How did we end up in Beijing?

Deutsch weiter unten…

That’s right – since the beginning of March we are in Beijing as a family. The whole thing took its course sometime last year.

A friend asked my husband if he could recommend him for a position in Beijing with the car manufacturer he worked for. We were sure that my husband wouldn’t get the job because he quit his studies.

Then they were interested. And telephoned again and again. Nothing, nothing at all had made me look longingly into the Asian region so far. Especially not after we had already put New York and San Francisco on the list of potential next places to live in the last few years. USA, Australia, Scandinavia, Canada… I could have imagined many places spontaneously. Asia actually not at all.

But the conversations became more and more concrete and at some point I said to my husband: “I don’t want to go to Beijing.” He was very understanding in the sense of: “Ok, I see. And we will not go if you are not happy with it. But at least I want to know how far I can get and if they would make me an offer.” Yes, ok. I realized that.

So the talks went on and then he was supposed to go to Beijing to get to know the place. Before that we started researching and reading blogs and talking to people for the first time. At least we wanted to know what we were saying “no” to. Basically we noticed then: Ok, you can actually lead a relatively normal life. It also became clear to us that we always wanted to educate our children to be cosmopolitan people who could cope in really unusual circumstances and were not afraid of the “unknown”. We noticed more and more clearly: We would get angry with ourselves for the rest of our lives if we didn’t take the chance and of course we also knew that something like this would probably be offered to us exactly once in our lives.

So in the end we took it. Of course there were a lot of reasons against it: We had only rebuilt the house of the parents-in-law 1.5 years ago, had moved in and had since then the babysitters directly in the house, the little one had started school only six months ago and had just settled in beautifully, I myself had a really suitable job, with which quite many organizational things fit super well, I actually like planning and routines very much and am not really good with change and new environments. And of course: Beijing is really far away – spatially but above all culturally.

Curiosity simply won in the end. How would the children and we get along in a completely new environment? What would we really miss? What could we do without and have not yet dared to implement it? Would we manage to live our very own normality in such a foreign country?

Now we are here. After the termination of my job, the review of our entire household and the reduction to eight large suitcases and a small flight container, after numerous farewells and one or two tears. For a good month we are building now a completely new life, far away from home, surrounded by foreign culture, foreign smells, foreign language, very little known. It is an adventure every day. That’s exactly what we wanted and what we decided for.

Wie sind wir nach Peking gekommen?

Das ist richtig – wir sind seit Anfang Maerz als Familie zu viert in Peking. Seinen Lauf hat das Ganze irgendwann im letzten Jahr genommen.

Ein befreundeter Gruender fragte bei meinem Mann nach, ob er ihn bei dem Autobauer fuer den er arbeitete fuer eine Position in Peking vorschlagen kann. Wir waren uns sicher, dass mein Mann den Job gar nicht bekommen wuerde, weil er das Studium abgebrochen hatte.

Dann waren sie doch interessiert. Und telefonierten wieder und wieder. Nichts, gar nichts hatte mich bisher sehnsuechtig in den asiatischen Raum blicken lassen. Vor allem nicht, nachdem wir auch schon New York und San Francisco in den vergangenen Jahren auf der Liste der potentiellen naechsten Wohnorte stehen hatten. USA, Australien, Skandinavien, Kanada… Vieles Andere haette ich mir spontan vorstellen koennen.

Die Gespraeche wurden allerdings immer konkreter und ich sagte irgendwann zu meinem Mann: “Ich will nicht nach Peking.” Er war sehr verstaendnisvoll im Sinne von: “Das verstehe ich. Wir gehen nicht, wenn Du nicht willst. Aber ich will zumindest wissen, wie weit ich komme und ob sie mir ein Angebot machen wuerden.” Ja, ok. Das sah ich ein.

Also gingen die Gespraeche weiter und dann sollte er nach Peking zum Kennenlernen vor Ort. Davor haben wir das erste Mal angefangen, zu recherchieren und Blogs zu lesen und mit Menschen zu sprechen. Wir wollten zumindest wissen, wozu wir “nein” sagen.

Im Grunde haben wir dann gemerkt: Ok, man kann dort eigentlich ein relativ normales Leben fuehren. Uns wurde ausserdem klar, dass wir unsere Kinder immer zu weltoffenen Menschen erziehen wollten, die auch in wirklich ungewoehnlichen Umstaenden zurecht kommen und keine Angst vor dem “Unbekannten” haben. Wir merkten immer deutlicher: Wir wuerden uns den Rest unseres Lebens aergern, wenn wir die Chance nicht wahrnehmen und natuerlich wussten wir auch: So etwas wird uns wahrscheinlich genau einmal im Leben angeboten.

Also griffen wir letztlich zu.

Natuerlich gab es jede Menge Gruende, die dagegen sprachen: Wir hatten erst vor 1,5 Jahren das Haus der Schwiegereltern umgebaut, waren eingezogen und hatten seitdem die Babysitter direkt im Haus, die Kleine war erst vor sechs Monaten in die Schule gekommen und hatte sich gerade wunderbar eingelebt, ich selbst hatte einen wirklich tollen Job, bei dem ganz viele organisatorische Dinge gut gepasst haben, ich mag eigentlich Planbarkeit und Routinen und Bekanntes sehr gerne und bin nicht wirklich gut mit Veraenderung und neuen Umfeldern. Und natuerlich: Peking ist wirklich weit weg- raeumlich aber vor allem auch kulturell.

Am Ende hat schlicht die Neugierde gesiegt. Wie wuerden die Kinder und wir selbst in einem komplett neuen Umfeld zurecht kommen? Was wuerde uns tatsaechlich fehlen? Worauf koennten wir gut verzichten und haben uns bisher nur nicht getraut, es umzusetzen? Wuerden wir es schaffen, in einem so fremden Land unsere ganz eigene Normalitaet zu leben?

Nun sind wir da. Nach der Kuendigung meines Jobs, der Durchsicht unseres gesamten Haushalts und der Reduktion auf acht grosse Koffer und einem kleinen Flugcontainer, nach zahlreichen Abschieden und der ein oder anderen Traene. Seit einem guten Monat sind wir dabei, uns ein komplett neues Leben aufzubauen, fern von der Heimat, umgeben von fremder Kultur, fremdend Geruechen, fremder Sprache, sehr wenig Bekanntem. Es ist jeden Tag ein Abenteuer. Also genau das, was wir wollten und wofuer wir uns entschieden haben.

Dankbarkeit im Krankenhaus

english below

Wir hatten mal wieder eine spannende Woche. Ich will an dieser Stelle nicht “endlich” sagen, weil es generell an Spannung gerade nicht fehlt in unserem Leben. Aber die letzten drei Tage waren doch speziell.

Zur Vorgeschichte: Mein Mann lag seit kurz vor Weihnachten mit einer Nasennebenhöhlenentzündung im Bett, die einfach nicht abheilen wollte. Letzte Woche ging er dann zum Arzt, der verordnete ein Antibiotikum. Das schlug auch ganz gut an, bis es dann Mittwochmorgen war. Komischer Ausschlag und Schwellungen hatten sich an der Hand meines Mannes breit gemacht. Also ab zum Arzt: “Ok, das ist eine allergische Reaktion. Bitte das Antibiotikum absetzen und Calcium und diese Tabletten nehmen.” Mittwochabend bin ich dann langsam unruhig geworden. Der Ausschlag wurde nicht besser, der Puls meines Mannes war ungewöhnlich hoch. Donnerstag Früh hatte sich der Ausschlag auf den ganzen Körper verteilt. Beim Arzt hat der Kreislauf dann fast schlapp gemacht und der Arzt rief beim Blick auf meinen Mann und den Ausschlag nur noch: “Ach Du Scheiße!” und kabelte ihn direkt an den Tropf mit Kortison. Weil trotzdem keine Besserung eintrat, wurde er kurzerhand ins Krankenhaus verfrachtet. Dort wurde es dann ab gestern Nachmittag ganz langsam besser. Heute konnte er wieder entlassen werden.

Das war alles ein bißchen dramatisch und sicherlich nicht das, was ich mir freiwillig ausgesucht hätte.

Aber aus anderen schwierigen Situationen weiß ich: Es hilft enorm viel, sich auf das Gute zu konzentrieren. Gestern habe ich in dem Bangen und Hoffen ganz bewusst nach den guten Dingen gesucht. Hier also das Ergebnis meiner kleinen Übung “Dankbarkeit im Krankenhaus”:

  • Danke für den Arzt, der beherzt Gegenmaßnahmen eingeleitet und die Reaktion unterbrochen hat (die roten Schwellungen wären im nächsten Schritt aufgeplatzt, dann hätte akute Infektionsgefahr bestanden und mein Mann hätte isoliert werden müssen).
  • Danke, dass die Reaktion nicht auf die Atmung gegangen ist!!!
  • Danke für Krankenhäuser in Deutschland und eine Versicherung, die für alles aufkommt.
  • Danke für unsere gute finanzielle Situation, so dass wir uns die Parkkosten leisten können, ohne zweimal nachdenken zu müssen.
  • Danke für Familie, die die Kinderbetreuung an dem Tag schon hatte oder schnell noch übernommen hat, so dass ich den ganzen Tag bei meinem Mann sein konnte, ihn mit Essen und Trinken versorgen konnte und er nicht alleine die vielen Stunden auf dem Gang liegen musste, bis er endlich auf Station kam.
  • Danke für Freunde und Familie, die für uns gebetet und uns ermutigt haben.
  • Danke für Internet und WhatsApp, so dass man schnell alle informieren und auf dem Laufenden halten konnte.
  • Danke für die Schwiegermama, die mir völlig übermüdet abends noch was Warmes auf den Teller gezaubert hat.
  • Danke, dass die Rötungen und Schwellungen heute deutlich zurückgegangen und lange nicht mehr 95% der Haut betroffen sind, so wie gestern Nachmittag.
  • Heute Morgen war ich für unser warmes Auto dankbar, dass mich sicher durch den Schneeregen gebracht hat.
  • Danke für Pfleger und Apotheker, die uns halfen, alle notwendigen Medikamente zu bekommen, auch wenn der Arzt vor dem Wochenende nicht mehr erreichbar war und keine Rezepte ausstellen konnte.
  • Danke, dass die Allergie in Deutschland und nicht erst in China bekannt geworden ist (hierzu dann mehr in einem der nächsten Beiträge…)

Wir atmen jetzt noch ein bißchen und freuen uns, dass wir uns haben.

