Learning the Unforced Rhythms of Grace

Die erste Hälfte des Jahres geht langsam zu Ende. It has been wild.

Die ersten vier Monate habe ich ein Vollzeitpraktikum gemacht. 40 Stunden die Woche gearbeitet, 2 Tage davon in Nürnberg. Danach habe ich versucht, innerhalb von sechs Wochen meine Magisterarbeit zu Ende zu bringen. Das hat nicht ganz gepasst und wird noch einen Moment brauchen. Ich versuche, Luft zu holen und Kraft zu sammeln für die nächste Runde.

Ein Gebet, dass mich die letzten Wochen immer wieder beschäftigt hat: Deine Gnade genügt für diesen Tag. Gestern bin ich extra auf einen Berg gestiegen (wie schön, wenn der direkt vor der Tür liegt…), um ein bißchen davon zu schnuppern und zu fühlen.

Und jetzt habe ich das hier gefunden. Einfach wunderschön und so wahr.

Es ist 1:48 Uhr

Mein Leben fühlt sich gerade picke-packe-vollgepackt an. Ich liebe es. Meistens. Manchmal auch gar nicht (wie am letzten Wochenende. Sprecht meinen Mann lieber nicht drauf an..)

Zu meiner eigenen Belustigung hier eine Liste der Aktivitäten des gestrigen Tages:

  • Aufgestanden!
  • Die Süße in eine Decke gepackt und auf ihren Hocker im Bad mit ein paar Pixibüchern gesetzt, um dann selbst zu duschen (sie ist natürlich zwischendrin aufgestanden und hat die Tür offen stehen lassen)
  • Einen weiteren morgendlichen Zwischenfall zu den Themen Kakao, Milch, Milchschaum, Paul und Löffel durchgestanden (dieses eine Mal bin ich gelassen geblieben, obwohl ich noch keinen Kaffee hatte)
  • Die plötzliche Halsschmerzattacke des Großen moderiert und für schulfähig befunden (verdächtig war: er hat viel länger geschlafen als sonst)
  • Tatsächlich geschafft, mir einen Salat zum Mittagessen vorzubereiten
  • Eine riesen Tasche für den Tag gepackt: Bücher für die Bücherei, Wickelzeug, Laptop und Trinkflasche für mich, Zeitungsständer für meine ganzen Texte, Karte für die Packstation, Proviant für die Kinder und die dringend benötigte umzugsfähige (oder umziehungsfähigen) Puppe (das andere Mädchen hatte eine solche Puppe und der Stoffhund der Tagesmutter hat gestern seinen Job nicht gut gemacht, weil Fell enttäuschenderweise fest vernäht)
  • Auf dem Weg zur Tagesmutter bei der Packstation vorbeigefahren. Die neue Bluetooth-Maus ersetzt die alte Kabelmaus, bei der inzwischen die Drähte zu sehen waren.
  • Ein weiterer Anlauf, mein SPSS Problem in den Griff zu bekommen: der Uni eine Mail geschrieben mit sofortiger Antwort, dass ich mich natürlich über eine Remoteverbindung einloggen könnte. Programm runtergeladen. Verbindung konnte trotzdem nicht hergestellt werden. Liegt es am MacBook? An der Verbindung? Ich zehn Tagen muss die Auswertung stehen…
  • Zwischendrin Zeit vergeudet mit dem Versuch, ein paar notwendige Dinge bei Amazon zu bestellen (um mir die vielen Wege in der Stadt zu sparen). Am Ende 5 Bestellungen von 5 Lieferanten im Warekorb, ich hätte also 5x Lieferung bezahlen müssen. Das macht dann ja auch keinen Sinn! (In der Auswahl war eine heiß ersehnte „Ich versteck mich jetzt Mütze“, die ich mir so sehnlich wünsche in dieser wilden Zeit.)
  • Dann schnell die Kinder holen, damit wir noch in die Bibliotek können. Statt eines Kinderwagens habe ich heute morgen das Laufrad für die Süße mitgenommen. Ich war sehr nervös, wieviele Leute morgen schimpfend der Kollegin den blauen Fleck von einem unfähigen Mädchen auf zwei Rädern zeigen würden, aber das ging erstaunlich gut. Es gab nur ein paar eingeschüchterte Ausweichler.
  • In der Bücherei ist dem Sohn auf einmal übel. Wir schaffen es noch, ein kleines Abendessen einzukaufen und beim aussteigen vor unserem Haus kommt es dann hoch, das Mittagessen.
  • Wir versammeln uns auf der Couch mit Wärmflasche, Decke, Checker Can, Reiswaffeln
  • Drei Telefonate, um den Tag morgen zu organisieren, eine Email um den Coachingtermin für den Abend abzusagen.
  • Am Ende lachen wir alle herzlich über diese Videos. (v.a. der Clip ab Min 4:45)
  • Ich stelle fest, dass meine Kinder ein Buch in der Bibliothek einfach in die riesen Tasche geschmissen haben, ohne dass wir es ausgeliehen haben.
  • Der Große will unbedingt neben mir einschlafen, nachdem er sich direkt vor dem Schlafen zum zweiten Mal übergeben hat. Ganz groß und erfahren alleine in die Mitte der Toilette bei geöffnetem Deckel. Ich bin stolz auf ihn.
  • Ich schlafe sofort auch ein und wache auf, als der Lieblingsmann um Mitternacht vom Businesstrip nach Hause kommt. Dann bin ich wach und suche auf Audible nach neuen Hörbüchern.
  • Am Ende ist meine Auswahl: Walter Isaacson: Steve Jobs. Die autorisierte Biographie/Roger Willemsen: Die Enden der Welt/ Cordula Startmann: Danke für meine Aufmerksamkeit

