Der Jahresrückblick 2017 (2/2)

Nach der ersten Hälfte vor zwei Wochen, kommt hier nun Teil 2 des alphabetischen Jahresrückblicks.

Minimalismus: Ein Konzept, das ich spannend finde, auch wenn ich mich selbst nicht als Minimalistin bezeichnen würde. Das Ausmisten im ersten halben Jahr und der leere Raum im neuen Heim sind aber weiterhin sehr gute Motivatoren, den Haushalt möglichst weiter zu reduzieren und nur das zu behalten, was gebraucht oder geliebt wird. FunFact: Der Minimalismus scheint sich inzwischen selbst in meinem Kunstgeschmack niederzuschlagen. Im Moment finde ich Zeichnungen mit genau einem Strich besonders ansprechend :-).

New York: Ich hatte es – das perfekte Wochenende im September mit meinem Flo in New York. Geträumt von Amerika hatte ich seit sage und schreibe 20 Jahren. Geklappt hat es aus irgendwelchen Gründen nie. Nun ist es passiert. Und es war der Hammer. Zum Glück wird durch solche Erlebnisse die Bucketlist mit Traumdestinationen ja nicht kürzer sondern länger. Und wenn es für das nächste Mal USA wieder 20 Jahre werden, dann ist das eben so. Träume sind dazu da, an ihnen fest- und uns am laufen zu halten.

Ofen: Noch so ein erfüllter Wohntraum – seit ca. fünf Wochen haben wir einen Ofen mit großem Sichtfenster im Wohnzimmer. Er war seitdem ca. drei Tage nicht im Betrieb. Vor Weihnachten war der Modus:  Ich schaue abends in die Flammen, entspanne mich, und bin nach zehn Minuten eingeschlafen. Inzwischen schaffe ich eine halbe Stunde lesen vor dem warmen Licht und der Wärme bevor ich einschlafe. 

Paragliding-Flug: Ich bin ja nicht so adrenalindurstig, dass ich von einem Sprung aus dem Flugzeug träume. Aber ein Gleitschirmflug stand auch schon länger auf der Liste. Bei unserem Urlaub im Salzburgerland hat sich dann Flo um die Verwirklichung gekümmert. Ein unfassbares Gefühl, wenn Deine Füße unter Dir in der Luft baumeln und Du denkst: „Die Spitze von dem Kirchturm hier drüben kann ich jetzt einfach mal streicheln…“ Wenn die hohen Berge nur etwas näher am Rhein-Main-Gebiet wären! Aber im Taunus kann man wohl auch Gleitschirmfliegen lernen. Mal sehen.

 

Quitten, quitting, Qualle …? Na gut, mir fällt nix ein…

Recruiting: Was meinen Job so herausfordernd macht? Der „war for talents“ ist in vollem Gange, die IT-Entwickler haben keine Lust auf Festanstellung, Eltville ist nicht Berlin oder München oder Hamburg. Aber ich und die Agentur können mega viel lernen und ich bin hoch motiviert, die beste Strategie zu finden und zu entwickeln.

San Francisco: Das ist die Story von einem wirklich fies geplatzten Traum in diesem Jahr. Die ersten Monate sah es so aus, dass wir als Familie ziemlich sicher für ein paar Monate nach San Francisco gehen würden (während wir das Haus umbauten usw. – aber wir sind es ja gewohnt mit Spannungen zu leben). Und dann machte es völlig überraschend „peng“ – und der Traum war gestorben. Wieder einmal. Aber dann kam zumindest das NewYork-Wochenende. Ich habe gelernt: Ich darf meine Träume lose in der Hand halten, sie anschauen, aber auf keinen Fall festhalten. Hilft eh nix. Ich kann nur hoffe, dass sie irgendwann Realität werden.

Taunus Wunderland: Ok, das war kein langjähriger Traum, aber seltsam war es schon, dass ich vorher noch nie da war. Im Herbst sind wir an einem wunderschönen Sonnentag mit den Kindern dort gewesen und haben wilde, aufregende, ruhige und lustige Moment genossen. Das war dann in etwa auch unser ganzer Herbsturlaub. Den Rest haben wir ins Haus gesteckt.

Umzug nach Hochheim: Mein Mann ist in Hochheim aufgewachsen, wir haben nach unserer Hochzeit schon einmal sieben Jahre in Hochheim gewohnt. Sie gehörten nicht zu den schönsten Jahren meines bisherigen Lebens. Mir ist schlicht die Decke auf den Kopf gefallen in diesem „Dorf“ und ich habe mich mega gefreut, als wir nach Wiesbaden ins Westend mit bißchen mehr Leben gezogen sind. Insofern waren engere Freunde sehr erstaunt, als sie von unserem Plänen hörten. ABER: Wir sind in einer anderen Phase, ich fahre jeden Tag aus Hochheim raus, die Familienlogistik ist soviel einfacher hier. Und Wiesbaden, Mainz und Frankfurt sind nur 20-30 Minuten entfernt. Mir geht es hier tatsächlich erstaunlich gut. Und ich habe inzwischen Strategien, sollte mir doch einmal die Decke auf den Kopf fallen. Nur den Wald vom Neroberg, den vermisse ich sehr schmerzlich.

V

WingWave: Das ist eine Methode zum Stressbewältigen und -abbauen. Kurz vor Jahresende habe ich sie durch meine Freundin Kerstin Hack kennengelernt und bin diese seitdem fleissig am anwenden und nutzen.

Ted X Women: Die Ted-Talks sind inzwischen ja ausgesprochen bekannt. Im Format der großen Ted-Konferenz gibt es auch kleinere lokale Events, die Leute vor Ort organisieren können. Ende des Jahres gab es einen Event in Frankfurt mit zum Teil wirklich spannenden Rednerinnen. Es ist immer inspirierend, tolle Frauen auf einer Bühne zu hören. Ein fast noch größeres Highlight waren die Gespräche mit Damen, die etwas gehaltvolles zu Design Thinking oder Blockchain oder ehrenamtlicher Arbeit für die UNO von zu Hause aus sagen können. Ich liebe es, wenn sich mein Horizont erweitert.

