wenn wir sie bewusst einüben auf uns selbst hat. Wie sich der gesamte Blick auf das eigene Leben ändern kann. Ich bin mir sicher: Ohne das Buch und die darin enthaltene Einladung zur Dankbarkeit wäre das letzte Jahr noch wesentlich schwieriger gewesen.

Sarah Bessey – Jesus Feminist: In mir wohnt ja schon auch eine kleine Rebellin. Und die freut sich über die Kombination von Jesus und Feministin im Buchtitel. Manches ist eher amerikanische Kulturstudie, vieles hat mich  aber auch sehr angesprochen und herausgefordert. Ich mag Besseys prophetischen Schreibstil, besonders der sehr ausführliche Schlusssegen hat mich längere Zeit bewegt und inspiriert. Aber auch ihre weite Perspektive:

God has a global dream for his daughters and his sons, and it is bigger than our narrow interpretations or small box constructions of „biblical manhood or womanhood“ or feminism; it´s bigger than our frozen-in-time arguments or cultural biases, bigger than socioeconomics (or the lack thereof), bigger than martial status, bigger than our place, bigger than all of us – bigger than any one us.

Für alle, die sich Gedanken um die Rolle von Frauen in der Bibel oder Gemeinde oder Gesellschaft machen.

Faber & Mazilish – Siblings Without Rivalry: Nur soviel – ich hatte Gründe, dieses Buch zu lesen. Und finde es wirklich hilfreich. Sehr angenehm geschrieben mit vielen verschiedenen Geschichten, die dann in kurzen handfesten Tipps zusammengefasst werden. Wenn ich ausgeschlafen bin, gelingt die Umsetzung auch immer häufiger. Und wenn es nicht gelingt, dann habe ich für das nächste Mal zumindest Anhaltspunkte zum besser machen. Damit kann ich besser leben als mit der manchmal überwältigenden Ratlosigkeit vor der Lektüre.

Charlotte Roth – Als der Himmel uns gehörte: Eine wunderschöne und dramatische Geschichte, die zwei Frauenleben und den großen Traum von Olympia miteinander verbindet. Ich hatte Spaß und war gut unterhalten.

Hörbücher:

Brené Brown – The Power of Vulnerability: Ihre beiden Ted-Talks sind legendär. Als leidenschaftliche qualitative Sozialwissenschaftlerin und Geschichtensammlerin beschreibt sie genau die Kultur des Umgangs miteinander, den ich mir für meine Familie und zu Hause, meine Gemeinde, meinen Freundeskreis, mein Unternehmen und die einzelnen Begegnungen mit anderen Menschen wünsche.

Elizabeth Gilbert – Eat Pay Love & Das Wesen der Dinge und der Liebe: Gilbert fasziniert mich, weil sie immer wieder etwas anderes probiert, während sie ihr ganzes Leben dem Schreiben gewidmet hat. Mit Eat Pay Love war ihr ein unglaublich großer Erfolg gelungen. In einem TED Talk hat sie die Tatsache verarbeitet, dass nun vielleicht der größte Erfolg ihrer Karriere hinter ihr liegt – um sich im Anschluß ganz anderen Themen in ihren Büchern zuzuwenden. Das Wesen der Dinge und der Liebe fand ich v.a. interessant, weil ich um den Entstehungsprozess herum einiges gelesen und gehört hatte. Die Geschichte von einer Botanikerin im 19. Jahrhundert war unterhaltsam zu hören, hat mich aber nicht so sehr gefesselt. Ihr neuestes Buch dreht sich um Kreativität und wie wir die Angst mit dieser zu scheitern überwinden können. Steht auf meiner Liste für 2016.

Andreas Englisch – Franziskus. Zeichen der Hoffnung: Englisch erzählt die unglaubliche Vorgeschichte zur Wahl von Papst Franziskus und hat mir als Nicht-Katholikin spannende Einblicke und Hintergrundinformationen vermittelt. Durch den wunderbar lebendigen Erzählstil von Peter Weis hat man immer das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Ich bin gerade an dem Folgebuch „Der Kämpfer im Vatikan. Papst Franziskus und sein mutiger Weg“ und mag abends gar nicht ausschalten.

Jojo Moyes – Ein ganz neues Leben & Ein ganzes halbes Jahr & Ein Bild von Dir & Die Tage in Paris: Alles keine Geschichten, die mich völlig fasziniert und in den Bann gezogen haben, aber von denen ich mich gut unterhalten gefühlt habe (beim spülen, Wäsche zusammenlegen oder bügeln).