Mit Stratmann fange ich jetzt an. Gute Nacht!

 

Alte Fragen in neuer Welt: Social Media Monitoring

Eigentlich beschäftige ich mich ja gerade v.a. mit der Frage, ob denn nun weibliche Führungskräfte keine Kinder wollen oder keine Kinder bekommen, weil es nicht genug Betreuungsplätze gibt. Die letzten zwei Tage waren die große Ausnahmen.

Ich hatte die wunderbare Möglichkeit, an einem Grundlagenseminar „Social Media Monitoring“ und der Konferenz „Social Media Monitoring Forum“ teilzunehmen. In Kürze noch ein wenig mehr zu dem Warum.

Da ich ein absoluter Neuling im Bereich Social Media Monitoring bin, war die Spannung natürlich groß, wie sich dieses Thema präsentieren würde und was die aktuellen Herausforderungen sind. Ein paar Beobachtungen der letzten zwei Tage: Continue Reading →

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft vor dem Hintergrund meines Glaubens

Vor kurzem bin ich gefragt worden, ob ich zwei Fragen zu der Rolle der Frau in der Gesellschaft aus biblischer Sicht beantworten könnte. Ja, das konnte ich mir vorstellen. Bestimmt nicht, weil ich so eine tolle theologische Ausbildung und begründete Meinung habe oder meine, alles zu wissen. Ganz im Gegenteil. Das ganze ist Stückwerk und sehr soziologisch geprägt (mein Studium lässt grüßen). Und eine biblische Sicht umfassend darzustellen würde ich spätestens seit „A year of biblical womenhood“ nicht mehr für mich beanspruchen. Aber es gab mir die Gelegenheit, ein paar Gedanken, die mich schon eine Weile bewegen, festzuhalten. Den Begriff „herrschen“ benutze ich v.a. weil er in der Bibel an der entscheidenden Stelle steht. Er bedeutet für mich das gleiche wie dienen oder Verantwortung übernehmen. Hier nun die erste Frage und Antwort. Continue Reading →

Eine kleine Reise

„Wir möchten Sie gerne zum Vorstellungsgespräch einladen“ und „Dann machen Sie mit der Magisterarbeit mal so weiter“. Das waren zwei sehr schöne Sätze, die ich in dieser Woche gehört habe. Sie haben mich gefreut. Sehr sogar. Gleichzeitig gibt es in meinem Leben gerade viele Dinge, die ich traurig und frustrierend finde. Wie z.B. gerade der Versuch, ins Fitnessstudio zu gehen. Der ist am fehlenden Parkplatz und zu wenig Zeit gescheitert. Das ist natürlich eigentlich eine Kleinigkeit, bringt gerade aber trotzdem das Fass zum überlaufen.