Gratitude in the hospital

We had another exciting week. I don’t want to say “finally” at this point, because there is generally no lack of tension in our lives. But the last three days were special.

About the prehistory: My husband had been lying in bed with a sinus infection shortly before Christmas, which simply didn’t want to heal. Last week he went to the doctor, who prescribed an antibiotic. That worked quite well until it was Wednesday morning. Funny rash and swelling had spread to my husband’s hand. So off to the doctor: “Ok, that’s an allergic reaction. Please stop taking the antibiotic and take calcium and these tablets.” Wednesday evening I got restless. The rash didn’t get any better, my husband’s pulse was unusually high. Thursday morning the rash had spread all over my body. At the doctor’s the circulation almost broke down and the doctor shouted at my husband and the rash: “Oh shit!” and cabled him directly to the cortisone drip. Because there was still no improvement, he was sent to the hospital without further ado. Yesterday afternoon things slowly got better there. Today he could be released again.

That was all a bit dramatic and certainly not what I would have chosen voluntarily.

But from other difficult situations I know: It helps a lot to concentrate on the good. Yesterday I consciously searched for the good things in my fears and hopes. So here’s the result of my little exercise “Gratitude in the hospital”:

  • Thank you for the doctor who courageously initiated countermeasures and interrupted the reaction (the red swellings would have burst in the next step, then there would have been an acute risk of infection and my husband would have had to be isolated).
  • Thank you for not responding to breathing!!
  • Thank you for hospitals in Germany and an insurance company that pays for everything.
  • Thanks for our good financial situation, so that we can afford the parking costs without having to think twice.
  • Thanks for the family, who already had the child care on that day or quickly took over, so that I could be with my husband all day, could provide him with food and drink and he didn’t have to lie alone the many hours in the corridor until he finally came to ward.
  • Thanks for friends and family who prayed for us and encouraged us.
  • Thank you for Internet and WhatsApp, so that you could quickly inform everyone and keep them up to date.
  • Thank you for your mother-in-law, who overtiredly put something warm on my plate in the evening.
  • Thanks to the fact that the redness and swellings today clearly decreased and for a long time no more 95% of the skin are affected, like yesterday afternoon.
  • this morning I was thankful for our warm car, which brought me safely through the snow rain.
  • Thanks for the nurses and pharmacists, who helped us to get all necessary medication, even if the doctor was not reachable before the weekend and could not give prescriptions.
  • Thanks that the allergy became known in Germany and not only in China (more about this then in one of the next contributions…)

We still breathe a little and are happy that we have each other.

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Diese drei Situationen haben mein Weihnachten gerockt

These three situations rocked my Christmas – english below

Die letzten Jahre gab es hier häufiger einen Jahresrückblick. Dieses Jahr nicht. Mir ist es gerade herzlich egal ob wir 2018, 2019 oder auch schon 2050 haben. Hier liegt soviel Arbeit vor der Brust, dass das komplett nebensächlich ist. Und danke der Nachfrage: Die Feiertage waren sehr schön, aber leider auch recht anstrengend, weil mein Mann gesundheitlich komplett ausgefallen ist. Und wir sind wirklich gut als Gastgeberteam. Alleine geht´s auch, aber dann ist es nur halb so schön und doppelt anstrengend.

Trotzdem gab es echte Highlights an diesen Tagen. Hier meine drei Lieblingssituationen vom Weihnachtsfest:

  1. Am Heiligabend habe ich mir im großen Trubel der Großfamilie, zwischen Geschenke auspacken und Essen vorbereiten und Weihnachtsbaum vorm Brennen retten die kleine Nichte von sechs Monaten in den Arm legen lassen und mich hingesetzt. In einen Sessel. Und bin erst nach 1,5 h wieder aufgestanden als sie ausgeschlafen hatte. Das Beste, was man mit den kleinen Schlümpfen machen kann. Ihre Fähigkeit, einen selbst runter zu fahren ist immer wieder eindrücklich.
  2. Abends waren wir in geschrumpfter Anzahl beim Chinesen essen, der irgendwie von dem Feiertag und den hungrigen Menschen überrascht war (Weihnachten war auch wirklich früh dieses Jahr…). Vor lauter Langeweile und Warterei hat mein Sohn auf einem Schmierpapier angefangen, Grafitti zu malen. Macht er immer in solchen Situationen. Und die Uroma direkt nebendran: “Was? Du malst mit links???” Die ganzen Vorurteile, die dieser Generation zum Thema Linkshändigkeit eingeimpft wurden, materialisierte sich und legte sich als feiner Staub auf den leider immer noch leeren Tisch. Keine Ahnung, was dann passierte. Mein Sohn hat offensichtlich einen produktiven Umgang mit der schweren Irritation gefunden: Als nächstes höre ich wunderbar naives vor sich Hinkichern von der sonst immer sehr kontrollierten Urmama und traue meinen Augen kaum, als ich rüber schaue: Sie versucht mit Links zu schreiben und amüsiert sich königlich über ihre eigene Unfähigkeit, ein einzelnes Wort mit der “falschen Hand” halbwegs leserlich zu Papier zu bringen. Family at its best!
  3. Der erste Weihnachtsfeiertag war lang und schön und mit viel Essen und vielen Gesprächen gespickt. Am Ende sind alle weg und ich bleibe mit einer chaotischen Küche und einem abgegessenen Tisch zurück. Und einer Tochter, die dringend Zeit von mir braucht. Also schieben wir eine Ecke auf dem Tisch frei und bauen Lego. In Ruhe und ohne Hektik. Dann kommt eine der vielen Teilzeitmitbewohnerinnen unseres Hauses in unsere Küche. Sie sieht müde und geschafft aus. Ich lade sie ein, sich doch in unser Chaos mit dazuzugesellen. Sie setzt sich und wir reden und bauen Lego, irgendwann trinken wir zusammen noch Gin Tonic und ich stelle mich in meine Küche und sage: “Ich mag meine Küche in so einem abgefeierten Zustand. Das zeigt mir, dass hier intensiv gelebt wurde.” Dann mache ich uns noch Gulasch warm und wir schnabulieren Käse zum Rotwein und amüsieren uns über meine Tochter, die wirklich lustige Geschichten erzählt. Zwischendrin bauen wir weiter Lego. Am Ende drücken wir uns fest und ich bin sprachlos, dass mein Chaos und meine Zeit gerade Jemanden das Leben einfach leichter gemacht haben.

In diesem Sinne: Ich wünsche allen ein tolles neues Jahr!! 2019 war jetzt als nächstes dran, oder???

The last few years there has been a lot of annual reviews here. Not this year. I don’t care if we have 2018, 2019 or 2050. There is so much work here that it is completely irrelevant. And thank you for asking: The holidays were very nice, but unfortunately also quite exhausting, because my husband was completely out of health. And we are really good as a host team. So is geht´s alone, but then it’s only half as nice and twice as exhausting.

Nevertheless, there were real highlights on these days. Here are my three favourite Christmas situations:

  1. On Christmas Eve, in the hustle and bustle of the extended family, I had the little niece of six months laid in my arms and sat down in the middle of unpacking presents and preparing food and saving the Christmas tree from burning. In an armchair. And I only got up after 1.5 hours when she had slept in. The best thing you can do with the little Smurfs. Her ability to drive yourself down is always impressive.
  2. In the evening we had a shrunken dinner with the Chinese, who was somehow surprised by the holiday and the hungry people (Christmas was really early this year…). Due to boredom and waiting my son started to paint graffiti on a smear paper. He always does it in such situations. And the great-grandmother right next door: “What? You paint with your left????” All the prejudices that were implanted in this generation on the subject of left-handedness materialized and lay as fine dust on the unfortunately still empty table. I have no idea what happened then. My son obviously found a productive way to deal with the severe irritation: Next, I hear wonderfully naïve chuckling from the otherwise very controlled Urmama and hardly believe my eyes when I look across: She tries to write with links and amuses herself royally about her own inability to put a single word with the “wrong hand” halfway legibly on paper. Family at its best!
  3. The first Christmas day was long and beautiful and full of food and conversations. At the end everyone is gone and I stay behind with a chaotic kitchen and an eaten table. And a daughter who urgently needs time from me. So we push a corner on the table free and build Lego. In peace and without hectic. Then one of the many part-time residents of our house comes into our kitchen. She looks tired and exhausted. I invite her to join us in our chaos. She sits down and we talk and build Lego, sometime we drink gin and tonic together and I stand in my kitchen and say: “I like my kitchen in such a celebrated state. This shows me that there has been an intense life here.” Then I warm up some goulash and we schnabulate cheese with red wine and have fun with my daughter, who tells really funny stories. In between we continue to build Lego. At the end we press hard and I am speechless that my chaos and my time just made life easier for someone.

In this sense: I wish you all a great new year! 2019 was the next year, wasn’t it???

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Nicht Zählen – sondern Zuhören

Not counting – but listening (for an english version: scroll to the bottom)

Vor gut einem Jahr hatte ich gerade einen Film über Frauen und ihr Körperbild gesehen, ich habe mich wieder einmal über die Gewichts-Reduktions-Industrie geärgert und meine Tochter hat bei meinem Gang auf die Waage gefragt: “Mama, wieso machst Du das?” Ganz ehrlich: Warum eigentlich?