Lori Nelson Spielman – Morgen kommt ein neuer Himmel & Nur einen Horizont entfernt: Morgen kommt ein neuer Himmel fand ich richtig klasse, weil mich das Thema fasziniert hat: Die Mutter einer jungen Frau stirbt und sie erfährt, dass sie ihr Erbe nur antreten kann, wenn sie innerhalb eines Jahres eine ganze Liste an Zielen erreicht. Das Besondere: Sie selbst hat diese Ziele als Kind aufgeschrieben. Erinnerte mich sehr an Coachingthematiken und die Herausforderung, sich immer wieder neu seinen eigenen Träumen zu stellen. Beim zweiten Buch ging es mir dann eher wie bei den Büchern von Moyes.

Instagram:

Schöne Bilder inspirieren. Und auf Instagram ist es so wunderbar, zwischendrin mal reinzuschauen, kurz in eine andere Welt abzutauchen und dann wieder zur eigenen Tasse Tee zurückzukehren. Die Bilder dieser Accounts haben mich immer gefreut im letzten Jahr:

earthpix: Faszinierende Bilder von wunderschönen Orten. Ich bekomme immer Sehnsucht nach Reisen, draußen sein, weite Horizonte genießen.

annelindetempelman: kurze 15 Sekunden Animationen einer jungen Frau in unterschiedlichsten Situationen mit lustiger Hintergrundmusik. Die gute Laune lässt nicht auf sich warten.

nordic-studio: Ich mag das Schlichte und Klare und trotzdem Warme am nordischen Einrichtungsstil. Hier findet man so manche Inspiration.

Podcasts:

Robcast: Nachdem er bei Mars Hill aufgehört hat, habe ich Bells Predigten wirklich vermisst. Und mich umso mehr gefreut, dass sie mit dem Robcast nun einfach ein anderes Format bekommen haben. Seine Liebe für die Bibel, Menschen, das Leben selbst und unseren wunderbaren Schöpfer sind in jeder Ausgabe spürbar und inspirierend.

the liturgist podcast: Ein Podcast, der unterschiedliche Themen aus der Perspektive von „faith, art & science“ beleuchtet. Super kreative und sehr intelligente Menschen sind die Macher. Die Ausgabe zu LGTB hat in Amerika große Wellen geschlagen und zu einer wichtigen Diskussion beigetragen. Warme Empfehlung an alle, die ihren Horizont erweitern und  ausgetretene Denk-Pfade gerne auch mal verlassen wollen.

Magazin:

Flow… muss glaub ich kaum noch vorgestellt werden. Es wird erwähnt, weil ich wirklich viel in den unterschiedlichen regulären Ausgaben gelesen habe und sowohl das Ferien- als auch das Achtsamkeitsbuch sehr genossen habe. Und weil das Papier und die Extras immer so wunderschön sind, wird jetzt diverses Material in diesem Jahr verbraucht und zwar für mein „Grateful-Glass 2016“ auf dem Nachtschrank.

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Jahresrückblick 2015

Die Eistänzerin, die ihre Choreographie unzählige Male eingeübt und wiederholt hat macht sich bereit um am großen Wettkampftag den Sieg zu erringen. Sie hat sich aufgewärmt, geht die Sprünge im Kopf noch einmal durch und betritt dann hochkonzentriert das Eis. Eine kleine Verbeugung zum Publikum und schon geht es los. Während die Musik langsam an Dynamik zunimmt, bereitet sie den ersten Sprung vor. Sie holt Schwung, springt ab und…

BUMMS – landet mit voller Wucht auf dem Allerwertesten.

So habe ich mich mit diesem Jahreswechsel gefühlt und irgendwie auch immer wieder im vergangenen Jahr. Irgendwie hatte ich mir alles so schön und gemütlich zwischen den Jahren vorgestellt und am Ende kamen Krankheit und pure Müdigkeit und einfach zu wenig Zeit dazwischen. Elegant war es in meinen Augen jedenfalls nicht. Zum Glück führe ich meine Sprünge nicht in einem Wettbewerb mit drei Minuten Länge auf. Mein Wettkampf dauert ein Leben lang, es gibt Menschen, mit denen ich gemeinsam um den Sieg ringe, ich darf immer wieder neu zum Sprung ansetzen. Was für ein Glück!

Hier also ein paar mehr oder weniger elegante Sprünge aus dem letzten Jahr und die Fortsetzung einer kleinen Tradition,

Achtsamkeit: Es gab jede Menge Gelegenheiten um einzuüben, im Hier und Jetzt zu sein und mich selbst wahrzunehmen. Irgendwie hat sie mich gedanklich das ganze Jahr begleitet, weil es so unendlich viele Herausforderungen zu bewältigen gab. Und ich kann sagen: Wenn es gelingt in den schönen Situationen achtsam zu sein, ist es wunderbar. Wenn Achtsamkeit in den schwierigen Situationen gelingt, ist das sicherlich nicht angenehm, verkürzt aber im Nachgang die Aufarbeitungszeit.