Y

Zukunft: Im letzten Jahr haben wir unglaublich viele Weichen für die nächsten Jahre gelegt und für mich ist im Vergleich zum Vorjahr unglaublich viel vorhersehbar in 2018. Ich habe schon jetzt fast meinen kompletten Jahresurlaub eingetragen (nein, Hotels und Flüge sind nur für den allerkleinsten Teil gebucht). Im Moment finde ich dieses „verplant sein“ aber durchaus angenehm und es gibt mir Sicherheit. Vieles ist im Groben nun aufgesetzt, nun darf es an die Feinheiten gehen. Darauf freue ich mich schon.

Ich wünsche Euch ein tolles Jahr 2018, auf das ihr gerne und mit großer Zufriedenheit zurückschauen werdet.

 

Jahresrückblick 2017 (1/2)

Auch wenn der Jahreswechsel schon vorbei ist und die meisten sich schon über die Neujahrsvorsätze ausgetauscht oder diese sogar schon wieder verabschiedet haben – ich bin noch nicht soweit. Zu voll und reichhaltig war das letzte Jahr.

Arbeit, Arbeit, Arbeit: Grundsätzlich war mein Jahr in zwei Hälften geteilt – vor und nach dem Umzug und vor und nach dem Start der neuen Arbeit. Beides lag nur zwei Wochen auseinander. In beiden Hälften habe ich so viel wie selten zuvor gearbeitet. Einfach lange, lange Listen an ToDos abgehakt und weiter gemacht. Nun darf ich am Ende des Jahres tatsächlich stolz auf das Erreichte sein (auch wenn ich mir das immer nochmal sagen muss).

Bücher: Sie sind ja eigentlich einer der wunderbaren Wege, um mich auszugleichen. Dieses Jahr hat schlicht kaum Zeit gelassen zum lesen. Ich bin in aller Regel völlig erschöpft um halb neun ins Bett gefallen. Aber das war eine Phase und schon jetzt startet eine Neue. Mein Bücherstapel ist schon wunderbar hoch!

Charley, Jessica, Mary: Meine Herzensfreundinnen aus anderen Ländern. Wir haben uns endlich alle mal wieder gesehen. Und Charley kam mich im September sogar noch einmal besuchen. Was für ein Geschenk diese Freundinnen in meinem Leben sind!!!

The Girls

Deponie: Mit der Deponie in Wiesbaden habe ich in der ersten Jahreshälfte enge Freundschaft geschlossen. Der Umzug in das neue Haus sollte so leicht wie möglich werden und ich habe sechs lange Monate aussortiert, verschenkt und verkauft. Die Unmengen an Bauschutt aus dem neuen Haus waren hier noch gar nicht dabei, dafür hatten wir über die Monate insgesamt fünf Container vor dem Haus stehen.

Enneagram & Konflikte: Mit dem Enneagram (ein ganz altes Persönlichkeitsmodel) hatte ich mich schon im letzten Jahr angefangen auseinanderzusetzen. In diesem Jahr habe ich v.a. Podcasts dazu mit großem Spaß gehört, weil man dafür zum Glück ja keine Bücher lesen muss, also keine extra Zeit braucht. Persönliches Wachstum ist ja häufig nicht so sehr angenehm. Im Herbst hatte ich dann mehrere Gelegenheiten an einer der großen Schwächen meines Persönlichkeitstyps zu arbeiten, dem Führen von Konfliktgesprächen. Und ich kann sagen: es ist immer noch Scheiße!!, aber es kostet mich langsam nicht mehr ganz soviel Energie wie früher. Ich wachse mit meinen Herausforderungen…

Freiraum: Der pure Luxus für mich? Großzügige Wohnräume mit viel freier Fläche. Ja, das ist ein Spleen, weil ich mit fünf Geschwistern in einer vier-Zimmer-Wohnung aufgewachsen bin. Freier Raum, der dazu noch schön geordnet ist und Ruhe ausstrahlt, kann mich tatsächlich zum weinen bringen. Und unser neues Haus ist vor allem davon geprägt. Ich bin immer mal wieder fassungslos vor Freude.

GinTonic: Letztes Jahr kam mein nicht alkoholtrinkender Mann mit einer Flasche Muscatel-Gin aus Mainz von einem Vortrag. Ich hatte keine Ahnung, was damit zu tun war und fragte meinen Bruder, wie oder wozu man das trinkt. Er sagte: „Schwesterherz, kaufe ein Tonic Water, dann kannst Du Gin Tonic mixen, ich komme vorbei und helfe Dir“. Was soll ich sagen? Inzwischen werde ich regelmäßig um Geschenkberatung bezüglich leckerer Ginsorten gebeten…

Haus & Traumküche: Wie schon weiter oben erwähnt – wir sind in ein Haus gezogen. Hierbei handelt es sich um das Haus meiner Schwiegereltern, die uns jetzt kontinuierlich auf dem Kopf herum tanzen, weil sie einen Stock über uns wohnen. Wir haben jede Menge renoviert, saniert, Wände rausgerissen und vieles sehr anders gemacht, v.a. stilistisch. Außerdem habe ich meine absolute Traumküche in weiß mit einem riesigen Küchenblock und Gasherd bekommen. Auch sie bringt mich immer mal wieder zum weinen, weil sie so schön ist und man so toll drin tanzen kann.

Traumküche – vor Einzug

Insel: Zwischendrin hat sie sich unendlich weit weg angefühlt, die letzten drei Wochen war sie wieder sehr präsent – Die Mutter-Kind-Kur mit meiner Tochter über Weihnachten und Silvester auf Langeoog vor einem Jahr. Nach dem Tod von drei Familienmitgliedern und anderen massiven gesundheitlichen Einbrüchen in der Familie hatte ich dringend eine Auszeit gebraucht. Ich hätte ohne diese Kur dieses Jahr sicherlich nicht durchziehen können, weshalb ich auch weiterhin unendlich dankbar für diese tolle Möglichkeit für Mütter hier in Deutschland bin, neue Kraft zu schöpfen.