Was hilft? Im Moment Stacy Kents wunderbare melodische, unaufgeregte Stimme. Sie holt mich ab und nimmt mich mit auf eine Reise um die Welt. Ich muss einfach nur die Augen zu machen. Ich bin dann mal weg.

http://www.youtube.com/watch?v=jITguAOkRsQ&list=PL199E307123760726

Fokus halten – ein Update gegen die Einsamkeit

Ja, der Fokus ist noch da. Manchmal gibt es Unterbrechungen, weil der Sohn Geburtstag hat und das sage und schreibe 5x gefeiert werden muss. Das habe ich geschafft. Ebenso die super intensive Arbeitsphase meines Mannes in der ich das Familienleben quasi alleine gewuppt habe. Auch das habe ich geschafft.

Über folgende Entwicklungen habe ich mich trotzdem sehr gefreut:

  • In einem motivierenden Gespräch mit meiner Professorin haben wir kurzerhand die geplante Erhebungsmethode über den Haufen geworden. Das spart mir super viel Zeit und Geld.
  • Für die neue Erhebungsmethode muss ich mich in SPSS (ein Statisktikprogramm) einarbeiten. Das stand sowieso schon länger auf der Liste.
  • Eine sehr liebe und in diesem Fall v.a. fähige Freundin hat sich angeboten, die Arbeit mit mir durchzusprechen und aktuelle Fragen zu reflektieren. Das ist ein Traum.
  • Durch die Kommentare zu einem facebook-Post von mir habe ich erst gelernt, wieviele meiner „Friends“ Ahnung von SPSS haben. Mit einer Freundin aus alten Zeiten könnte hier eine schöne Zusammenarbeit für die heiße Rechenphase entstehen. Auch das ist ein riesen Geschenk.
  • Und weil ich so super motiviert bin, habe ich heute Abend mal meinen Lebenslauf überarbeitet und mich gefreut, was ich die letzten Jahre so alles gemacht habe. Das vergesse ich manchmal vor lauter Zukunftsplänen.
  • Außerdem habe ich die Kurse im Fitnessstudio für mich entdeckt. Vor kurzem habe ich das erste mal Zumba und Yoga gemacht. Das macht natürlich auch mehr Spaß als alleine auf dem Crosstrainer und an den Geräten zu trainieren. Und jetzt kann ich auch mit meinem Sohn OHM singen und SHANTI, SHANTI, SHANTI (er ist ein kleiner Yogafan…)
  • Letzte Woche hatte ich zwei wunderbare Gespräche mit älteren Freundinnen, die in einer völlig anderen Lebensphase sind als ich. Das ist immer so genial zu sehen, wo sich das ganze hinentwickeln kann, eine größere Perspektive auf das eigene Leben zu bekommen.

Vor einiger Zeit habe ich erst entdeckt, wie sehr es mich anstrengt, mich immer und in allem selbst organisieren und strukturieren sowie motivieren zu müssen. Ich arbeite so gerne im Team, aber das ist im Moment in den meisten Bereichen nicht möglich. Deshalb freue ich mich auf den Berufseinstieg. Aber ich freue mich auch jetzt über jedes gemeinsame Erlebnis und jede Zusammenarbeit, weil sie mich entlasten und ausgleichen. Es ist schön zu sehen, das auch für diesen Bereich gilt: Wer sucht, der findet.

Und – mit wem möchtest Du zusammenarbeiten, Dich treffen, das Leben teilen?

 

Ein sortierter Kopf – für einen kurzen Moment

Ein herzliches Dankeschön an alle, die zu meinem letzten Post schöne Rückmeldungen gegeben haben. Das hat sehr gut getan.

Die letzten drei Tage haben schon den absoluten Schalfmangel, zwei Abendtermine (also kaum Hausarbeit) und emotionale Herausforderungen mit sich gebracht. Und es hat sich gezeigt: Die selbst auferlegte Struktur gibt mir Halt; die genau definierten Zeiten des konzentrierten Arbeitens lohnen sich und werden mit jedem Tag effektiver; mein Kopf fühlt sich trotz der Müdigkeit sortiert und fokussiert an. Jetzt freue ich mich auf ein Wochenende ohne Termine.