Als dann die Waage halb kaputt war und nur noch mit zahlreichen Klicks vor jedem Wiegen funktionierte, hatte ich einen Anlass und habe entschieden: Ich brauch das Ding nicht mehr und habe es kurzerhand entsorgt. Den einen Abend im Frühjahr BRAUCHTE ich dann doch plötzlich eine Waage, um das Gewicht eines Koffers zu kontrollieren. Ich bin kurzerhand zu den Schwiegereltern ein Stockwerk hoch gelaufen.

Mir ist vor kurzem bewusst geworden, dass mit dem Entsorgen der Waage ein wesentlicher Stresspunkt in meinem Leben einfach weggefallen ist. Davor bin ich sehr wohl vor fast jedem Duschen und möglichst nach dem Toilettengang und mit wenig Essen im Bauch direkt am Morgen auf die Waage gegangen und hatte dann unter der Dusche viel Zeit zum Nachdenken über die Zahl, die das Gerät ausgespuckt hatte. Woran mag es gelegen haben, dass sie sich seit dem letzten Mal nach oben bewegt hat? Waren es die Nudeln gestern Abend um acht Uhr? Oder das Eis mit Sahne vor zwei Tagen? Und wenn es trotz ausführlicher Abendessen mit Freunden und dem dazugehörigen super leckeren Wein trotzdem nach unten gegangen ist, hab ich mir nur noch den Kopf gekratzt und mich gewundert: Wie kann das jetzt sein?

Es ist wirklich erstaunlich, wieviel Macht wir den Zahlen über uns geben. Es ist keine pure Analyse eines Ist-Zustandes, sondern mit jeder Menge Emotion verbunden. Was sagen die Zahlen am Ende eigentlich über mich aus? Nichts. Gar nichts. Da das Gewicht noch nicht einmal Auskunft über die Zusammensetzung des Körpers, also Wasser, Muskeln, Fett, etc. gibt, kann man aus der Zahl alleine nicht schließen, ob ich schlank oder träge oder schwerkrank bin.

Tägliches Wiegen ist genauso, als wenn wir uns jeden Abend mit dem Partner hinsetzen und bewerten, wie er sich an diesem Tag verhalten hat. War er brav gibt es ein Lob, war er aufmüpfig, schimpfen wir kräftig mit ihm. Kann man so machen. Besonders glücklich und erfüllt wird diese Beziehung wahrscheinlich nicht sein.

Der einfachste Weg, den bescheuerten sinnlosen Zahlen nicht mehr die Möglichkeit zu geben, über meinen Wert zu bestimmen, war für mich also die Waage zu entsorgen. Sie war schlicht überflüssig und hatte nichts zu einem erfüllten Leben beizutragen.

Gleichzeitig war dieser Schritt ein Akt des Widerstands für mich gegen ganze Industriezweige, die damit Geld verdienen, mir einzureden, dass mein Körper nicht in Ordnung ist und verändert werden muss. Nein, ich bin nicht bereit, Euren Lügen zu glauben! Allerdings war mir diese Form des Widerstands dann auch zu passiv. Neben dem Nicht-mehr-Wiegen melde ich inzwischen jede Werbung, die mir auf facebook oder Instagram gezeigt wird mit der Botschaft “So nimmst Du endlich ab” oder “In kurzer Zeit zum Traumkörper” postwendend als beleidigend. Ich muss nicht abnehmen. Wir kommt ihr Schweinebacken dazu, uns Frauen ständig einzureden, dass es das Normalste der Welt ist, mit dem eignen Körper unzufrieden zu sein? Am Anfang hat es sich total komisch angefühlt, inzwischen genieße ich es. Jedes Mal sage ich damit nein zu einer Lüge, die mir entgegen geschleudert wird und ja zu meinem eigenen Körper und dem wie er eben gerade ist.

Die nicht mehr vorhandene Waage hat auch noch einen anderen Prozess unterstützt, nämlich genauer auf meinen Körper zu hören. Es ist ja wirklich erstaunlich, was er alles zu erzählen hat, wenn ich nicht ständig dabei bin, ihn aufgrund von Zahlen zu bewerten und zu kritisieren. Nach meiner Erfahrung braucht es ein bißchen Übung und Ausprobieren, um zu spüren oder zu hören, was denn grundsätzlich gut tut.

Mir selbst fällt das “Zuhören” gerade in stressigen Zeiten schwer, weil dann so vieles anderes durch die Gedanken rauscht. Aber wenn ich mir ein paar Minuten Zeit nehme und mich auf mich selbst konzentriere, dann werden die Bedürfnisse meist sehr deutlich:

  • Ich habe Durst und brauche mehr Wasser.
  • Ich bin vom langen Sitzen steif und muss gestreckt werden.
  • Ich hab Sehnsucht nach Wald und Bewegung.
  • Du hattest so viele anstrengende Gedanken, es wäre super, wenn Du Dich mal austobst oder richtig doll lachst.
  • Vielleicht könntest ein bißchen Kuscheln mit Deinen Kindern und an ihnen schnuppern, auch das entspannt mich.
  • Nee, nicht schon wieder Denken und Sorgen machen, Yoga und atmen wären jetzt eine bessere Alternative.
  • Du hast in den letzten Wochen einiges an Brot und Süßigkeiten gegessen, ich brauche jetzt Vitamine, jede Menge Vitamine.
  • Sonne und Wärme und Stürme und Regen mag ich gerne spüren. Am liebsten in Kombination mit Lachen und Sprechen und langen Spaziergängen.

Ich wünsche mir so sehr, dass es mir auch gerade in den stressigen, vollen Zeiten gelingt, gut auf meinen Körper zu hören und ihn liebevoll zu versorgen.

Und vor allem wünsche ich mir, meiner Tochter ein Vorbild in Sachen Körperliebe zu sein. Möge sie mit großer Selbstverständlichkeit ihren Körper als lebenslanges zu Hause und guten Freund kennenlernen, ihn gut versorgen und sich pudelwohl mit ihm fühlen.

About a year ago I had just seen a film about women and their body image, I was once again angry about the weight reduction industry and my daughter had asked on my walk on the scales: “Mama, why are you doing this?” Honestly: Why actually?

When the scale was half broken and only worked with numerous clicks before each weighing, I had a reason and decided: I don’t need the thing any more and disposed of it without further ado. One evening in the spring I suddenly needed a scale to check the weight of a suitcase. Without further ado I ran up one floor to my parents-in-law.

Recently I became aware that with the disposal of the scales an essential stress point in my life has simply disappeared. Before that, I did go straight to the scales in the morning, before almost every shower and if possible after going to the toilet and with little food in my stomach, and then had a lot of time under the shower to think about the number the device had spat out. What might have been the reason for her moving upwards since the last time? Was it the noodles last night at eight o’clock? Or the ice cream with cream two days ago? And if it nevertheless went down despite extensive dinner with friends and the super delicious wine, I just scratched my head and wondered: How can that be now?

It’s really amazing how much power we give to the numbers about us. It’s not a pure analysis of an actual state, it’s connected with a lot of emotion. What do the numbers in the end actually say about me? Nothing. Nothing at all. Since the weight does not even give information about the composition of the body, i.e. water, muscles, fat, etc., one cannot conclude from the number alone whether I am slim or lazy or seriously ill.

Daily weighing is the same as sitting down every evening with your spouse and evaluating how he or she behaved that day. If he was good, there is praise, if he was rebellious, we scold him strongly. You can do that. This relationship will probably not be particularly happy and fulfilled.

The easiest way to stop giving the stupid senseless numbers the opportunity to determine my value was for me to dispose of the scales. It was simply superfluous and had nothing to contribute to a fulfilled life.

At the same time this step was an act of resistance for me against whole branches of industry, which earn money by persuading me that my body is not in order and has to be changed. No, I am not ready to believe your lies! However, this form of resistance was too passive for me. Beside the not-more-weighing I announce meanwhile each advertisement, which is shown to me on facebook or Instagram with the message “So you finally take off” or “In short time to the dream body” immediately as insulting. I don’t have to lose weight. How do you get your pork cheeks to constantly tell us women that it is the most normal thing in the world to be dissatisfied with your own body? In the beginning it felt totally strange, but now I enjoy it. Every time I say no to a lie that is thrown towards me and yes to my own body and that which it is just now.

The balance that no longer exists has also supported another process, namely to listen more closely to my body. It is really amazing what he has to tell, if I am not constantly evaluating and criticizing him on the basis of numbers. In my experience it takes a bit of practice and trial and error to feel or hear what is fundamentally good.

I find it difficult to “listen” to myself, especially in stressful times, because then so much else rushes through my thoughts. But when I take a few minutes and concentrate on myself, the needs usually become very clear:

  • I am thirsty and need more water.
  • I am stiff from sitting for a long time and have to be stretched.
  • I have a longing for woods and exercise.
  • You had so many exhausting thoughts, it would be great if you let off steam or laugh really hard.
  • Maybe you could snuggle up a bit with your children and sniff them, that relaxes me too.
  • No, not thinking and worrying again, yoga and breathing would be a better alternative now.
  • You have eaten a lot of bread and sweets in the last few weeks, I now need vitamins, lots of vitamins.
  • I like to feel sun and warmth and storms and rain. Preferably in combination with laughing and talking and long walks.

I wish myself so much that even in stressful, full times I succeed in listening well to my body and caring for it lovingly.

And above all I wish to be a shining example for my daughter in matters of body love. May she get to know her body as a lifelong home and good friend, take good care of it and feel very comfortable with it.