Auf Langeoog an einem typisch grauen Wintertag

Job: Dieses Jahr hat mir außerdem einen neuen Job beschert, der in vielen Dingen schlicht meinen Traumjob darstellt – seit Anfang Juli arbeite ich als Personalreferentin für das Recruiting einer Marketing-Agentur. Es ist eine wirklich spannende Aufgabe an der ich kontinuierlich wachse, ich habe tolle Kollegen, die ich jeden Tag sehe (eine schöne Neuerung für mich) und Chefs, die mich herausfordern. Zwischendrin hatte ich nicht mehr geglaubt, dass es so etwas für mich geben würde. Und dann ist sie einfach da gewesen, die optimale Kombination. Wie geil ist das denn!

Konzerte: Neben der tollen Aufgabe bringt der Job auch neue Feiermöglichkeiten mit sich. Mit den neuen Kollegen war ich auf dem Oktoberfest in Wiesbaden bei der AprésSki-Party und zwar im Dirndl. Wenn man mir das vor einem Jahr gesagt hätte… Die Musik war so gruselig, dass ich an diesem Abend entschieden habe, Karten für ein Konzert zu besorgen, das den Abschluss einer ganzen Reihe von schönen Konzerten in diesem Jahr bilden sollte: Im Frühjahr hatte ich meine alten Freunde von „rein“ aus Dortmund im Heimathafen in Wiesbaden gehört, dann gab der New Spirit Gospel Choir aus Wiesbaden in unserer Gemeinde ein Konzert. Am Abend bevor ich meinen neuen Job antrat haben Flo und ich Philipp Poisel in Mainz im Volkspark gehört und vor ein paar Wochen schließlich Joy Denalane im Konzerthaus in Karlsruhe. Dazu kommt fast jeden Sonntag die Livemusik in unseren Gottesdiensten, die ich eigentlich immer sehr genieße. Eine schöne Bilanz für ein gut gefülltes Jahr.

Leiten & Führen: Eine meiner Rollen, die ich manchmal geliebt und auch schon lange Phasen über gehasst habe ist die einer Leiterin und Führungskraft. Trotzdem gehört sie seit vielen Jahren zu mir. In diesem Jahr konnte und musste ich auch in diesem Bereich meines Lebens wachsen – als Gemeinderätin in der Gemeinde und als Führungskraft in meinem Job. So anstrengend und herausfordernd manches war, es hat auch mächtig Spaß gemacht, weil ich gespürt habe: Du bist genau am richtigen Platz.

In Kürze geht es weiter mit Teil 2. Bis dahin. Guten Start weiterhin in dieses Jahr!

 

Rezension – Sarah Bessey: Out of sorts

Es ist ungefähr 12 Jahre her, als ich Teil einer unglaublich großen Gemeinde war und unheimlich frustriert jeden einzelnen Gottesdienst verlassen habe. Das lag zu einem wahrscheinlich eher geringen Teil an den Menschen, welche die Gottesdienste geprägt haben. Zu einem viel größeren Teil lag es aber an jeder Menge Fragen und Vorwürfen und inneren Auseinandersetzungen mit dem „Glaubenssystem“ an sich. Ich war in einer Gemeinde aufgewachsen, ich kannte alle richtigen Antworten. Vor wenigen Tagen saß ich noch lange mit einer Freundin im Auto und wir haben uns ausgetauscht, wie klar und einfach der Glaube an Gott mit 17 war. Es war uns fast schon peinlich, wie sicher wir uns damals waren.

Wir sind in einem bestimmten Glaubenssystem aufgewachsen, das wir zunächst übernommen und für richtig befunden haben. Dann lernen wir dazu, machen unsere eigenen Erfahrungen, sehen wie Menschen in der Gemeinde und von Leitern tief verletzt und enttäuscht werden. Und wir fangen an, Fragen zu stellen. Ich glaube, dass diese Auseinandersetzung notwendig ist. Damit wir zu unseren eigenen Überzeugungen finden. Damit wir verstehen: Was von meinen Erfahrungen sind Enttäuschungen von Menschen, was sind Enttäuschungen von Gott. Wenn der Prozess gut durchlebt wird und die notwendigen Fragen gestellt und ausgehalten werden, bietet diese Reise eine wunderbare Chance: Auf ein tieferes Verständnis über Gott und seine Gemeinde und eine größere Liebe zu ihm und den Menschen um uns herum.

Sarah Bessey, eine kanadische Autorin und Bloggerin, hatte mich schon mit „Jesus Feminist“ sehr begeistert. In Ihrem zweiten Buch hat sie sich genau mit dieser Reise auseinandergesetzt, die so viele junge Christen in unserer Zeit einschlagen (müssen). Bei ihr wird die Reise als ein Aussortieren beschrieben: Wir betrachten die einzelnen Überzeugungen, prüfen sie und entscheiden, was wir behalten wollen und was wir hinter uns lassen müssen, weil sie nicht mehr uns entsprechen. Sie beschreibt über große Teile einfach ihre eigene Reise, ihre eigenen Fragen, ihr eigenes Ringen. In einer viel größeren Tiefe und mit mehr theologischem Verständnis, als ich je erreichen werde.

Welche Fragen widmet sich das Buch?

  • Ist es möglich, Jesus innerhalb der Gemeinde aus dem Fokus zu verlieren?
  • Was ist Theologie und wer darf theologisieren?
  • Wie kann ich beten, wenn ich so verletzt bin, dass ich keine Worte finde?
  • Wie kann ich „Dein Reich komme“ in meinem Alltag leben?

Wie werden diese Fragen beantwortet?

Mich hat Besseys Tiefe und Mut beeindruckt, mit der sie sich den wirklich schwierigen Fragen stellt. Ich selbst konnte mich sehr gut in fast allen von ihr angesprochenen Themen wiederfinden. Sie fasst vieles in Worte, was bei mir auf der emotionalen Ebene in den letzten Jahren durchgerungen wurde und zu einem guten Abschluß gefunden hat. Das Buch hilft mir entsprechend, sprachfähig zu werden.