Berlin: Ein Kurztrip mit dem Zug im Mai. Wir haben viel Spaß im Reichtstag, am Brandenburger Tor, im DDR-Museum und bei Freunden und Familie gehabt. Die selbst zusammengestellten RitterSport-Schokoladen waren v.a. für die Kinder ein echtes Highlight. Sehr zu empfehlen: Dunkle Schokolade mit getrockneten Zitronen-, Himbeer- und Erdbeerstückchen (nein, das war nicht die Auswahl der Kinder)…

Clown-Doktoren: Die haben uns im November im Krankenhaus besucht und waren für den Großen eine echte Aufmunterung. Wie schön, dass es Menschen gibt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, andere zum lachen zu bringen.

Doraden: Wir haben dieses Jahr gelernt, dass Doraden besonders gut für Kinder geeignet sind, weil sie keine kleinen Gräten haben. Meine Männer haben echte Leckerbissen gezaubert. Dazu gab es Kartoffeln in Salzkruste.

Epileptische Anfälle: „Man wird Experte für Dinge, die man nie lernen wollte.“ Dieser Satz wurde an vielen Stellen in diesem Jahr von mir genutzt. Als im November unser Großer plötzlich und erstmalig eine Anfallserie ereilte ging es mir wieder genauso. Nach einer Woche Krankenhaus und inzwischen über sechs Wochen zu hause wissen wir nicht: Was die Anfälle ausgelöst hat. Dafür wissen wir: Es sind keine weiteren Anfälle aufgetreten, alles andere ist ebenfalls unauffällig. Und wir sind im großen und ganzen wieder im stinknormalen Alltag angekommen. Das ist in diesem Fall ein großes Geschenk.

Freundinnen: Es gibt da ein paar Mädels, ohne die ich dieses Jahr nicht überstanden hätte. Sie waren in den heftigen Momenten da, mit Ihnen habe ich gebetet und geglaubt, geweint und gelacht. Unbezahlbar!!!

Gemeinderätin: Seit kurzem bin ich von der Gemeindeversammlung bestätigte Gemeinderätin in der enChristo-Gemeinde. Verantwortung habe ich hier schon im letzten Jahr im Reformteam übernommen. Jetzt ist das ganze nochmal intensiver geworden, weil wir mitten im Veränderungsprozess sind und mit zahlreichen Herausforderungen umgehen müssen. Und ich gestehe: Ich liebe es. Weil ich in dem ganzen nur wachsen und mehr Gottvertrauen lernen kann. Bin so gespannt auf das kommende Jahr. Und habe mir gedanklich ein Kissen umgebunden. Ein paar Stürze wird es bestimmt geben.

Hochdruck im Blut: Ja, das ist bei uns familiär bedingt und ja, wenn man eine Phase beschreiben soll, in der dieser Bluthochdruck hätte ausbrechen können, waren die Bedingungen dieses Jahr optimal. Wie schön, dass es gute Medikamente gibt, die einem helfen. Gleichzeitig sind wir als Geschwister umso mehr motiviert, auf unsere Lebensweise zu achten und uns gegenseitig zu unterstützen. Wir melden uns gerade für verschiedene Rennen im neuen Jahr an, um jeweils eine eigene sportliche Herausforderung zu haben. Das finde ich ehrlich gesagt ziemlich elegant gelöst, oder?

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Jeden zweiten Tag Sport: Ich hatte es raus. Für ein paar Wochen. Dann kam das Leben dazwischen. Aber das scheint die Formel für mich zum wohlfühlen zu sein. Ich hatte selten soviel Energie. Es ist eine Herausforderung die notwendige Zeit neben der Arbeit und allen anderen Dingen zu finden. Aber ich bin motiviert!

Konflikte angehen: Das fiel mir bislang eher schwer. Gerade in den Herausforderungen in der Gemeinde konnte ich aber lernen, konstruktiv und dennoch kritisch nachzufragen und für meine Überzeugung einzutreten. Vor kurzem hatte mein Großer dann Schwierigkeiten mit einer Lehrerin. Die Gelassenheit mit der ich das Thema angegangen bin hat mich ehrlich gesagt stolz gemacht.

London: Ich. Alleine. Im April. Zwei Tage Rob Bell zuhören. Andere interessante Menschen treffen. Ein bißchen Sightseeing. Wunderbar!