Urlaub – Zeit zum Lernen

Vaccation – Time to Learn

(for an english version: scroll to the bottom)

Wir sind frisch aus dem Urlaub zurück, und ja, es war wunderbar erholsam und sowohl mit wohlverdienter Ruhe als auch frischer Inspiration und Wissen gespickt.

Hier sind meine drei Highlights:

Unter Wasser atmen 

Das ist ja einfach mal völlig unnatürlich, was man da beim Schnorcheln machen muss: Ein- und Ausatmen während man mit dem Kopf unter Wasser ist. An der kroatischen Küste gibt es aber jede Menge wunderbarer Dinge unter Wasser zu entdecken. Also haben wir ein paar Tage vor der Abfahrt auch für die “Kleine” einen Schnorchel besorgt und sie im heimischen Mini-Pool mal probieren lassen. Die beiden Kommandos “Atmen!” und “Ruhig ins Wasser legen!” haben in der Umsetzung dann einen Moment gebraucht.

Im großen Meer, in dem sie vorher noch nie geschwommen ist und in dem es noch jede Menge Wellen und Felsen und Seeigel gab, war es noch aufregender. Trotzdem hatte sie es schon nach kurzer Zeit und ein bißchen Übung raus. Schon bald tauchte sie mit Papa los. Und ich als Mama war völlig fasziniert und begeistert, als sie dann von einem Fels zum nächsten taucht, zwischendrin gemütlich im Wasser liegt und nichts mehr tut und mein Mann sagt: “Da schwimmt gerade ein Schwarm Fische unter ihr durch”. Ich liebe es, meine Kinder beim Weltentdecken zu unterstützen und ihre Horizonte zu erweitern!

Internationaler Widerstand im verschlafenen Osor

In dem neuen Buch von Rachel Held Evans “Inspired. Slaying giants, walking on water, and loving the bible again” hatte ich morgens von verschiedenen Menschen in der Bibel gelesen, die gegen die Ägypter oder Römer Widerstand leisteten.

Mittags haben wir einen Ausflug in das überhitzte und leergefegte Osor am Übergang der beiden Inseln Cres und Losinj gemacht. Wir waren schon fast auf dem Weg zur nächsten Bucht, als ich das Schild für eine Cartoonausstellung sah. Unsere graffitibegeisterten Jungs hatten endlich etwas Interessantes zum Anschauen und ich fragte den kauzigen alten Mann mit längeren weißen Haaren im Zopf und der Kippe im Mundwinkel aus, der uns die Zettel zum Abstimmen in die Hand drückte (aha, hier geht es also um einen Wettbewerb). Er macht solche Ausstellungen schon seit vielen Jahren, es beteiligen sich Cartoonisten aus aller Welt und jeden Alters. Wie kommt es zu den ganzen Bildern von Künstlern aus China und Iran? Die Cartoonszene ist dort mit am Stärksten vertreten und alle sind übers Internet miteinander verbunden. Kunst als eine der vielen Formen des Widerstands. In einem unscheinbaren Ort in der Kvarner Bucht in Kroatien.

Pläne geändert wegen Unwissenheit

Auf dem Weg nach Kroatien sind wir unter anderem durch Slovenien gefahren. Ich sah meinen Mann an und fragte ihn: Was weißt Du über Slovenien? Und Ljubljana? Nichts? Ja, ich irgendwie auch nicht…

Wir hatten für den Schluß eigentlich einen Tag für den Klassiker einer Kroatien-Besuchs eingeplant: Die Plitvicer-Seen. Als wir den Campingplatz mit schon ein wenig Campingmüdigkeit dann kurz vor Ende buchen wollten, lasen wir noch einmal genauer im Reiseführer: “Die schlechtesten Monate für einen Besuch sind zweifellos der Juli und August – dann tröpfeln die Wasserfälle nur noch, man findet kaum einen Parkplatz, die schiere Besuchermenge macht Wanderungen zur Polonaisen, und lange Schlangen bilden sich an den Bussen und Booten, die die Besucher durch den Nationalpark befördern.” Na gut, das klingt bescheiden. Wollen wir uns nicht Ljubljana anschauen?

So landeten wir für zwei Nächte in dem wirklich sehr schön umgebauten Hostel Celica, einem ehemaligen Militärgefängnis. Das Hostel liegt auf dem Gelände der ehemaligen belgischen Kaserne an der Metalkova-Straße. Die Kaserne wurde nach der Unabhängigkeitserklärung von Jugoslawien 1991 von Künstlern “erobert”, in unmittelbarer Nähe sind inzwischen mehrere Museen, Skate- und Basketballplätze. Das Hostel selbst setzt sich intensiv mit der Geschichte auseinander, eine Tafel endet mit dem Satz: “Never again a prison, but rather a space of fresh, simple delights.”

Wir haben das Hostel und die Umgebung erforscht und waren ca. vier Stunden auf dem Schloß mit den Audioguides unterwegs. Die Drachen- und Tromostovje-Brücke haben wir gesehen und unsere Kleine hat in der Marijinega-Kirche gebetet.

Unter anderem haben wir folgende Dinge an dem einen Tag, den wir in Ljubljana hatten, gelernt:

  • Die Umrisse von Slovenien sehen aus wie ein Huhn.
  • Im größten Teil Sloweniens ist es im Winter ziemlich kalt und im Sommer sehr warm (die zweite Hälfte können wir bestätigen).
  • Ältestes Fundstück: Ein Holzrad, das wohl vor 5200 Jahren gebaut wurde.
  • Auch in Ljubljana wurde ein Drache besiegt (wie in so manchen anderen Städten – kennt ihr die Geschichte vom Krakauer Drachen?).

Ein Buch habe ich in mehreren Buchhandlungen gesehen und nun lerne ich gerade noch ein bißchen mehr auf unterhaltsame und kurzweilige Art über Slowenien: Noah Charney – “Slovenology. Living and Traveling in the World`s Best Country.” Es ist von einem Amerikaner geschrieben und beschreibt entsprechend einen außereuropäischen Blick auf Slovenien.

In diesem Sinne an alle Kroatien-Reisende die warme Empfehlung zu einem Zwischenstopp. Ich liebe solche Abweichungen vom Plan!

Was waren Eure Urlaubs-Highlights? Was habt Ihr gelernt?

We have just returned from our holidays, and yes, it was wonderfully relaxing and full of well-earned peace and quiet as well as fresh inspiration and knowledge.

Here are my three highlights:

Breathe underwater 

That’s just completely unnatural, what you have to do when snorkeling: Breathe in and out while your head is under water. On the Croatian coast, however, there are plenty of wonderful things to discover underwater. So a few days before the departure we got a snorkel for the “little one” and let her try in the mini pool at home.

It was even more exciting in the great sea, where she had never swum before and where there were lots of waves and rocks and sea urchins. Nevertheless, she had it out after a short time and a little practice. A short time later she started diving with daddy. And as a mother I was completely fascinated and enthusiastic when she dives from one rock to the next, lies comfortably in between and does nothing more and my husband says: “There is a swarm of fish swimming under her”. I love to support my children in discovering the world and broaden their horizons!

International resistance in sleepy Osor

In the new book by Rachel Held Evans “Inspired. Slaying giants, walking on water, and loving the bible again” I had read in the morning about the various people in the Bible who resisted the Egyptians or Romans. At noon we made a trip to the overheated and empty swept Osor at the crossing of the two islands Cres and Losinj.

We were almost on our way to the next bay when I saw the sign for a cartoon exhibition. Our graffiti-enthusiastic boys finally had something interesting to look at and I asked the odd old man with longer white hair in the plait and the cigarette in the corner of his mouth, who gave us the slips of paper to vote on (aha, this is about a competition). He has been doing such exhibitions for many years, cartoonists from all over the world and of all ages participate. How do all the pictures of artists from China and Iran come about? The cartoon scene is one of the strongest there and everyone is connected via the Internet. Art as one of the many forms of resistance. In an inconspicuous place in the Kvarner Bay in Croatia.

Plans changed due to ignorance

On the way to Croatia we drove through Slovenia, among other places. I looked at my husband and asked him: What do you know about Slovenia? And Ljubljana? Nothing? Yeah, me neither…

For the end we had actually planned a day for the classic of a visit to Croatia: Plitvice Lakes. When we wanted to book the campsite with a bit of camping fatigue just before the end, we read the travel guide: “The worst months for a visit are undoubtedly July and August – then the waterfalls only drip, you hardly find a parking place, the sheer number of visitors make hikes to the polonaises, and long queues form at the buses and boats that transport the visitors through the national park”. All right, that sounds modest. Why don’t we go and see Ljubljana?

So we landed for two nights in the really very nicely converted Hostel Celica, a former military prison. The hostel is located on the grounds of the former Belgian barracks on Metalkova Street. After the declaration of independence from Yugoslavia in 1991, the barracks was “conquered” by artists, and several museums, skating and basketball courts are now in the immediate vicinity. The hostel itself deals intensively with the story, a story board ends with the sentence: “Never again a prison, but rather a space of fresh, simple delights”.

We explored the hostel and its surroundings and spent about four hours on the castle with the audio guides. We saw the Dragon and Tromostovje Bridge and our little one prayed in the Marijinega Church.

Among other things, we learned the following things on the one day we had in Ljubljana:

  • The outlines of Slovenia look like a chicken.
  • In most of Slovenia it is quite cold in winter and very warm in summer (we can confirm the second half).
  • Oldest find: A wooden wheel, which was probably built 5200 years ago.
  • Also in Ljubljana a dragon was defeated (as in many other cities – do you know the story of the Krakow dragon?).

I have seen one book in several bookshops and am just learning a little more about Slovenia in an  entertaining way – Noah Charney: Slovenology. Living and Traveling in the World`s Best Country. It is written by an American and takes a correspondingly non-European view of Slovenia.

In this sense, all Croatian travellers are warmly recommended to make a stopover. I love such deviations from plan!