Bessey fällt es leicht, zwei Wahrheit nebeneinander zu stellen, die enthaltene Spannung zu beschreiben und dann auch im Alltag mit Leben zu füllen. Die Bibel zu lesen beispielsweise kann dann zu manchen Zeiten bedeuten, voller Glauben das Wort Gottes zu proklamiere. Zu anderen Zeiten tauchen wir tief in den historischen Kontext ein um den Hintergrund zu verstehen. Beten kann heißen, voller Inbrunst die neuesten Lobpreislieder zu singen, während einem fast die Ohren wegfliegen. Zu Hause zünden wir dagegen vielleicht schweigend eine Kerze für die Flüchtlinge an, weil ihr Schmerz uns so berührt, dass wir keine Worte finden. Oder wir wenden uns dem Stundengebet zu, weil wir zumindest ein ganz kleines bißchen Struktur in unserem völlig verrückten Alltag suchen.

Welche Fragen habe ich jetzt?

Bessey zeichnet sich vor Allem durch ihre unbändige Liebe zu Jesus aus. Und ist mir dadurch zu einem Vorbild geworden.

Wir können auf dieser Reise und dem Aussortieren des „Glaubenssystems“ über unendlich viel diskutieren: Wie war das nochmal mit der Schöpfung in sieben Tagen? Und war Jona tatsächlich in dem Bauch eines Wales? War es ein Apfel, mit dem Eva verführt wurde? Und was ist eigentlich mit der Frage der Homosexualität? Und die Bedeutung des Kreuzes? Und den armen eierlegenden Wollmilchsäuen, denen wir unfassbar viel Arbeit und Verantwortung auflegen und Pastoren nennen? Das sind alles mehr oder weniger wichtige Fragen.

Nach dem Lesen von „Out of Sorts“ scheinen mir diese folgende Fragen soviel wichtiger und bedeutender zu sein: Wer ist Jesus für mich? Was heißt es für mich, ihm nachfolgen zu wollen? Wie schnell vergebe ich? Wie oft gelingt es mir, den anderen höher zu achten als mich selbst? Viel interessanter, viel ehrlicher, viel wichtiger.

Meine drei Lieblingszitate

I felt ripped off. Because this Jesus, the one here in the pages of my bible, the one who spoke in the red letters, the one I was yearning to know in my heart of hearts and walk behind every day – this Jesus was so different from all those other Jesuses. He wasn´t in a tidy box. He wasn´t the property of any one religion or denomination or belief system, or of a governmental system or a financial system or a lifestyle. He was bigger, wilder, and more wonderful than all of that. And it made me feel angry to realize it.

I had to learn to read the whole bible through the lens of Jesus, and I had to learn to stop making it into something it wasn´t – a glorified answer book or rule book or magic spell. I had to stop trying to reduce the Bible to something I could tame or wield as a tool. I had to let the Bible be everything it was meant to be, cast away the idols of certainty, materialism, and control.

In a fractured and mobile and hypercustomized world, intentional community – plain old church – feels like a radical act of faith and sometimes like a spiritual discipline. We show up at a rented school and drink a cup of tea with the people of God. And we remember together who we are and why we live this life, and we figure out all over again how to be disciples on the Way.

 

Mir bleibt nur noch zu sagen: Wärmste Leseempfehlung!

Rezension – Donald Miller: Eine Million Meilen in tausend Jahren

img_8455Immer wieder versuche ich den Buchhandlungen hier in der Nähe eine Chance zu geben und manchmal, ganz manchmal mache ich unglaublich Funde. So auch bei diesem Buch. Von Donald Miller hatte ich bisher wegen seines Buches „Blue like Jazz“ gehört. Als ich vor ein paar Wochen dann mal wieder durch die ortsansässige christliche Buchhandlung schlenderte  hatte ich schon fast aufgegeben. Schon wieder draußen ließ ich den Blick nochmal über die stark reduzierten Artikel schweifen, als Millers Name mir ins Auge fiel. Bei dem stark reduzierten Preis war mein Gewissen zwar nur mässig über die letzten Amazon-Käufe erleichtert, die Freude über das Buch dann aber umso größer.

Der Untertitel des Buches lautet „Was ich beim Umschreiben meines Lebens gelernt habe“. Nach dem großen Erfolg von Millers Buch „Blue life Jazz“ sollte ein Film gedreht werden. Da die Inhalte des Buches nur als grobe Orientierung dienen konnten, brauchte es ein eigenes Drehbuch, das Miller mit zwei Kollegen über einen längeren Zeitraum hinweg schrieb. Auf diese Reise nimmt Miller seine Leser mit und lernt jede Menge über die Prinzipien einer guten Geschichte. Aus dieser Perspektive ist es ein leicht zu lesendes Sachbuch. Gleichzeitig hält Miller sein eigenes Leben den Prinzipien einer guten Geschichte entgegen und stellt fest: Mein Leben ist eigentlich ganz schön langweilig und von Angst geprägt. Eigentlich wünsche ich mir eine viel spannendere eigene Geschichte. Hier ist das Buch eine ansprechende Autobiografie, die das Leben mit unfassbar vielen Gestaltungsmöglichkeiten darstellt.

Welchen Fragen widmet sich das Buch?

  • Was sind die wichtigsten Prinzipien einer guten Geschichte?
  • Was ist notwendig, damit sich eine Figur verändert?
  • Was macht ein Leben bedeutungsvoll?

Wie werden sie beantwortet?

Miller erklärt Geschichten in erster Linie mit eigenen Geschichten. Großen und kleinen. Dabei geht er auf die Suche nach seinem Vater, lernt eine Frau kennen, fängt an Fahrrad zu fahren um sich zu nächst einfach mehr zu bewegen und irgendwann auf dem Fahrrad die USA zu durchqueren. Oft erzählt er auch von Menschen, deren Geschichten ihn bewegt und inspiriert haben. Nebenher lernt der Leser die Grundprinzipien einer guten Geschichte kennen (das Filme schauen wird danach nicht mehr dasselbe sein…) und was in diesem Fall noch viel wichtiger ist: Wie diese Prinzipien auf das eigene Leben angewendet werden können.