München & Mölln: Zwei Kurztrips zu Freunden und Familie. Es hat gut getan, rauszukommen und Zeit als Familie zu haben. Und in München habe ich das erste Mal Rummy gespielt. Was für ein Spaß!

Nordspanien (Atlantik) & Frankreich (Mittelmeer): Unser Sommerurlaub. Mit Zelt und ziemlich ungeplant. 24 Stunden frische Luft und jeden Tag etwas neues entdecken ist einfach genial. Wir haben Wellen und leckere Paella und Strand und Sonnenuntergänge genossen. Wir sind viel zu viele Kilometer gefahren. Macht nichts. Ich liebe es, neues zu entdecken!

Othello: Das hat mich sehr glücklich gemacht: Endlich war ich hier in Wiesbaden im wirklich sehr beeindruckenden Staatstheater gemeinsam mit meinem Mann in einer Oper. Welch eine Kulisse für eine solch dramatische Geschichte. Was ich zusätzlich noch nicht kannte und sehr genossen habe: Die deutschen „Untertitel“ direkt über der Bühne. Fazit: sehr gerne wiederholen!

Pinterest: angemeldet war ich schon länger, nun habe ich es angefangen zu nutzen. Bilder sind  etwas wirklich inspirierendes!

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Rumms: Ein gebrochener Finger beim großen Mann im Urlaub, mein erster Bruch kurz vor Weihnachten: der kleine Zeh.

Social Media Consultant: Das ist mein Job seit Juni und was ja völlig klar war: Ich liebe es zu beraten.

Trauer & Tod: Mein Papa ist im Juni gestorben, meine Oma zwei Monate danach. Wir wollten sie und Opa sechs Wochen danach besuchen, die Ferienwohnung war schon gebucht. In dem ganzen waren viele dramatische Momente, aber auch wunderschöne. Wir als Familie sind durch den Tod meines Papas unheimlich eng in der schlimmsten Phase zusammengewachsen. Jeder hatte die Freiheit so zu trauern und Abschied zu nehmen, wie es für ihn richtig war, gleichzeitig haben wir intensiv darauf geachtet, dass alle soweit wie möglich versorgt sind und uns gegenseitig aufgefangen. Eine echte Trauergemeinschaft und ein großes Geschenk!

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Vorhang auf: Kurz vor Weihnachten fiel mir im Hort vom Großen ein Flyer in die Hände: Schwanensee- Familienballett mit Erzähler. Zwei Karten für die Kleine und mich waren eine halbe Stunde später gekauft. Sie war so aufgeregt und beeindruckt und hat sich ganz eng an mich gekuschelt. Ein tolles Erlebnis für uns Ladies.

Wuppertal: Ich mag Sauna. Und ich mag meine Freundin die in Wuppertal wohnt. Sie ist beneidenswert, denn seit ein paar Monaten weiß ich: In ihrer Nähe gibt es eine Sauna mit WASSERBETTEN, die mit gemütlichen Spannbetttüchern bezogen sind. Mit Decken auf den Betten und Teppich und Vasen auf dem Boden. Hach. Was ein Glück, dass ich nicht in Wuppertal wohne, sonst käme ich zu nix mehr.

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Zwischenahn: Wir haben meinen Opa natürlich trotz des Todes meiner Oma besucht. Es war wunderbar mit ihm und meiner Tante Zeit zu verbringen, seinen nordischen Akzent und Humor zu genießen, gemeinsam den Friedhof zu besuchen. Ein besonderes Geschenk war auch der Tag mit meinem Cousin und seiner Frau in Papenburg. Er ist Schiffsbauingenieur in der MeyerWerft und wir haben alle zusammen an einer Besichtigung teilgenommen. Googelt mal „Northstar & Anthem of the sea“. Dafür war er verantwortlich.

Es gab soviel in 2015, wofür ich dankbar bin. In 2016 werde ich diese Dinge noch bewusster sammeln: Auf Instagram und in meinem „grateful-glass“ auf dem Nachtschrank.

In diesem Sinne: FROHES NEUES JAHR!

Die Schönheit der ersten Schritte

IMG_4013 (1)Vergangenen Januar sagte ich in kleiner Runde: „Dies wird mein Jahr des Sports.“ Dafür gab es unterschiedliche Gründe: Mein Rücken, der mir jeden Morgen laut und deutlich mitteilte, dass er bitte bewegt und ausgestreckt werden möchte, der restliche Körper, der sich sehnlichst regelmäßige und langsam zunehmende Belastung herbeisehnte, meine Nerven, die schlicht und ergreifend Entspannung brauchten. Ich probierte verschiedenes aus und hatte, auch weil ich etwas mehr Freiraum als sonst hatte, im April einen richtig guten Rhythmus gefunden, bei dem ich alle zwei Tage Sport machte und dabei Jogging und Fitnessstudio abwechselte. Ich fühlte mich gut und sehr energiegeladen und sehr viel ausgeglichener als vorher.