What were your holiday highlights? What have you learned?

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Das Enneagramm – Eine Einladung

The Enneagram – an invitation
(for an english version: scroll to the bottom)

Mein persönlicher Vorläufer: Das DISG-Modell

Wer schon einen Moment länger in christlichen, bzw. freikirchlichen Kreisen unterwegs ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit von DISG-Modell gehört haben, einem Verhaltensmodell mit vier Grundtypen. Ich selbst habe mit diesem Modell viele Jahre in Berufsfindungsseminaren gearbeitet. Hier fällt mir immer sofort das klassische Einstiegsbild von Tiki Küstenmacher ein: Ein Elefant, ein Affe, eine Seerobbe, eine Schnecke, ein Fisch im Glas und schließlich ein Papagei auf dem Kopf des Elefanten. Sie alle schauen mit großen Augen auf den “Lehrer” hinter seinem Pult. Daneben steht ein großer, prachtvoller Baum. Und dann der Text darunter: “Damit es gerecht zugeht, erhalten Sie alle die gleiche Prüfungsaufgabe. Klettern Sie auf diesen Baum.” Das ist auch schon für jüngere Schüler, die den Text gerade so lesen können, ein eindringliches Bild. Sie verstehen sofort: Diese Aufgabe ist nicht in erster Linie gerecht, sondern mehr oder weniger passend für die einzelnen Tiere. Der Affe freut sich einen Ast (oder sitzt schon nach kürzester Zeit auf dem selbigen), während der Fisch sich noch so sehr anstrengen kann – er hat keine Chance.

Durch die vielen Jahre der praktischen Anwendung des Modells habe ich zum einen gelernt, dass jeder Verhaltenstyp mit bestimmten Stärken aufwarten kann. Zum anderen sollten die vier Grundtypen in einem Team möglichst alle vorhanden sein. Nur wenn die sehr unterschiedlichen Stärken in einem einzelnen Team zusammen kommen, kann es langfristig erfolgreich zusammenarbeiten.

Zu der Wahrheit gehört aber auch, dass alle Verhaltenstypen mit einem bestimmten Set an Schwächen aufwarten. Meinen Blick auf Menschen hat das sehr entspannt: Es gibt nicht den einen Helden, der in allem überdurchschnittlich gut ist. Wir alle brauchen Ergänzung von Menschen, die explizit anders sind als wir.

Das Enneagramm in aller Kürze

Das Enneagramm habe ich hingegen erst vor ca. 1,5 Jahren intensiver kennengelernt. Es ist kein Modell, das auf der Verhaltensebene ansetzt, sondern sehr viel tiefer auf der Persönlichkeitsebene. Hier ein paar Besonderheiten:

  • Das Modell ist alt. Sein Ursprung scheint irgendwann zwischen dem christlichen Wüstenmönch Evagrius Pontikus (der ist 399 gestorben und nein, ich kannte den auch noch nicht) und dem Mittelalter zu liegen. Vielleicht ist das Modell nicht nur alt, sondern eher uralt.
  • Es werden insgesamt neun Grundtypen anhand von Nummern benannt. Diese Grundtypen beschreiben verkürzt gesagt die Strategien, die wir uns als Kinder angeeignet haben. Sie dienten dazu, Schwierigkeiten und Probleme in unserem direkten Umfeld möglichst unbeschadet zu überstehen und uns sicher zu fühlen. Typischerweise kommen diese Strategien bei uns auch noch im Erwachsenenalter zur Anwendung.
  • Das Modell ist in erster Linie zum Arbeiten am eigenen Ich gedacht. Es ist explizit nicht für das einsortieren anderer Menschen in Schubladen oder das Zusammensetzen von Teams geeignet (auch wenn ich zugebe, dass es mir im Verstehen von wahlweise schrecklichen bis schlicht skurilen Menschen geholfen hat – ich muss ihnen ja nicht mitteilen, in welches Kästelchen ich sie gesteckt habe…)
  • Jeder Typ wird in den Abstufungen seines Reifegrads beschrieben: unreif, normal oder gereift- wobei die Autoren hier natürlich unterschiedliche Begriffe verwenden. Das Ziel ist, das eigene Leben möglichst oft als gereifter Mensch bewusst zu gestalten.
  • Außerdem tendieren die Grundtypen unter Stress oder in Entspannung zu dem Verhalten von anderen Typen. Diese Perspektive macht das Model wunderbar dynamisch, weil sich mein Verhalten auch innerhalb eines Tages zwischen diesen Tendenzen verändern kann. Ich kann wie bei einem Thermometer mein eigenes Stresslevel ablesen.
  • Interessant sind auch die jeweiligen “Flügel” der Grundtypen. Die neun beschriebenen Typen sind in einem Kreis angeordnet, so dass jeder Typ auf der eigenen rechten und linken Seite einen “Flügelspieler” hat. Auch hier sind Tendenzen für die eigene Persönlichkeit zu erkennen, an denen gearbeitet werden kann.

Ein paar Hinweise zum Start

Da es inzwischen genug Bücher, Podcasts, etc. zum Thema gibt, werde ich hier zu der puren Theorie nicht mehr schreiben. Die folgenden Hinweise gebe ich einfach für diejenigen, die Lust haben tiefer einzusteigen.

In Deutschland wie auch den USA verweisen die meisten Menschen, die sich mit dem Enneagramm auseinandergesetzt haben, auf das Buch von Richard Rohr und Andreas Ebert. Ich kann das nicht empfehlen. Es ist für den Einstieg aus meiner Sicht schlicht zu trocken und geschichtslastig.

Ich empfehle am liebsten die Podcastfolge von TheLiturgists. Sie gibt einen guten Überblick über die neun Grundtypen und ist ausgesprochen unterhaltsam gestaltet. Mit kleinen Liedchen für jeden Typen und Originalzitate von Vertretern des Typs – dann tut die Selbsterkenntnis auch nicht so ganz weh. Die Folge war tatsächlich auch mein Einstieg ins Thema und die Identifikation meiner eigenen Nummer war damit relativ leicht. Allerdings ist sie nur zu empfehlen, wenn Englisch einigermaßen beherrscht wird.

Von den beiden Experten dieser Podcastfolge (Ian Cron & Suzanne Stabile) gibt es ein hervorragendes Buch zum Einstieg ins Thema. Anders als bei Rohr wird sich nicht lange mit der Geschichte aufgehalten, sondern es geht direkt ans Eingemachte. Es liegt inzwischen auch auf deutsch vor, ich habe es entsprechend verlinkt Die beiden Autoren sind zunächst mit einem gemeinsamen Podcast gestartet, bei dem sie jeweilige Vertreter der Verhaltenstypen interviewten. Inzwischen haben beide ihre eigenen Sendungen. Ian Cron hat dabei aus meiner Sicht die interessanteren Gesprächspartner.

Viele Enneagramm-Lehrer raten von konkreten Tests zum herausfinden des eigenen Persönlichkeitstyps ab. Ihre Strategie ist die Selbsterkenntnis während man die neun Typen einzeln kennenlernt. Das hat bei mir auch ganz gut funktioniert. Zahlreiche Tests gibt es natürlich trotzdem. Ich selbst habe den kostenlosen Test quellgrund ausprobiert und er ist zu dem gleichen Ergebnis gekommen wie ich selbst (ja, ich gebe es zu – ich war tatsächlich ein bißchen erleichtert). Bei der Auswertung waren interessante Hinweise und Vorschläge enthalten. Unter anderem, dass ich regelmäßig bloggen sollte…

Im nächsten Post werde ich die graue Theorie zum Thema verlassen. Viel spannender ist es ja immer, die Menschen vor dem Hintergrund ihrer Verhaltenstypen kennenzulernen. Ein bißchen werde ich von meiner eigenen Reise mit dem Enneagramm erzählen, von meinem Jubelruf “ich spüre meinen Ärger” und der hart erkämpften Aussage “ich bekomme langsam Routine in Konfliktgesprächen.”

Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Entdecken der eigenen Nummer… Sollte es am Anfang entlarvend und schmerzhaft sein – nicht wundern. Das gehört meistens mit dazu…

My personal predecessor: The DISG model

Those who have been on the road in Christian or free church circles for a while will most likely have heard of DISG-Model, a behavioral model with four basic types. I myself have worked with this model for many years in vocational training seminars. Here I always immediately remember the classic opening picture of Tiki Küstenmacher: an elephant, a monkey, a seal, a snail, a fish in a glass and finally a parrot on the elephant’s head. They all look with big eyes at the “teacher” behind his desk. Next to it stands a large, magnificent tree. And then the text underneath: “In order to be fair, you all receive the same test task. Climb that tree.” This is an impressive picture even for younger students who can read the text just like that. You understand immediately: This task is not primarily fair, but more or less suitable for the individual animals. The monkey enjoys a branch (or sits on it after only a short time) while the fish can make an effort – it has no chance.

Through the many years of practical application of the model, I have learned on the one hand that every type of behavior can show certain strengths. On the other hand, the four basic types should be available in one team. Only when the very different strengths come together in a single team can it work together successfully in the long term.

But it is also true that all behavior types come with a set of weaknesses. My view of people has been very relaxing: There is not the one hero who is above average in everything. We all need to complement people who are explicitly different from us.