Auslöserereignisse sind z.B. notwendig, damit wir uns in Bewegung setzen. Außerdem gehören zu einer  guten Geschichte Konflikte, die die Hauptfigur durchleben muss und das Überwinden von Ängsten.  Mir ging es so, dass ich ständig beim Lesen über mein eigenes Leben reflektiert habe und mich häufiger richtiggehend ertappt gefühlt habe. Und mir wurde klar: Gute große und kleine Lebensgeschichten sind anstrengend, sie kosten unheimlich viel. Aber auf sie zurückzublicken ist das Schönste, was man erleben kann. Insofern hat dieses Buch in erster Linie unheimlich motiviert, mein Leben (und damit jeden einzelnen Tag) nicht nur einfach passieren zu lassen, sondern bewusst zu gestalten.

Welche Fragen habe ich jetzt?

  • Welche Entwicklung wünsche ich mir und welches Auslöserereignis ist dafür notwendig?
  • Gibt es eine unvergessliche Szene, die ich  als nächstes gestalten möchte?
  • Welche Werte stellt meine bisherige Geschichte in den Mittelpunkt?

Meine drei Lieblingszitate

  • „Wenn mich etwas tröstet, als ich mich an meiner ersten Geschichte zu schaffen machte, dann war es die Tatsache, dass in nahezu jeder Geschichte der Protagonist sich wandelt. Am Anfang ist er ein Idiot und am Ende nett, oder er ist am Anfang ein Feigling und am Ende tapfer. Wenn die Figur sich nicht verändert, dann ist die Geschichte noch nicht gelaufen. Und wenn Geschichten Abbilder des wirklichen Lebens sind, wenn Geschichten nur verdichtete Versionen des Lebens sind, dann ist vielleicht auch das Leben selbst darauf angelegt, uns zu verändern, so dass wir uns von einer Sorte Menschen zu einer anderen entwickeln.“
  • „Es stimmt, dass Ehrgeiz zwar Furcht hervorruft, zugleich aber auch die Geschichte erzeugt. Aber das ist ein gutes Geschäft, denn sobald man den Blick zum Horizont richtet, fühlt sich das Leben nicht mehr bedeutungslos an. Und plötzlich kommen Gefahren und Risiken in die Geschichte hinein und die bange Frage, ob man es schaffen wird.“
  • „Wir bringen unseren Kindern gute oder schlechte Geschichten bei, wofür es sich lohnt zu leben und wofür es sich lohnt zu sterben, wonach es sich zu streben lohnt und mit welcher Würde eine Figur ihre eigene Erzählung in Angriff nimmt.“

Grundsätzlich sei noch erwähnt, dass der Schreibstil sicherlich gewöhnungsbedürftig ist. Häufig hat man das Gefühl, direkt in Millers Kopf zu sitzen und die Gedanken ungefiltert serviert zu bekommen. Ungewöhnlich aber gut zu lesen.

Und falls es der Buchhändler um die Ecke nicht mehr bekommt – Amazon hat da noch was…

Eine ScheiterFeier – FuckUpNight in Frankfurt

Wir als kleine Familie waren die letzten drei Jahre Teil eines großen Traums. Darin ging es um ein Tech-StartUp, unfassbar viel Geld, unfassbare Anekdoten mit Investoren, mehrere namhafte Preise, die dicksten Teppiche in den Vorstandsetagen der deutschen Banken und zwischenzeitlich über 40 Mitarbeiter. Es ging um Geld- und Machtgeilheit und wie diese alle Potentiale einer zukunftsweisenden Technologie zerstören kann.

Am vergangenen Donnerstag wurde dieser Traum zu Grabe getragen. Als Trauergemeinde waren knapp 1200 Gäste gekommen, alle waren gut gelaunt, viele tranken Bier, Christian Lindner wurde beklatscht und es wurde viel gelacht, häufig wohl auch aus dem Wiedererkennen des eigenen Verhaltens heraus. Mein Mann sprach auf der FuckUpNight in Frankfurt über die Lektionen des Scheiterns dieses StartUps. Außer ihm und Herrn Lindner haben noch zwei weitere Gründer über Fehler, Hindernisse und sehr offen auch über Enttäuschung und Trauer gesprochen. Mich persönlich hat die Bandbreite der rübergebrachten Emotionen beeindruckt. Scheitern tut schauerlich weh und braucht Zeit, um verarbeitet zu werden. Aber gerade auch der Rahmen eines solchen Abends trägt dazu bei, dem Versagen in die Augen zu schauen, die schönen Zeiten zu erinnern, die Fehler zu benennen und Gelerntes mit anderen Gründern zu teilen, die überaus dankbar für die Offenheit sind.

Eine neue Kultur des Scheiterns soll explizit mit solchen Abenden auch gerade in Deutschland propagiert und geprägt werden. Oder wie Lindner es forderte: Ist ein Gründer erfolgreich verdient er Anerkennung, scheitert er verdient er Respekt.

Gleichzeitig wurde deutlich, wieviel Herzblut und Leidenschaft eine Gründung erfordert und dass immer auch eine gehörige Portion Abenteuergeist dazu gehört. Schön war das Zitat von Holger Heinzes Mutter, als er ihr gebeichtet hat, dass sein Modeversand gescheitert ist: „Das ist scheiße. Aber nicht so scheiße, wie wenn Du nie rausgefunden hättest, dass es nicht funktioniert.“

Dass Freunde und das richtige soziale Umfeld eine wichtige Rolle spielen kam in allen Vorträgen mehr oder weniger zum tragen. Ich habe danach gescherzt, dass es doch bestimmt auch mal interessant wäre, die Lebenspartner der gescheiterten Gründer zu Wort kommen zu lassen. Aber das kann ja noch kommen. Für dieses Mal habe ich mich neben den interessanten und humorvollen Beiträgen, die leider alle von Männern kamen, umso mehr über eine hochschwangere Moderatorin gefreut.