Im Juni fing ich dann an zu arbeiten und mein Papa starb ganz kurz darauf. In den ersten Tagen spürte ich die Trauer körperlich auf der Brust: ich hatte das Gefühl einen riesigen auf den Boden liegenden Fallschirm hinter mir herzuziehen. Als ich es trotzdem mit joggen versuchte, gab ich schon nach wenigen Schritten auf. Da war nichts zu holen. Ich bin einfach nur spazieren gegangen.

Seit diesem Einbruch habe ich verschiedene Versuche unternommen, wieder in den alten Rhythmus zu finden, aber über eine Sporteinheit in der Woche kam ich nicht hinaus. Nun waren wir die beiden letzten Wochen im Urlaub und die Zeit davor war: noch knapper, noch voller, noch anstrengender, ich kam noch weniger zum Sport. Im Urlaub habe ich es auch nicht geschafft.

Zu gleichen Teilen gefrustet als auch motiviert bin ich am vergangenen Freitag nun aus dem Urlaub zurückgekommen, angefüllt mit der festen Absicht, dieses Thema nun so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen. Nur um dann am Samstagvormittag mit heftigen Regelschmerzen aufzuwachen. Und dann habe ich gedacht: Es ist jetzt einfach scheiß egal! Ich gehe das JETZT an. Ich ziehe meine Klamotten an und gehe los. Und wenn ich die Runde nur auf allen vieren schaffe. ICH WILL DAS JETZT ANGEHEN!

Ich bin immer abwechselnd gejoggt und gelaufen und habe es so sehr genossen, an der frischen Luft zu sein, mich zu bewegen, Natur aufzunehmen und v.a. auch alleine zu sein. Ein erster Schritt.

Ich erinnere mich daran, wie ich meine erste Runde nach dem Kaiserschnitt meines Sohnes gedreht habe. Die Schwestern im Krankenhaus hatten gesagt: „Nehmen Sie Schmerztabletten und laufen Sie so viel wie möglich, damit sie fit für Ihr Kind werden.“ Das fand ich eine tolle Motivation. Wir sind nach vier Tagen aus dem Krankenhaus gekommen, ich habe den kleinen Mann beim Papa gelassen und bin in meinem grauen Schwangeren-Trainingsanzug mit hängenden Bauch zu meiner ersten Runde losgezogen. Ich war langsam wie eine Schnecke, zwischendrin habe ich Pause an einer Bank gemacht, die Brüste schmerzten noch vom Milcheinschuss, den Bauch musste ich immer wieder mit meinen Händen stützen, ich sah bestimmt sehr albern aus. Ganz egal. Ich war dabei, für mein Kind fit zu werden.

Diese (Neu-)Starts fühlen sich selten schick oder cool an. Sie sind unangenehm, anstrengend, kosten Überwindung, sehen vielleicht auch ein bißchen seltsam aus. Aber wenn wir es durchziehen und den ersten Schritt auf ein gutes wichtiges Ziel zugehen ist es immer ein Grund zu feiern.

Sie sind häufig schwer zu gehen, weil sie Mut kosten. Wir sagen den zweifelnden Stimmen in uns: Nein, es wird nicht immer so bleiben wie es ist. Ich und mein Tun werden sich verändern. Erste Schritte enthalten eine große Portion Hoffnung: Ich und mein Tun können sich verändern. Es gibt eine Chance, mein Ziel zu erreichen. Und sie spiegeln die erste Schönheit der großen Ziele wieder: Ich weiß, wieviel wohler ich mich mit regelmäßigem Sport fühle, dass in regelmäßiger Bewegung Kraft, Entspannung, Erholung und Energie freigesetzt werden. Kleine Teile davon konnte ich auch schon gestern spühren und hatte den ganzen Tag richtig gute Laune als Belohnung. Ja, es sind erste kleine Schritte auf einem längeren Weg, aber sie sind oft die entscheidenden, um in die richtige Richtung loszulaufen und irgendwann anzukommen.