The Enneagram in brief

I got to know the Enneagram more intensively about 1.5 years ago. It is not a model that starts at the behavioral level, but rather a much deeper one at the personality level. Here are some special features:

  • The model is old. Its origin seems to lie somewhere between the Christian desert monk Evagrius Pontikus (who died in 399 and no, I didn’t know him yet) and the Middle Ages. Perhaps the model is not only old, but rather very old.
  • A total of nine basic types are named by numbers. These basic types briefly describe the strategies we have adopted as children. They were used to overcome difficulties and problems in our immediate environment as unharmed as possible and to make us feel safe. Typically, these strategies are also used in adulthood.
  • The model is primarily intended for working on one’s own self. It is explicitly not suitable for sorting other people into drawers or putting together teams (although I admit that it has helped me to understand people who are either horrible or simply bizarre – I don’t have to tell them in which box I put them…).
  • Each type is described in the gradations of its degree of maturity: immature, normal or mature – although the authors use different terms here, of course. The goal is to consciously shape one’s own life as often as possible as a mature person.
  • In addition, the basic types tend to behave like other types under stress or in relaxation. This perspective makes the model wonderfully dynamic, because my behaviour can change within a day between these tendencies. I can read my own stress level like a thermometer.
  • Interesting are also the respective “wings” of the basic types. The nine described types are arranged in a circle, so that each type has a “wing player” on its own right and left side. Here too, there are tendencies for one’s own personality that can be worked on.

A few tips for the start

Since there are now enough books, podcasts, etc. on the topic, I won’t write about pure theory here any more. I give the following hints for those who want to go deeper.

In both Germany and the USA, most people who have dealt with the Enneagram refer to the book by Richard Rohr and Andreas Ebert. I can’t recommend this. From my point of view, it is simply too dry and full of history.

I recommend the podcast episode of TheLiturgists. It gives a good overview of the nine basic types and is very entertaining. With small songs for every type and original quotes from representatives of the type – then self-knowledge doesn’t hurt so much. The result was actually my introduction to the topic and the identification of my own number was relatively easy.

From the two experts of this podcast series (Ian Cron & Suzanne Stabile) there is an excellent book on the introduction to the topic. Contrary to Rohr’s book, the history does not last long, but it goes directly to the preserves. The two authors first started with a joint podcast in which they interviewed representatives of the behavioral types. Now they both have their own shows. In my opinion, Ian Cron has the more interesting interlocutors.

Many Enneagram teachers advise against concrete tests to find out your own personality type. Their strategy is self-knowledge while getting to know the nine types individually. That worked pretty well for me, too. Nevertheless, there are of course numerous tests.

In the next post I will leave the grey theory on the subject. It is always much more exciting to get to know people against the background of their behavioral types. I will tell a little bit about my own journey with the Enneagram, about my cheering “I feel my anger” and the hard-won statement “I am slowly getting routine in conflict talks”.

Until then I wish you a lot of fun discovering your own number… Should it be debunking and painful at the beginning – don’t be surprised. That’s usually part of it….

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Der Jahresrückblick 2017 (2/2)

Nach der ersten Hälfte vor zwei Wochen, kommt hier nun Teil 2 des alphabetischen Jahresrückblicks.

Minimalismus: Ein Konzept, das ich spannend finde, auch wenn ich mich selbst nicht als Minimalistin bezeichnen würde. Das Ausmisten im ersten halben Jahr und der leere Raum im neuen Heim sind aber weiterhin sehr gute Motivatoren, den Haushalt möglichst weiter zu reduzieren und nur das zu behalten, was gebraucht oder geliebt wird. FunFact: Der Minimalismus scheint sich inzwischen selbst in meinem Kunstgeschmack niederzuschlagen. Im Moment finde ich Zeichnungen mit genau einem Strich besonders ansprechend :-).

New York: Ich hatte es – das perfekte Wochenende im September mit meinem Flo in New York. Geträumt von Amerika hatte ich seit sage und schreibe 20 Jahren. Geklappt hat es aus irgendwelchen Gründen nie. Nun ist es passiert. Und es war der Hammer. Zum Glück wird durch solche Erlebnisse die Bucketlist mit Traumdestinationen ja nicht kürzer sondern länger. Und wenn es für das nächste Mal USA wieder 20 Jahre werden, dann ist das eben so. Träume sind dazu da, an ihnen fest- und uns am laufen zu halten.

Ofen: Noch so ein erfüllter Wohntraum – seit ca. fünf Wochen haben wir einen Ofen mit großem Sichtfenster im Wohnzimmer. Er war seitdem ca. drei Tage nicht im Betrieb. Vor Weihnachten war der Modus:  Ich schaue abends in die Flammen, entspanne mich, und bin nach zehn Minuten eingeschlafen. Inzwischen schaffe ich eine halbe Stunde lesen vor dem warmen Licht und der Wärme bevor ich einschlafe. 

Paragliding-Flug: Ich bin ja nicht so adrenalindurstig, dass ich von einem Sprung aus dem Flugzeug träume. Aber ein Gleitschirmflug stand auch schon länger auf der Liste. Bei unserem Urlaub im Salzburgerland hat sich dann Flo um die Verwirklichung gekümmert. Ein unfassbares Gefühl, wenn Deine Füße unter Dir in der Luft baumeln und Du denkst: “Die Spitze von dem Kirchturm hier drüben kann ich jetzt einfach mal streicheln…” Wenn die hohen Berge nur etwas näher am Rhein-Main-Gebiet wären! Aber im Taunus kann man wohl auch Gleitschirmfliegen lernen. Mal sehen.

 

Quitten, quitting, Qualle …? Na gut, mir fällt nix ein…

Recruiting: Was meinen Job so herausfordernd macht? Der “war for talents” ist in vollem Gange, die IT-Entwickler haben keine Lust auf Festanstellung, Eltville ist nicht Berlin oder München oder Hamburg. Aber ich und die Agentur können mega viel lernen und ich bin hoch motiviert, die beste Strategie zu finden und zu entwickeln.

San Francisco: Das ist die Story von einem wirklich fies geplatzten Traum in diesem Jahr. Die ersten Monate sah es so aus, dass wir als Familie ziemlich sicher für ein paar Monate nach San Francisco gehen würden (während wir das Haus umbauten usw. – aber wir sind es ja gewohnt mit Spannungen zu leben). Und dann machte es völlig überraschend “peng” – und der Traum war gestorben. Wieder einmal. Aber dann kam zumindest das NewYork-Wochenende. Ich habe gelernt: Ich darf meine Träume lose in der Hand halten, sie anschauen, aber auf keinen Fall festhalten. Hilft eh nix. Ich kann nur hoffe, dass sie irgendwann Realität werden.

Taunus Wunderland: Ok, das war kein langjähriger Traum, aber seltsam war es schon, dass ich vorher noch nie da war. Im Herbst sind wir an einem wunderschönen Sonnentag mit den Kindern dort gewesen und haben wilde, aufregende, ruhige und lustige Moment genossen. Das war dann in etwa auch unser ganzer Herbsturlaub. Den Rest haben wir ins Haus gesteckt.

Umzug nach Hochheim: Mein Mann ist in Hochheim aufgewachsen, wir haben nach unserer Hochzeit schon einmal sieben Jahre in Hochheim gewohnt. Sie gehörten nicht zu den schönsten Jahren meines bisherigen Lebens. Mir ist schlicht die Decke auf den Kopf gefallen in diesem “Dorf” und ich habe mich mega gefreut, als wir nach Wiesbaden ins Westend mit bißchen mehr Leben gezogen sind. Insofern waren engere Freunde sehr erstaunt, als sie von unserem Plänen hörten. ABER: Wir sind in einer anderen Phase, ich fahre jeden Tag aus Hochheim raus, die Familienlogistik ist soviel einfacher hier. Und Wiesbaden, Mainz und Frankfurt sind nur 20-30 Minuten entfernt. Mir geht es hier tatsächlich erstaunlich gut. Und ich habe inzwischen Strategien, sollte mir doch einmal die Decke auf den Kopf fallen. Nur den Wald vom Neroberg, den vermisse ich sehr schmerzlich.

V

WingWave: Das ist eine Methode zum Stressbewältigen und -abbauen. Kurz vor Jahresende habe ich sie durch meine Freundin Kerstin Hack kennengelernt und bin diese seitdem fleissig am anwenden und nutzen.

Ted X Women: Die Ted-Talks sind inzwischen ja ausgesprochen bekannt. Im Format der großen Ted-Konferenz gibt es auch kleinere lokale Events, die Leute vor Ort organisieren können. Ende des Jahres gab es einen Event in Frankfurt mit zum Teil wirklich spannenden Rednerinnen. Es ist immer inspirierend, tolle Frauen auf einer Bühne zu hören. Ein fast noch größeres Highlight waren die Gespräche mit Damen, die etwas gehaltvolles zu Design Thinking oder Blockchain oder ehrenamtlicher Arbeit für die UNO von zu Hause aus sagen können. Ich liebe es, wenn sich mein Horizont erweitert.

Y

Zukunft: Im letzten Jahr haben wir unglaublich viele Weichen für die nächsten Jahre gelegt und für mich ist im Vergleich zum Vorjahr unglaublich viel vorhersehbar in 2018. Ich habe schon jetzt fast meinen kompletten Jahresurlaub eingetragen (nein, Hotels und Flüge sind nur für den allerkleinsten Teil gebucht). Im Moment finde ich dieses “verplant sein” aber durchaus angenehm und es gibt mir Sicherheit. Vieles ist im Groben nun aufgesetzt, nun darf es an die Feinheiten gehen. Darauf freue ich mich schon.

Ich wünsche Euch ein tolles Jahr 2018, auf das ihr gerne und mit großer Zufriedenheit zurückschauen werdet.

 

Jahresrückblick 2017 (1/2)

Auch wenn der Jahreswechsel schon vorbei ist und die meisten sich schon über die Neujahrsvorsätze ausgetauscht oder diese sogar schon wieder verabschiedet haben – ich bin noch nicht soweit. Zu voll und reichhaltig war das letzte Jahr.

Arbeit, Arbeit, Arbeit: Grundsätzlich war mein Jahr in zwei Hälften geteilt – vor und nach dem Umzug und vor und nach dem Start der neuen Arbeit. Beides lag nur zwei Wochen auseinander. In beiden Hälften habe ich so viel wie selten zuvor gearbeitet. Einfach lange, lange Listen an ToDos abgehakt und weiter gemacht. Nun darf ich am Ende des Jahres tatsächlich stolz auf das Erreichte sein (auch wenn ich mir das immer nochmal sagen muss).