Well done an die Organisatoren und Ruhe in Frieden, lieber StartUp-Traum! Bis zum nächsten Mal. Nach dem Abend bin ich mehr denn je der Überzeugung: Ein Großteil der Gründer sind Serientäter. Es wird nur eine Frage der Zeit sein…

Wer über die Veranstaltung informiert bleiben will, kann sich hier eintragen. Auf der Seite sind auch ein paar tolle Fotos veröffentlicht.

Rezension – Kerstin Hack: Achtsamkeit

AchtsamkeitEs war vor einigen Jahren in einem Lernkurs an der Uni. Wir machten eine Achtsamkeitsübung und ich hörte zum ersten Mal: „Laß Deine Gedanken wie Wolken vorbeiziehen. Bewerte sie nicht.“ Wow, was für eine Erkenntnis. Ich muss nicht aus jedem Gedanken sofort einen Auftrag herauslesen und einen Aktionsplan zur Umsetzung entwickeln. Weil mir sehr klar war, dass das Praktikum im letzten Jahr sehr viel Kraft fordern würde, habe ich mir zu dem Zeitpunkt bewusst zwei Hörbücher über Achtsamkeit gegönnt. Es hat gut getan. Deshalb freue ich mich, dass der Down to Earth-Verlag in Berlin nun ein kleines Impulsheft zum Thema herausgebracht hat.

1) Welchen Fragen widmet sich das Buch?

In aller Kürze werden folgende Fragen beantwortet:

  • Wie hat sich Achtsamkeit rund um die Welt entwickelt? (Eine sehr schöne Zusammenfassung!)
  • Was bedeutet Achtsamkeit? Was nützt Achtsamkeit?
  • Wie kann ich achtsam leben?

2) Wie werden Sie beantwortet?

Schön ist, dass die Frage „Wie kann ich achtsam leben?“ ganz unterschiedlich beantwortet wird (anders als sonst häufig üblich, wo man schon nur zu einem Thema ein ganzes Buch lesen kann): Achtsames arbeiten, atmen, essen, ein achtsamer Umgang mit sich selbst und anderen. Insofern ist das Heftchen ein super Einstieg in das Thema.

3) Welche Fragen habe ich jetzt?

Die aktuelle Ausgabe der Enorm setzt sich mit Achtsamkeit in Unternehmen auseinander. Nach Google gibt es immer mehr Unternehmen, die Fortbildungen und Projekte zu dem Thema anbieten, weil sie sehen, wieviel besser es den Mitarbeitern damit geht. Und ja, natürlich soll auch die Arbeitskraft der Mitarbeiter erhalten werden. Aus dem Impulsheft habe ich nun gelernt, dass auch schon manche europäische Mönche des Mittelalters besonderen Wert darauf legten, alle Tätigkeiten mit Achtsamkeit und Aufmerksamkeit auszuführen. Das ist spannend, weil da bisher mein Fokus noch nicht drauf lag. Werde auf die Suche nach guter Literatur dazu gehen.

Das Heft kann man hier oder beim Buchhändler bestellen. Eine ausführliche Leseprobe ist auf der Seite ebenfalls zu finden.

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft vor dem Hintergrund meines Glaubens

Vor kurzem bin ich gefragt worden, ob ich zwei Fragen zu der Rolle der Frau in der Gesellschaft aus biblischer Sicht beantworten könnte. Ja, das konnte ich mir vorstellen. Bestimmt nicht, weil ich so eine tolle theologische Ausbildung und begründete Meinung habe oder meine, alles zu wissen. Ganz im Gegenteil. Das ganze ist Stückwerk und sehr soziologisch geprägt (mein Studium lässt grüßen). Und eine biblische Sicht umfassend darzustellen würde ich spätestens seit „A year of biblical womenhood“ nicht mehr für mich beanspruchen. Aber es gab mir die Gelegenheit, ein paar Gedanken, die mich schon eine Weile bewegen, festzuhalten. Den Begriff „herrschen“ benutze ich v.a. weil er in der Bibel an der entscheidenden Stelle steht. Er bedeutet für mich das gleiche wie dienen oder Verantwortung übernehmen. Hier nun die erste Frage und Antwort. Continue Reading →

„biblical womenhood“ und ein Tagesplan

Rachel Held Evans hat mit ihrem Selbstversuch und dem daraus entstandenen Buch „A year of Biblical Womenhood“ im letzten Jahr eine rege Diskussion angeschoben. Nachdem ich auf facebook erzählt hatte, dass ich das Buch lese, gab es immer mal wieder nachfragen, wie es denn nun war und was ich denke. Hier nun eine kleine Rezension:

Rachel Held Evans geht mit ihrem Projekt dem Slogan „biblical womanhood“ auf den Grund, der die Rollenvorstellungen und -vorgaben für amerikanische evangelikale Frauen beschreibt. Dabei arbeitet sie zum einen theoretisch: Die Bibel selbst hat sie intensiv studiert, dazu unzählige Kommentare gelesen, Frauen aus unterschiedlichsten religiösen Hintergründen befragt. Genauer hat sie sich natürlich auch mit den den Vertretern der „biblical womenhood“-Bewegung auseinandergesetzt. Das Projekt selbst hatte dann zwei praktische Richtungen:

1) Die biblischen Aufforderungen an Frauen möglichst wörtlich umzusetzen, um deutlich zu machen, dass wir alle immer nur Teile der Bibel aufgreifen und umsetzen und bei andere Teilen entscheiden, dass sie nicht (mehr) umsetzungswürdig sind. (zB das Bedecken des Hauptes zum Gebet)

2) Überlegen, welchen Sinn die biblischen Aufforderungen auch heute noch für uns Frauen machen können und hier nach einer praktischen Umsetzung suchen.

Kurze Erklärung vorab: Ich habe mich selbst selten in einer Situation gesehen, in der mich Männer bevormundet haben, ich Positionen aufgrund meines Geschlechts nicht erreichen konnte oder gar zum schweigen in der Gemeinde aufgefordert gewesen wäre. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Männer in meiner Welt haben mich vor allem unterstützt, gesegnet, herausgefordert. Insofern sind mir viele der aufgeführten Diskussionspunkte aus eigener Erfahrung fremd.