 

 

Rezension – Working Women

IMG_9536 (1)   Vor acht Jahren, als mein Sohnemann in meinem Bauch heranwuchs habe ich mit großer Freude jede Menge Schwangerschaftszeitungen gelesen, wollte Informationen bekommen und spühren, dass es ganz vielen anderen Frauen genauso geht wie mir. Dieses Bedürfnis wurde von den sehr unterschiedlichen Zeitschriften unterschiedlich erfüllt, aber irgendwann wusste ich genau, welche zu mir passt und welches Produkt eher die Schwangerschaftsübelkeit in Erinnerung ruft.

Etwas anders ging es mir z.B. mit „Business Punk“. Mein Mann kauft die manchmal zu Unterhaltungszwecken für sich selbst. Ich habe gefeiert, als sie mal eine Frau auf dem Cover hatten oder auch mal einen Familienvater zu Wort kommen ließen und nicht einen völlig durchgedrehten StartUp-Fuzzi, der es toll findet möglichst viele Nächte in der Woche durchzuarbeiten, weil das Projekt ach so spannend und erfolgsversprechend ist. Ich finde „Business Punk“ unterhaltsam, das gute Stück hat aber mit mir und meiner Welt tatsächlich sehr wenig zu tun. Wohl auch schon nur deshalb, weil ich eine Frau bin.

Weil mich gerade nicht mehr das Thema Schwangerschaft, sondern der berufliche Bereich und zwar v.a. aus der weiblichen Perspektive wichtig ist, bin ich schon vor längerer Zeit auf die Suche nach einer ansprechenden Zeitschrift gegangen. Letztes Jahr während meines Praktikums habe ich es einmal versucht. Ein totaler Fehlgriff. Als erfolgreich wurden die Frauen dargestellt, die in möglichst großen Unternehmen möglichst hohe Posten erreicht haben und möglichst viel Geld verdienen. Das ganze geht immer Hand in Hand mit dem Feindbild des bösen Mannes, gegen den es sich zu wehren gilt. Das hatte mit mir und meiner Welt komplett nichts zu tun und fühlte sich für mich alt und überholt an.

Nun bin ich hocherfreut, dass emotion einen Versuch unternimmt, Frauen und den Lebensbereich „Arbeiten“ anzusprechen. Mit „Working Women“ scheint mir der Start ganz gut geglückt zu sein.

1) Welchen Fragen widmet sich das Magazin?IMG_9538 (1)

  • Was bedeutet Erfolg für mich ganz persönlich?
  • Wie kann ich weniger Stress und mehr Erfüllung erleben?
  • Wie kann ich mehr Geld verdienen?

2) Wie werden Sie beantwortet?

„Working Women“ nimmt in den meisten Artikeln den Standpunkt ein: Erfolg muss man selbst definieren. Man wird aufgefordert, für sich selbst nachzudenken und sich selbst zu reflektieren. Das spricht mich sehr an. Die Frage nach weniger Stress und mehr Erfüllung wird mit drei Frauen beantwortet, die unterschiedliche Strategien gewählt haben: Aufsteigen – Umsteigen – Aussteigen. Interessant waren alle drei Frauen, besonders gefallen hat mir jedoch die Aufsteigerin. Claudia Kessler wollte eigentlich Raumfahrerin werden und ist inzwischen CEO von HE Space in einer typischen Männerbranche. Sie scheint dieser Aufgabe mit großer Leidenschaft, Herzensblut und vor allem viel Spaß nachzugehen. In dem Artikel wird sie beschrieben als eine Frau, die ihren Job im positivsten Sinn liebt und es als eine wichtige Aufgabe sieht, Frauen in ihrem Bereich nach vorne zu bringen. Eine schöne Inspiration nach der eigenen Berufung zu suchen und ihr mit viel Freude nachzugehen.

IMG_9537 (1)In dem Interview mit Arianna Huffington wird vieles auf den Punkt gebracht, warum meiner Meinung nach auch heute viele Frauen sich weigern, klassische Karrierepfade in einer von Männern geschaffenen Welt zu betreten: Sie machen krank, führen zum Burnout, lassen einen leer zurück. Frau Huffington war erfolgreich in dem ganz klassischen Sinn von viel Macht und viel Geld und brach irgendwann zusammen. Nun hat sie ein Buch herausgegeben: „Die Neuerfindung des Erfolgs.“ Darin tritt sie dafür ein, auf das eigene Wohlbefinden zu achten, genug zu schlafen (ihre Mitarbeiter dürfen explizit Mittagsschlaf halten), für Meditation, Achtsamkeit und digital detox. Der Grund dafür ist nicht nur der, dass es mit einer neuen Definition von Erfolg allen Beteiligten besser geht, sondern Misserfolge vermieden und entsprechend bessere Leistung gebracht werden kann.