Bücher: Sie sind ja eigentlich einer der wunderbaren Wege, um mich auszugleichen. Dieses Jahr hat schlicht kaum Zeit gelassen zum lesen. Ich bin in aller Regel völlig erschöpft um halb neun ins Bett gefallen. Aber das war eine Phase und schon jetzt startet eine Neue. Mein Bücherstapel ist schon wunderbar hoch!

Charley, Jessica, Mary: Meine Herzensfreundinnen aus anderen Ländern. Wir haben uns endlich alle mal wieder gesehen. Und Charley kam mich im September sogar noch einmal besuchen. Was für ein Geschenk diese Freundinnen in meinem Leben sind!!!

The Girls

Deponie: Mit der Deponie in Wiesbaden habe ich in der ersten Jahreshälfte enge Freundschaft geschlossen. Der Umzug in das neue Haus sollte so leicht wie möglich werden und ich habe sechs lange Monate aussortiert, verschenkt und verkauft. Die Unmengen an Bauschutt aus dem neuen Haus waren hier noch gar nicht dabei, dafür hatten wir über die Monate insgesamt fünf Container vor dem Haus stehen.

Enneagram & Konflikte: Mit dem Enneagram (ein ganz altes Persönlichkeitsmodel) hatte ich mich schon im letzten Jahr angefangen auseinanderzusetzen. In diesem Jahr habe ich v.a. Podcasts dazu mit großem Spaß gehört, weil man dafür zum Glück ja keine Bücher lesen muss, also keine extra Zeit braucht. Persönliches Wachstum ist ja häufig nicht so sehr angenehm. Im Herbst hatte ich dann mehrere Gelegenheiten an einer der großen Schwächen meines Persönlichkeitstyps zu arbeiten, dem Führen von Konfliktgesprächen. Und ich kann sagen: es ist immer noch Scheiße!!, aber es kostet mich langsam nicht mehr ganz soviel Energie wie früher. Ich wachse mit meinen Herausforderungen…

Freiraum: Der pure Luxus für mich? Großzügige Wohnräume mit viel freier Fläche. Ja, das ist ein Spleen, weil ich mit fünf Geschwistern in einer vier-Zimmer-Wohnung aufgewachsen bin. Freier Raum, der dazu noch schön geordnet ist und Ruhe ausstrahlt, kann mich tatsächlich zum weinen bringen. Und unser neues Haus ist vor allem davon geprägt. Ich bin immer mal wieder fassungslos vor Freude.

GinTonic: Letztes Jahr kam mein nicht alkoholtrinkender Mann mit einer Flasche Muscatel-Gin aus Mainz von einem Vortrag. Ich hatte keine Ahnung, was damit zu tun war und fragte meinen Bruder, wie oder wozu man das trinkt. Er sagte: “Schwesterherz, kaufe ein Tonic Water, dann kannst Du Gin Tonic mixen, ich komme vorbei und helfe Dir”. Was soll ich sagen? Inzwischen werde ich regelmäßig um Geschenkberatung bezüglich leckerer Ginsorten gebeten…

Haus & Traumküche: Wie schon weiter oben erwähnt – wir sind in ein Haus gezogen. Hierbei handelt es sich um das Haus meiner Schwiegereltern, die uns jetzt kontinuierlich auf dem Kopf herum tanzen, weil sie einen Stock über uns wohnen. Wir haben jede Menge renoviert, saniert, Wände rausgerissen und vieles sehr anders gemacht, v.a. stilistisch. Außerdem habe ich meine absolute Traumküche in weiß mit einem riesigen Küchenblock und Gasherd bekommen. Auch sie bringt mich immer mal wieder zum weinen, weil sie so schön ist und man so toll drin tanzen kann.

Traumküche – vor Einzug

Insel: Zwischendrin hat sie sich unendlich weit weg angefühlt, die letzten drei Wochen war sie wieder sehr präsent – Die Mutter-Kind-Kur mit meiner Tochter über Weihnachten und Silvester auf Langeoog vor einem Jahr. Nach dem Tod von drei Familienmitgliedern und anderen massiven gesundheitlichen Einbrüchen in der Familie hatte ich dringend eine Auszeit gebraucht. Ich hätte ohne diese Kur dieses Jahr sicherlich nicht durchziehen können, weshalb ich auch weiterhin unendlich dankbar für diese tolle Möglichkeit für Mütter hier in Deutschland bin, neue Kraft zu schöpfen.

Auf Langeoog an einem typisch grauen Wintertag

Job: Dieses Jahr hat mir außerdem einen neuen Job beschert, der in vielen Dingen schlicht meinen Traumjob darstellt – seit Anfang Juli arbeite ich als Personalreferentin für das Recruiting einer Marketing-Agentur. Es ist eine wirklich spannende Aufgabe an der ich kontinuierlich wachse, ich habe tolle Kollegen, die ich jeden Tag sehe (eine schöne Neuerung für mich) und Chefs, die mich herausfordern. Zwischendrin hatte ich nicht mehr geglaubt, dass es so etwas für mich geben würde. Und dann ist sie einfach da gewesen, die optimale Kombination. Wie geil ist das denn!

Konzerte: Neben der tollen Aufgabe bringt der Job auch neue Feiermöglichkeiten mit sich. Mit den neuen Kollegen war ich auf dem Oktoberfest in Wiesbaden bei der AprésSki-Party und zwar im Dirndl. Wenn man mir das vor einem Jahr gesagt hätte… Die Musik war so gruselig, dass ich an diesem Abend entschieden habe, Karten für ein Konzert zu besorgen, das den Abschluss einer ganzen Reihe von schönen Konzerten in diesem Jahr bilden sollte: Im Frühjahr hatte ich meine alten Freunde von “rein” aus Dortmund im Heimathafen in Wiesbaden gehört, dann gab der New Spirit Gospel Choir aus Wiesbaden in unserer Gemeinde ein Konzert. Am Abend bevor ich meinen neuen Job antrat haben Flo und ich Philipp Poisel in Mainz im Volkspark gehört und vor ein paar Wochen schließlich Joy Denalane im Konzerthaus in Karlsruhe. Dazu kommt fast jeden Sonntag die Livemusik in unseren Gottesdiensten, die ich eigentlich immer sehr genieße. Eine schöne Bilanz für ein gut gefülltes Jahr.

Leiten & Führen: Eine meiner Rollen, die ich manchmal geliebt und auch schon lange Phasen über gehasst habe ist die einer Leiterin und Führungskraft. Trotzdem gehört sie seit vielen Jahren zu mir. In diesem Jahr konnte und musste ich auch in diesem Bereich meines Lebens wachsen – als Gemeinderätin in der Gemeinde und als Führungskraft in meinem Job. So anstrengend und herausfordernd manches war, es hat auch mächtig Spaß gemacht, weil ich gespürt habe: Du bist genau am richtigen Platz.

In Kürze geht es weiter mit Teil 2. Bis dahin. Guten Start weiterhin in dieses Jahr!

 

Rezension – Sarah Bessey: Out of sorts

Es ist ungefähr 12 Jahre her, als ich Teil einer unglaublich großen Gemeinde war und unheimlich frustriert jeden einzelnen Gottesdienst verlassen habe. Das lag zu einem wahrscheinlich eher geringen Teil an den Menschen, welche die Gottesdienste geprägt haben. Zu einem viel größeren Teil lag es aber an jeder Menge Fragen und Vorwürfen und inneren Auseinandersetzungen mit dem “Glaubenssystem” an sich. Ich war in einer Gemeinde aufgewachsen, ich kannte alle richtigen Antworten. Vor wenigen Tagen saß ich noch lange mit einer Freundin im Auto und wir haben uns ausgetauscht, wie klar und einfach der Glaube an Gott mit 17 war. Es war uns fast schon peinlich, wie sicher wir uns damals waren.

Wir sind in einem bestimmten Glaubenssystem aufgewachsen, das wir zunächst übernommen und für richtig befunden haben. Dann lernen wir dazu, machen unsere eigenen Erfahrungen, sehen wie Menschen in der Gemeinde und von Leitern tief verletzt und enttäuscht werden. Und wir fangen an, Fragen zu stellen. Ich glaube, dass diese Auseinandersetzung notwendig ist. Damit wir zu unseren eigenen Überzeugungen finden. Damit wir verstehen: Was von meinen Erfahrungen sind Enttäuschungen von Menschen, was sind Enttäuschungen von Gott. Wenn der Prozess gut durchlebt wird und die notwendigen Fragen gestellt und ausgehalten werden, bietet diese Reise eine wunderbare Chance: Auf ein tieferes Verständnis über Gott und seine Gemeinde und eine größere Liebe zu ihm und den Menschen um uns herum.

Sarah Bessey, eine kanadische Autorin und Bloggerin, hatte mich schon mit “Jesus Feminist” sehr begeistert. In Ihrem zweiten Buch hat sie sich genau mit dieser Reise auseinandergesetzt, die so viele junge Christen in unserer Zeit einschlagen (müssen). Bei ihr wird die Reise als ein Aussortieren beschrieben: Wir betrachten die einzelnen Überzeugungen, prüfen sie und entscheiden, was wir behalten wollen und was wir hinter uns lassen müssen, weil sie nicht mehr uns entsprechen. Sie beschreibt über große Teile einfach ihre eigene Reise, ihre eigenen Fragen, ihr eigenes Ringen. In einer viel größeren Tiefe und mit mehr theologischem Verständnis, als ich je erreichen werde.

Welche Fragen widmet sich das Buch?