Natürlich ist aber die Rollendiskussion und die „biblischen“ Positionen, die manche Gemeinde (oder Einzelperson) auch hier in Deutschland einnimmt, ein durchaus relevantes Thema für mich. Trotzdem bin ich durchaus erstaunt über eine Debbie Pearl in Amerika, die noch 2004 ein Buch herausbringt mit der These: Die einzige Aufgabe der Frau ist es, ihren Mann zu unterstützen. Oder über John Piper, der versucht, eine Orientierung zu geben, was die Unterordnung der Frau unter den Mann heute bedeutet. Dabei lässt er die Stadtplanerin, die zwar den Verkehr plant (und so Männer indirekt führt), hier aber nicht direkte Führungskraft ist, gewähren.  Die weibliche Schiedsrichterin, die ein Fussballspiel von Männern pfeift verstößt aber ganz klar gegen das Wort Gottes. Die Thesen des „Council on Biblical Manhood & Womenhood“ wie Evans sie beschreibt lösten bei mir nur Kopfschütteln und große Fragezeichen aus. Gleichzeitig freue ich mich um so mehr über meinen Mann, die eigene Familie, die eigene Gemeinde.

Unterhaltsam sind die Beschreibungen der praktischen Umsetzungen des Projekts: Wie sie ein Probebaby versorgt (Thema „Fruchtbarkeit“) und sich durch ein Martha Stewart Rezeptebuch kocht (Thema „Häuslichkeit“ hat etwas von einer Comedyshow. Ihr wunderbarer selbstironischer Humor hat mich für manche Situation in meinem Alltag inspiriert (auch heute… aber dazu kommen wir gleich).

Die eigentlichen Highlights sind aber definitiv ihre eigenen tieferen Auseinandersetzungen mit der Bibel: Warum kann heute „schweigen“ für mich als Frau etwas gutes, hilfreiches sein (nicht nur in der Gemeinde)? Wie kann ich mich heute für die Armen und gegen Ungerechtigkeit einsetzen? Wie können wir mit den „dunklen Frauengeschichten“ in der Bibel umgehen; die Frauen, die umgebracht oder vergewaltigt wurden? Wie werden die Aussagen bezüglich Frauen eigentlich von Juden interpretiert und ausgelebt? Hier hat mich das Buch mit zahlreichen neuen Sichtweisen beschenkt, die mich auch jetzt noch begleiten (ich habe es vor ca. einem Jahr gelesen).

Und das allerbeste: Das Buch macht total Lust, die Bibel selbst zu lesen und zu forschen; selbst zu den Fragen zu reflektieren.

In diesem Monat ist ein StudyGuide zum Buch erschienen, den man kostenlos herunterladen kann.

Wer also den Nerv hat, die anstrengenden Meinungen der biblical womenhood-Bewegung mit ausreichend persönlichem Abstand durchzustehen, hat die Chance auf ein erstaunlich tiefgründiges und weiterführendes Buch zu der Frage, was die Bibel uns Frauen denn tatsächlich heute sagen kann.

Und um kurz den Hintergrund dieses Blogposts zu beschreiben:

Der ursprüngliche Plan für heute war: Fitnesstudio, mit Sohnemann Zimmer aufräumen, Sohnemann plus Freund plus Tochterfrau nachmittags betreuen.

Weil Sohnemann heute morgen plötzlich krank war, gab es einen neuen Tagesplan: Ehemann verschiebt Termin, damit ich einen Lack umtauschen kann, den ich am Montag mit halbkranker Tochterfrau falsch gekauft habe (richtige Farbe, aber glänzend statt matt). Mit Lack wird dann in Rufnähe zu krankem Sohnemann ein Regal gestrichen.

Als der Lack umgetauscht, der Mann glücklich auf der Arbeit, alles aufgebaut und vorbereitet ist, stelle ich fest, dass ich nun matten Lack, dafür aber die falsche Farbe habe.

Dritter Tagesplan: zähneknischen, Füße stampfen, schimpfen. Danach ein paar andere Ziele abarbeiten, zu denen auch dieser Post gehörte…

Mal ehrlich: Was bleibt mir anderes übrig, als mich selbst nicht zu ernst zu nehmen.

Liebe Sofina!

Vor gut sechs Wochen hatte ich die große Ehre, Dich zur Welt bringen zu dürfen. Dieses Erlebnis war beeindruckend und verwirrend und wunderschön und ja, es hat auch mächtig weh getan, aber hinterher war ich einfach nur stolz (und bin es immer noch). Jetzt bin ich also tatsächlich Mama einer kleinen Tochter und gebe zu: Mich beschäftigt das sehr! Ganz anders als bei Deinem Bruder. Da bin ich einfach nur Mama. Bei Dir mache ich mir viel mehr Gedanken, weil ich weiß: ich bin Dein erstes Vorbild. Bei mir siehst Du das erste Mal, was es heißt, Frau, Ehefrau, Freundin und Mutter zu sein. Ich wünsche mir so sehr ein gutes Beispiel zu sein, bin aber selbst noch auf der Suche nach den Dingen, die ich Dir mitgeben will. Immer wieder lese ich, dass wir Frauen „mixed messages“ erhalten, also Erwartungen an uns unklar und widersprüchlich sind. Ich hoffe, mir gelingt es, Dir ein „eindeutiges“ Vorbild zu sein und Dir gleichzeitig den größtmöglichen Freiraum zur Entwicklung zu lassen.

Mir sind z.B. diese Dinge gerade wichtig:

NICHT: „Du kannst alles erreichen!“ SONDERN: „Komm, wir entdecken Deine Begabungen und überlegen gemeinsam, wie und wo Du sie einsetzen möchtest.“

NICHT: „Aussehen ist das Wichtigste!“ SONDERN: „Mit einem gepflegten Äußeren kannst Du Respekt Dir selbst und anderen gegenüber ausdrücken!“

Ich kann nur hoffen, dass Du am Ende sagen wirst, dass mir die Nachrichtenübermittlung gelungen ist.