Der einzige Artikel, den ich eher schwach und zu einseitig fand war die Frage, wie Frauen mehr Geld verdienen können. Auch, weil er natürlich auf dem Unterschied in den Gehältern zwischen Mann und Frau ansetzt. Entsprechend wird dazu geraten, dass Frauen andere Fächer studieren sollten, möglichst spät Kinder bekommen sollten, usw. Das ist aus der Perspektive „mehr Geld“ bestimmt richtig, lässt aber andere Fragestellungen außer acht, die solche Entscheidungen erst rund werden lassen. Ich glaube, dass für junge Frauen die Motivation nach „mehr Geld“ nicht mehr ausreicht, um ein unpassendes Studienfach und der sich anschließende jahrelang ebenfalls unpassende Job oder die fehlenden Kinder am Ende einer Karriere auszubügeln. Insofern hoffe ich, dass junge Frauen sich von der Forderung nach mehr Geld nicht den Horizont einschränken lassen, sondern diese Frage als eine unter verscheidenen anderen bei der Berufswahl reflektieren.

3) Welche Fragen habe ich jetzt?IMG_9539 (1)

  • Was bedeutet für mich Erfolg?
  • Wann habe ich das letztes Mal Mittagsschlaf gehalten? Meditiert? Das Handy ausgelassen?
  • Was ist für mich ein gutes Leistungsniveau (also weder Unter- noch Überforderung)?
  • Wann komme ich das nächste Mal nach Frankfurt? (Der Hauptfriedhof soll wunderschön sein zum durchatmen, verweilen und entdecken sein.)

4) Meine drei Lieblingszitate?

  • Fragen für Berufsanfänger von Ursula Burns (Xerox): „Stellen Sie sich Ihre Zukunft vor, aber nicht nur die berufliche. Wie sieht Ihr Alltag aus, wer möchten Sie sein? Und finden Sie etwas, das Sie lieben. Und wenn Sie es nicht lieben, finden Sie etwas anderes!“
  • Arianne Huffington: „Mein Scharfsinn, mein Selbstbewusstsein und meine Führungsqualitäten haben sich schon dadurch verbessert, dass ich genug geschlafen habe“.
  • Laura Roschewitz: „Der Wunsch nach Entschleunigung steht nicht direkt in einem Zusammenhang mit der wöchentlichen Arbeitszeit, sondern vielmehr mit der wahrgenommenen Kontrolle über die Zeiteinteilung. Es ist nicht die hohe Wochenstundenzahl, die zur Überlastung führt, sondern die Fremdbestimmung.“

Hier gibt es eine kostenlose Leseprobe.

Abschied nehmen von der Uni

UniEingangSo theatralisch wie es sich anhört hat es sich gestern auch angefühlt. Habe mich morgens leicht übermüdet auf den Weg gemacht und war erstaunt über die verschiedensten Emotionen, die sich mit diesem Abschied verbunden haben. Und wie normal und altbekannt sich so vieles angefühlt hat. Natürlich haben zwei langhaarige irgendwie alternativ wirkende Studenten vor dem Eingang gestanden und die neue Stuz verteilt. Natürlich hatte ich mir den einzigen Tag in drei Monaten vorlesungsfreier Zeit ausgesucht, an dem die Mitarbeiter der Zentralbibliothek einen Workshop besuchten. Und natürlich musste ich deshalb einmal über den kompletten Campus laufen, um am hintersten Ende mir bestätigen zu lassen, dass ich keine Bücher mehr ausgeliehen habe (und ja, natürlich musste ich noch ein paar Euro nachzahlen für zu spät zurückgegebene Bücher). Natürlich gabe es zwischendrin eine Latte mit Duplo. Natürlich musste ich am Ende auch vor dem verschlossenen Studierendensekretariat warten und bekam dann gesagt, dass die entsprechenden Sachbearbeiter heute nicht mehr da wären. Die Exmatrikulation wird jetzt auf dem postalischen Weg abgeschlossen.UniBib

Schön war, dass mir das eigentlich obligatorische Vergessen der Geldkarte im Getränkeautomat und der anschließende Stress mit einem Schließfach, dass sich nicht mehr öffnen lässt, dieses Mal erspart geblieben ist. Gefreut habe ich mich dafür , dass ich als EXTERNE (das bin ich im Bib-System ab sofort) weiterhin alles ausleihen darf.