Um euch einen kleinen Eindruck zu geben, womit ich meinen wunderbar geordneten Kopf beschäftige (und um eine ganz logische Begründung zu geben, warum es zwischen meinen beiden Kindern einen relativ großen Abstand gab), hier mein Tageshighlight an realitätsfernem Wissenschaftsgeschwafel: „So kann ein gewisser Abstand (der Zweitgeburt) zur Erstgeburt erforderlich sein, um das während der ersten Babypause teilweise entwertetes Humankapital zu restaurieren.“

Auf dem Crosstrainer im Fitnessstudio höre ich gerade das Audiobook „Half the Sky“, das sich mit dem weltweiten Frauenhandel und dessen möglicher Bekämpfung beschäftigt. Mit diesem grausamen Thema im Hinterkopf wird dann ein solcher Satz noch skuriler und unpassender. Und schon ist alle Ordnung im Kopf wieder durcheinander geschüttelt…

Fokus finden

Bis hierher war ich sehr geduldig wie ich finde. Ich möchte gar nicht laut sagen, wie lange ich schon studiere. Unterbrechungen gab es immer wieder, weil ich gearbeitet (ganz wunderbare Aufgaben als Trainerin, Coach, Projektmanagerin waren dabei…), gekotzt (wegen Schwangerschaft), gebärt, gestillt oder geurlaubt habe. Zwischendrin ging es dann mal weiter, aber immer nur in Minischritten. Dabei bin ich über jede Unterbrechung froh und glaube, dass es jeweils die richtige Entscheidung gewesen ist oder sie die Verzögerung zumindest wert war.

Seit heute nun kann ich mich offiziell Mutter eines Schulkindes nennen. Das fühlt sich schon sehr skurill an. Nachdem ich nun seit acht Wochen nicht mehr an meiner Magisterarbeit gesessen habe, merke ich aber auch, dass sich mein Geduldsfaden mit dem Studium nun tatsächlich dem Ende entgegen neigt. Um nun den Abschluss des Studiums umzusetzen und den Kopf entsprechend frei zu bekommen, werde ich einige Dinge ändern müssen. Und weil es so schön unter Druck setzt, werde ich das jetzt öffentlich machen (natürlich hoffe ich auch, dass es ein paar Leute gibt, die Lust haben, mitanzufeuern, wenn es mal kritisch wird…).

Hier also die Liste zum Fokus finden:

  1. Eine monatliche Zieleliste mit meinen Lebensbereichen ziert mein Fenster. Damit ich nicht alles andere in dieser Phase aus den Augen verliere. Meine Lebensbereiche sind im Moment: Familie; Hobby/Sport; Uni/Abschluß; Freunde; Berufseinstieg; LoI; Blog; Gemeinde. Viele der Ziele sind klein, aber so, dass es in dem Bereich weitergeht und ich klare To Dos habe.
  2. facebook/Twitter ist gestrichen. Zumindest das Lesen. Ich bin leider viel zu empathisch und nehme das alles in mich auf und trage es mit mir rum. Ausnahme ist im Moment eine wunderbare Frau, die in der Mitte Kairos mit ihrem Mann wohnt. Das ist einfach zu spannend und wichtig. Die Abstinenz wird v.a. am Anfang nötig sein, um den richtigen Drive zu bekommen.
  3. Wenn die Kinder in Betreuung sind, darf nur Magisterarbeit geschrieben werden. Kein Haushalt, keine Einkäufe, keine Besuche. Ausnahme: Sport zur frühen Stunde. Und Verabredungen für eine halbe Stunde. Und Coaching/Seminar Termine, die schon lange stehen.
  4. Wenn ich die Kinder geholt habe, stehen sie im Mittelpunkt. Der Computer bleibt aus (außer für Musik); der Haushalt liegen (bis auf Wäsche und kochen; also Sachen, die ich mit den Kindern zusammen machen kann).
  5. Das bedeutet: Der Großteil der Hausarbeit und alles andere muss abends erledigt werden. Das wird viel Kraft und Kaffee erfordern. Diese Aufteilung kommt aber meinem Biorhythmus (morgens fit) ganz wunderbar entgegen.

Soviel zur Theorie. Ich hoffe auf schlafende, gesunde Kinder. Einen Mann, der mich unterstützt habe ich in jedem Fall. Diverse Dinge werden länger dauern oder nicht möglich sein. Den Umgang damit werde ich hoffentlich lernen. Und los geht´s.