  • Ist es möglich, Jesus innerhalb der Gemeinde aus dem Fokus zu verlieren?
  • Was ist Theologie und wer darf theologisieren?
  • Wie kann ich beten, wenn ich so verletzt bin, dass ich keine Worte finde?
  • Wie kann ich “Dein Reich komme” in meinem Alltag leben?

Wie werden diese Fragen beantwortet?

Mich hat Besseys Tiefe und Mut beeindruckt, mit der sie sich den wirklich schwierigen Fragen stellt. Ich selbst konnte mich sehr gut in fast allen von ihr angesprochenen Themen wiederfinden. Sie fasst vieles in Worte, was bei mir auf der emotionalen Ebene in den letzten Jahren durchgerungen wurde und zu einem guten Abschluß gefunden hat. Das Buch hilft mir entsprechend, sprachfähig zu werden.

Bessey fällt es leicht, zwei Wahrheit nebeneinander zu stellen, die enthaltene Spannung zu beschreiben und dann auch im Alltag mit Leben zu füllen. Die Bibel zu lesen beispielsweise kann dann zu manchen Zeiten bedeuten, voller Glauben das Wort Gottes zu proklamiere. Zu anderen Zeiten tauchen wir tief in den historischen Kontext ein um den Hintergrund zu verstehen. Beten kann heißen, voller Inbrunst die neuesten Lobpreislieder zu singen, während einem fast die Ohren wegfliegen. Zu Hause zünden wir dagegen vielleicht schweigend eine Kerze für die Flüchtlinge an, weil ihr Schmerz uns so berührt, dass wir keine Worte finden. Oder wir wenden uns dem Stundengebet zu, weil wir zumindest ein ganz kleines bißchen Struktur in unserem völlig verrückten Alltag suchen.

Welche Fragen habe ich jetzt?

Bessey zeichnet sich vor Allem durch ihre unbändige Liebe zu Jesus aus. Und ist mir dadurch zu einem Vorbild geworden.

Wir können auf dieser Reise und dem Aussortieren des “Glaubenssystems” über unendlich viel diskutieren: Wie war das nochmal mit der Schöpfung in sieben Tagen? Und war Jona tatsächlich in dem Bauch eines Wales? War es ein Apfel, mit dem Eva verführt wurde? Und was ist eigentlich mit der Frage der Homosexualität? Und die Bedeutung des Kreuzes? Und den armen eierlegenden Wollmilchsäuen, denen wir unfassbar viel Arbeit und Verantwortung auflegen und Pastoren nennen? Das sind alles mehr oder weniger wichtige Fragen.

Nach dem Lesen von “Out of Sorts” scheinen mir diese folgende Fragen soviel wichtiger und bedeutender zu sein: Wer ist Jesus für mich? Was heißt es für mich, ihm nachfolgen zu wollen? Wie schnell vergebe ich? Wie oft gelingt es mir, den anderen höher zu achten als mich selbst? Viel interessanter, viel ehrlicher, viel wichtiger.

Meine drei Lieblingszitate

I felt ripped off. Because this Jesus, the one here in the pages of my bible, the one who spoke in the red letters, the one I was yearning to know in my heart of hearts and walk behind every day – this Jesus was so different from all those other Jesuses. He wasn´t in a tidy box. He wasn´t the property of any one religion or denomination or belief system, or of a governmental system or a financial system or a lifestyle. He was bigger, wilder, and more wonderful than all of that. And it made me feel angry to realize it.

I had to learn to read the whole bible through the lens of Jesus, and I had to learn to stop making it into something it wasn´t – a glorified answer book or rule book or magic spell. I had to stop trying to reduce the Bible to something I could tame or wield as a tool. I had to let the Bible be everything it was meant to be, cast away the idols of certainty, materialism, and control.

In a fractured and mobile and hypercustomized world, intentional community – plain old church – feels like a radical act of faith and sometimes like a spiritual discipline. We show up at a rented school and drink a cup of tea with the people of God. And we remember together who we are and why we live this life, and we figure out all over again how to be disciples on the Way.

 

Mir bleibt nur noch zu sagen: Wärmste Leseempfehlung!

Rezension – Donald Miller: Eine Million Meilen in tausend Jahren

img_8455Immer wieder versuche ich den Buchhandlungen hier in der Nähe eine Chance zu geben und manchmal, ganz manchmal mache ich unglaublich Funde. So auch bei diesem Buch. Von Donald Miller hatte ich bisher wegen seines Buches “Blue like Jazz” gehört. Als ich vor ein paar Wochen dann mal wieder durch die ortsansässige christliche Buchhandlung schlenderte  hatte ich schon fast aufgegeben. Schon wieder draußen ließ ich den Blick nochmal über die stark reduzierten Artikel schweifen, als Millers Name mir ins Auge fiel. Bei dem stark reduzierten Preis war mein Gewissen zwar nur mässig über die letzten Amazon-Käufe erleichtert, die Freude über das Buch dann aber umso größer.

Der Untertitel des Buches lautet “Was ich beim Umschreiben meines Lebens gelernt habe”. Nach dem großen Erfolg von Millers Buch “Blue life Jazz” sollte ein Film gedreht werden. Da die Inhalte des Buches nur als grobe Orientierung dienen konnten, brauchte es ein eigenes Drehbuch, das Miller mit zwei Kollegen über einen längeren Zeitraum hinweg schrieb. Auf diese Reise nimmt Miller seine Leser mit und lernt jede Menge über die Prinzipien einer guten Geschichte. Aus dieser Perspektive ist es ein leicht zu lesendes Sachbuch. Gleichzeitig hält Miller sein eigenes Leben den Prinzipien einer guten Geschichte entgegen und stellt fest: Mein Leben ist eigentlich ganz schön langweilig und von Angst geprägt. Eigentlich wünsche ich mir eine viel spannendere eigene Geschichte. Hier ist das Buch eine ansprechende Autobiografie, die das Leben mit unfassbar vielen Gestaltungsmöglichkeiten darstellt.

Welchen Fragen widmet sich das Buch?

  • Was sind die wichtigsten Prinzipien einer guten Geschichte?
  • Was ist notwendig, damit sich eine Figur verändert?
  • Was macht ein Leben bedeutungsvoll?

Wie werden sie beantwortet?

Miller erklärt Geschichten in erster Linie mit eigenen Geschichten. Großen und kleinen. Dabei geht er auf die Suche nach seinem Vater, lernt eine Frau kennen, fängt an Fahrrad zu fahren um sich zu nächst einfach mehr zu bewegen und irgendwann auf dem Fahrrad die USA zu durchqueren. Oft erzählt er auch von Menschen, deren Geschichten ihn bewegt und inspiriert haben. Nebenher lernt der Leser die Grundprinzipien einer guten Geschichte kennen (das Filme schauen wird danach nicht mehr dasselbe sein…) und was in diesem Fall noch viel wichtiger ist: Wie diese Prinzipien auf das eigene Leben angewendet werden können.

Auslöserereignisse sind z.B. notwendig, damit wir uns in Bewegung setzen. Außerdem gehören zu einer  guten Geschichte Konflikte, die die Hauptfigur durchleben muss und das Überwinden von Ängsten.  Mir ging es so, dass ich ständig beim Lesen über mein eigenes Leben reflektiert habe und mich häufiger richtiggehend ertappt gefühlt habe. Und mir wurde klar: Gute große und kleine Lebensgeschichten sind anstrengend, sie kosten unheimlich viel. Aber auf sie zurückzublicken ist das Schönste, was man erleben kann. Insofern hat dieses Buch in erster Linie unheimlich motiviert, mein Leben (und damit jeden einzelnen Tag) nicht nur einfach passieren zu lassen, sondern bewusst zu gestalten.

Welche Fragen habe ich jetzt?

  • Welche Entwicklung wünsche ich mir und welches Auslöserereignis ist dafür notwendig?
  • Gibt es eine unvergessliche Szene, die ich  als nächstes gestalten möchte?
  • Welche Werte stellt meine bisherige Geschichte in den Mittelpunkt?

Meine drei Lieblingszitate

  • “Wenn mich etwas tröstet, als ich mich an meiner ersten Geschichte zu schaffen machte, dann war es die Tatsache, dass in nahezu jeder Geschichte der Protagonist sich wandelt. Am Anfang ist er ein Idiot und am Ende nett, oder er ist am Anfang ein Feigling und am Ende tapfer. Wenn die Figur sich nicht verändert, dann ist die Geschichte noch nicht gelaufen. Und wenn Geschichten Abbilder des wirklichen Lebens sind, wenn Geschichten nur verdichtete Versionen des Lebens sind, dann ist vielleicht auch das Leben selbst darauf angelegt, uns zu verändern, so dass wir uns von einer Sorte Menschen zu einer anderen entwickeln.”
  • “Es stimmt, dass Ehrgeiz zwar Furcht hervorruft, zugleich aber auch die Geschichte erzeugt. Aber das ist ein gutes Geschäft, denn sobald man den Blick zum Horizont richtet, fühlt sich das Leben nicht mehr bedeutungslos an. Und plötzlich kommen Gefahren und Risiken in die Geschichte hinein und die bange Frage, ob man es schaffen wird.”
  • “Wir bringen unseren Kindern gute oder schlechte Geschichten bei, wofür es sich lohnt zu leben und wofür es sich lohnt zu sterben, wonach es sich zu streben lohnt und mit welcher Würde eine Figur ihre eigene Erzählung in Angriff nimmt.”

Grundsätzlich sei noch erwähnt, dass der Schreibstil sicherlich gewöhnungsbedürftig ist. Häufig hat man das Gefühl, direkt in Millers Kopf zu sitzen und die Gedanken ungefiltert serviert zu bekommen. Ungewöhnlich aber gut zu lesen.

Und falls es der Buchhändler um die Ecke nicht mehr bekommt – Amazon hat da noch was…