Die Zeugnisübergabe war hingegen … schlicht. Wunderschön dickes schweres Papier in einer extra schön bedruckten Mappe. In einem schnöden schmucklosen Büro. Heute habe ich erst gesehen, dass das Zeugnis zum scannen schief gedruckt ist. Mist. Auch beim Anblick der Noten gab es unterschiedliche Reaktionen in mir: Stolz auf das tolle Ergebnis der mündlichen Note und das tolle Thema der Magisterarbeit. Stolz tatsächlich auch auf die nicht ganz so tolle Note in BWL. Ich habe mich durchgebissen und meine Angst vor dem Fach besiegt, obwohl ich miserabel in Mathe an der Schule abgeschlossen hatte. Auch der Frust über den plötzlichen Tod des Dozenten, bei dem ich eigentlich meine Politikprüfung machen wollte und der Abhängigkeit der kompletten Note von genau einer Prüfung kam noch einmal hoch. Egal. Ich habe es geschafft und unendlich viel gelernt.

UniHinweisschilderErinnert habe ich mich auch an das erste Mal, als ich mich auf dem Campus zurecht finden wollte. Heute gibt es aus guten Gründen mehr Hinweisschilder. Oder als ich das erste Mal mit Babybauch und dann das erste Mal mit Baby im ReWi 2 war und mir versucht habe vorzustellen, ob die anderen Studentinnen mich eher mitleidig oder eher neidisch beobachten. Inzwischen sieht man es ein bißchen häufiger: Mütter und Väter mit ihren Kindern. Die große Ausnahme ist man trotzdem.

Auf dem Weg zum Auto schien die Sonne und es wurde klar, dass der dicke Wintermantel nicht mehr zu den leicht frühlingshaften Temperaturen passt. Es ist Zeit für eine dünnere Jacke. Und eine neue Aufgabe und Herausforderung. Ich freue mich darauf mindestens so sehr wie auf die ersten Frühblüher in freier Wildbahn. Noch habe ich sie nicht entdeckt, aber ich bin mir sicher, es dauert nicht mehr lange.

Zum Nachdenken: Von was musst oder willst Du Abschied nehmen? Wie kannst Du diesen Abschied passend gestalten?

Rezension – Kerstin Hack: Achtsamkeit

AchtsamkeitEs war vor einigen Jahren in einem Lernkurs an der Uni. Wir machten eine Achtsamkeitsübung und ich hörte zum ersten Mal: „Laß Deine Gedanken wie Wolken vorbeiziehen. Bewerte sie nicht.“ Wow, was für eine Erkenntnis. Ich muss nicht aus jedem Gedanken sofort einen Auftrag herauslesen und einen Aktionsplan zur Umsetzung entwickeln. Weil mir sehr klar war, dass das Praktikum im letzten Jahr sehr viel Kraft fordern würde, habe ich mir zu dem Zeitpunkt bewusst zwei Hörbücher über Achtsamkeit gegönnt. Es hat gut getan. Deshalb freue ich mich, dass der Down to Earth-Verlag in Berlin nun ein kleines Impulsheft zum Thema herausgebracht hat.

1) Welchen Fragen widmet sich das Buch?

In aller Kürze werden folgende Fragen beantwortet:

  • Wie hat sich Achtsamkeit rund um die Welt entwickelt? (Eine sehr schöne Zusammenfassung!)
  • Was bedeutet Achtsamkeit? Was nützt Achtsamkeit?
  • Wie kann ich achtsam leben?

2) Wie werden Sie beantwortet?

Schön ist, dass die Frage „Wie kann ich achtsam leben?“ ganz unterschiedlich beantwortet wird (anders als sonst häufig üblich, wo man schon nur zu einem Thema ein ganzes Buch lesen kann): Achtsames arbeiten, atmen, essen, ein achtsamer Umgang mit sich selbst und anderen. Insofern ist das Heftchen ein super Einstieg in das Thema.

3) Welche Fragen habe ich jetzt?

Die aktuelle Ausgabe der Enorm setzt sich mit Achtsamkeit in Unternehmen auseinander. Nach Google gibt es immer mehr Unternehmen, die Fortbildungen und Projekte zu dem Thema anbieten, weil sie sehen, wieviel besser es den Mitarbeitern damit geht. Und ja, natürlich soll auch die Arbeitskraft der Mitarbeiter erhalten werden. Aus dem Impulsheft habe ich nun gelernt, dass auch schon manche europäische Mönche des Mittelalters besonderen Wert darauf legten, alle Tätigkeiten mit Achtsamkeit und Aufmerksamkeit auszuführen. Das ist spannend, weil da bisher mein Fokus noch nicht drauf lag. Werde auf die Suche nach guter Literatur dazu gehen.

Das Heft kann man hier oder beim Buchhändler bestellen. Eine ausführliche Leseprobe ist auf der Seite ebenfalls zu finden.