Übrigens: Die Liste mit den Monatszielen hat mir letzte Woche den furchtbaren Tag mit dem Lack gerettet. Hat sich also schon ausgezahlt, der Aufwand. Das Regal ist inzwischen fertig und wirklich schön geworden. Insgesamt werde ich wegen des guten Stückes fünfmal im Baumarkt gewesen sein. Als ich nämlich die richtige Farbe hatte, hat die eine Dose nicht gereicht. Eine große Dose hatten sie dann nicht mehr, also habe ich zwei kleine genommen. Davon ist eine nun übrig und muss noch zurück gebracht werden.

„biblical womenhood“ und ein Tagesplan

Rachel Held Evans hat mit ihrem Selbstversuch und dem daraus entstandenen Buch „A year of Biblical Womenhood“ im letzten Jahr eine rege Diskussion angeschoben. Nachdem ich auf facebook erzählt hatte, dass ich das Buch lese, gab es immer mal wieder nachfragen, wie es denn nun war und was ich denke. Hier nun eine kleine Rezension:

Rachel Held Evans geht mit ihrem Projekt dem Slogan „biblical womanhood“ auf den Grund, der die Rollenvorstellungen und -vorgaben für amerikanische evangelikale Frauen beschreibt. Dabei arbeitet sie zum einen theoretisch: Die Bibel selbst hat sie intensiv studiert, dazu unzählige Kommentare gelesen, Frauen aus unterschiedlichsten religiösen Hintergründen befragt. Genauer hat sie sich natürlich auch mit den den Vertretern der „biblical womenhood“-Bewegung auseinandergesetzt. Das Projekt selbst hatte dann zwei praktische Richtungen:

1) Die biblischen Aufforderungen an Frauen möglichst wörtlich umzusetzen, um deutlich zu machen, dass wir alle immer nur Teile der Bibel aufgreifen und umsetzen und bei andere Teilen entscheiden, dass sie nicht (mehr) umsetzungswürdig sind. (zB das Bedecken des Hauptes zum Gebet)

2) Überlegen, welchen Sinn die biblischen Aufforderungen auch heute noch für uns Frauen machen können und hier nach einer praktischen Umsetzung suchen.

Kurze Erklärung vorab: Ich habe mich selbst selten in einer Situation gesehen, in der mich Männer bevormundet haben, ich Positionen aufgrund meines Geschlechts nicht erreichen konnte oder gar zum schweigen in der Gemeinde aufgefordert gewesen wäre. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Männer in meiner Welt haben mich vor allem unterstützt, gesegnet, herausgefordert. Insofern sind mir viele der aufgeführten Diskussionspunkte aus eigener Erfahrung fremd.

Natürlich ist aber die Rollendiskussion und die „biblischen“ Positionen, die manche Gemeinde (oder Einzelperson) auch hier in Deutschland einnimmt, ein durchaus relevantes Thema für mich. Trotzdem bin ich durchaus erstaunt über eine Debbie Pearl in Amerika, die noch 2004 ein Buch herausbringt mit der These: Die einzige Aufgabe der Frau ist es, ihren Mann zu unterstützen. Oder über John Piper, der versucht, eine Orientierung zu geben, was die Unterordnung der Frau unter den Mann heute bedeutet. Dabei lässt er die Stadtplanerin, die zwar den Verkehr plant (und so Männer indirekt führt), hier aber nicht direkte Führungskraft ist, gewähren.  Die weibliche Schiedsrichterin, die ein Fussballspiel von Männern pfeift verstößt aber ganz klar gegen das Wort Gottes. Die Thesen des „Council on Biblical Manhood & Womenhood“ wie Evans sie beschreibt lösten bei mir nur Kopfschütteln und große Fragezeichen aus. Gleichzeitig freue ich mich um so mehr über meinen Mann, die eigene Familie, die eigene Gemeinde.

Unterhaltsam sind die Beschreibungen der praktischen Umsetzungen des Projekts: Wie sie ein Probebaby versorgt (Thema „Fruchtbarkeit“) und sich durch ein Martha Stewart Rezeptebuch kocht (Thema „Häuslichkeit“ hat etwas von einer Comedyshow. Ihr wunderbarer selbstironischer Humor hat mich für manche Situation in meinem Alltag inspiriert (auch heute… aber dazu kommen wir gleich).