Aber weißt Du was? Es gibt neben diesen herausfordernden Gedanken auch zahlreiche Dinge, auf die ich mich jetzt schon einfach nur freue:

  • Haare flechten und Nägel lackieren
  • schöne Kleider und Röcke und Haarspangen aussuchen
  • Dir scrappen und stricken beibringen
  • zusammen Schnulzfilme schauen
  • Dein Zimmer gemeinsam einrichten
  • mich über Deine Klamotten mit 13 Jahren aufregen
  • gemeinsame Abenteuer erleben und sportliche Herausforderungen meistern (auf meiner Wunschliste steht noch eine Alpenüberquerung. Was denkst Du: Sollen wir das gemeinsam angehen, wenn Du 15 bist?)
  • Zu Deinem 20. Geburtstag würde mir auch ein Wellnesswochenende gefallen.
  • Zusammen mit den Männern die höchsten Felsen beklettern.
  • miterleben, wie Du Freundschaften schließt.

Sofina, ich bin so gespannt auf Dich und Deine Entwicklung! Und im Moment? Freue ich mich an Deiner guten Laune und dem vielen lächeln! Du bist ein großes Geschenk für mich!

Meconomy und die Frauen: Wo will ich leben? oder ein Traum von den Philippinen

Die These dieses Meconomy-Kapitels lässt sich einfach zusammenfassen: Die neue Technologie ermöglicht es den modernen Wissensarbeitern von jedem Ort der Welt aus zu arbeiten, so lange dort schnelle und günstige Internetzugänge vorhanden sind.

Es lädt zum träumen ein, dieses Kapitel. Jeder, der noch kein Fernweh hatte, wird es spätestens nach dieser Lektüre sehr drängend verspühren. Für mich als Mutter in einer glücklichen Beziehung spielen natürlich ein paar mehr Faktoren in eine solche Frage mit hinein als lediglich die Geschwindigkeit des Internetanschlusses.

Lange Zeit war auch ich davon ausgegangen, dass man mit kleinen Kindern höchstens innerhalb von Europa reisen kann. Seitdem es Nido gibt und ich einige Ausgaben mitsamt der regelmäßigen Fernreiseberichte von Familien mit mind. zwei (Klein-)kindern genossen habe, scheint auch das kein Problem mehr zu sein. Das Elterngeld trägt ebenfalls einen Teil dazu bei, dass anscheinend immer mehr der besserverdienenden Elternpaare sich auf Weltreise begeben. Ich persönlich werde dann immer etwas wehmütig und habe die Großelternpaare meines Kurzen vor Augen, die jedem Treffen mit dem Kleinen entgegen fiebern und gar nicht genug von ihm bekommen können. Gerade im Kleinkindalter ist die Entwicklung ja so rasant, dass man schon manchmal nach zwei Wochen das Kind kaum wiedererkennt. Und dann denke ich: Vielleicht gibt ja die technische Entwicklung nicht nur die Möglichkeit der großen weiten Welt frei, sondern auch den Rückzug in die viel kleinere familiäre Welt, die aufgrund der bisherigen unmobilen Arbeitsplätze oft gegen den Willen der Beteiligten verlassen werden musste. Vielleicht haben junge Familien die Möglichkeit, mit den Kleinkindern zurück in die Nähe der Großeltern aufs Land zu ziehen um sie dort in guten Händen zu wissen, während man ein paar Stunden konzentriert arbeitet, anstatt die Kurzen in der Stadt bei der Tagesmutter um die Ecke abgeben zu müssen und den Großeltern höchstens übers Telefon von den neusten unglaublichen Entwicklungsschritten berichten zu können.

Gleichzeitig denke ich begeistert an die sechs Monate zurück als mein Schwager mit seiner Frau nach NewYork gegangen ist und unser acht Monate alter Knirps skype entdeckte. Die Kombination von Bild und Ton hat erstaunlich gut für ihn funktioniert (auch wenn er immer wieder hinter dem Labtop nach den beiden gesucht hat…). Auf der anderen Seite geht eine solche Rechnung auch nur soweit auf, wie das restliche Umfeld online ist. Als wir nach einer Woche Allgäu (in der wir nur Internet und keinen Handyempfang hatten) den verzweifelten Hilferuf einer Freundin auf dem Anrufbeantworter gehört haben, die es in dem Trubel einfach nicht an den Computer geschafft hat, kamen mir doch Zweifel, inwiefern ich mich auf die schöne neue Technik verlassen kann, wenn nicht alle anderen so selbstverständlich und v.a. kontinuierlich online sind wie ich.

Ich habe eine Freundin auf den Philippinen, zu der die Beziehung seit Jahren hauptsächlich auf Email basiert und bei der ich über die Ankunft des neuen Babys innerhalb von Minuten bescheid wusste. Dieses Kapitel von Meconomy macht mir Hoffnung, dass mein Traum verwirklicht werden kann: Vielleicht ist es ja wirklich möglich, mit meinem Mann und unserem Kurzen für ein paar Wochen in ihre Welt einzutauchen; ihm (dem kleinen Mann) zu zeigen und selbst mal wieder aus erster Hand zu erleben: Nicht jedem geht es so gut wie uns; mithelfen, die Straßenkinder mit Essen zu versorgen; möglicherweise eine Kooperation mit der Papierfabrik vor Ort auszuhandeln, um ihre wunderschönen Produkte hier zu vertreiben; und dann noch ein, zwei Wochen Urlaub an einem der weißen Sandstrände anzuhängen… Und ganz nebenbei für meine Klienten hier in Deutschland nicht unerreichbar zu sein. Ich denke da an eine Agentur, für die ich schon einige Mal einen Fragebogen für ihre Marktforschungsprojekte entwickelt und in der Auswertung beraten habe. Auch wenn sie nur ca. 50km von Wiesbaden ihren Sitz haben: Der Kontakt und die Aufträge kamen bisher nur per Telefon und Email zustande. Und da ist es dann tatsächlich egal, ob ich in Wiesbaden oder auf den Philippinen arbeite.