Die eigentlichen Highlights sind aber definitiv ihre eigenen tieferen Auseinandersetzungen mit der Bibel: Warum kann heute „schweigen“ für mich als Frau etwas gutes, hilfreiches sein (nicht nur in der Gemeinde)? Wie kann ich mich heute für die Armen und gegen Ungerechtigkeit einsetzen? Wie können wir mit den „dunklen Frauengeschichten“ in der Bibel umgehen; die Frauen, die umgebracht oder vergewaltigt wurden? Wie werden die Aussagen bezüglich Frauen eigentlich von Juden interpretiert und ausgelebt? Hier hat mich das Buch mit zahlreichen neuen Sichtweisen beschenkt, die mich auch jetzt noch begleiten (ich habe es vor ca. einem Jahr gelesen).

Und das allerbeste: Das Buch macht total Lust, die Bibel selbst zu lesen und zu forschen; selbst zu den Fragen zu reflektieren.

In diesem Monat ist ein StudyGuide zum Buch erschienen, den man kostenlos herunterladen kann.

Wer also den Nerv hat, die anstrengenden Meinungen der biblical womenhood-Bewegung mit ausreichend persönlichem Abstand durchzustehen, hat die Chance auf ein erstaunlich tiefgründiges und weiterführendes Buch zu der Frage, was die Bibel uns Frauen denn tatsächlich heute sagen kann.

Und um kurz den Hintergrund dieses Blogposts zu beschreiben:

Der ursprüngliche Plan für heute war: Fitnesstudio, mit Sohnemann Zimmer aufräumen, Sohnemann plus Freund plus Tochterfrau nachmittags betreuen.

Weil Sohnemann heute morgen plötzlich krank war, gab es einen neuen Tagesplan: Ehemann verschiebt Termin, damit ich einen Lack umtauschen kann, den ich am Montag mit halbkranker Tochterfrau falsch gekauft habe (richtige Farbe, aber glänzend statt matt). Mit Lack wird dann in Rufnähe zu krankem Sohnemann ein Regal gestrichen.

Als der Lack umgetauscht, der Mann glücklich auf der Arbeit, alles aufgebaut und vorbereitet ist, stelle ich fest, dass ich nun matten Lack, dafür aber die falsche Farbe habe.

Dritter Tagesplan: zähneknischen, Füße stampfen, schimpfen. Danach ein paar andere Ziele abarbeiten, zu denen auch dieser Post gehörte…

Mal ehrlich: Was bleibt mir anderes übrig, als mich selbst nicht zu ernst zu nehmen.

In aller Kürze: Gender-Mainstreaming

Heute Morgen habe ich diesen Zeit-Artikel zu Gender-Mainstreaming gelesen, der in einfacher und verständlicher Sprache die verdrehten Auswüchse einer Forschungsrichtung beschreibt. Ähnliche Fragen haben nach der Ausstrahlung dieser Dokumentation in Norwegen zu einer breiten Diskussion und im Anschluß daran zur Streichung der Forschungsgelder geführt. In den großen Medien in Deutschland wurde damals über die Vorgänge in Norwegen nicht berichtet, wie sie auch keine Erwähnung in dem aktuellen Zeit-Artikel finden. Deshalb hier eine sehr subjektive Quelle mit dem Versuche einer einigermaßen objektive Darstellung der Ereignisse. Ob so eine Debatte auch in absehbarer Zeit in Deutschland geführt werden wird?

Trotzdem bin ich der Meinung, dass Gender-Mainstreaming einen wichtigen Schwachpunkt in unserem Umgang mit der Unterschiedlichkeit der Geschlechter anspricht. Wenn einem Individuum aufgrund von Vorurteilen, die auf dem jeweiligen Geschlecht beruhen, bestimmte Positionen in Organisationen/Gemeinden oder Vereinen/Familien nicht erlaubt oder zugetraut werden, ist dies zunächst einfach nur unfair. Hinzu kommt die Tatsache, dass wir so systematisch die  mögliche Weiterentwicklung der Organisation, die aufgrund der individuellen Stärken eines Individuums (unabhängig vom Geschlecht) möglich wären, untergraben. Spannend fand ich hierzu, die Hinweise von Prof Correll, die einfache Wege für die Arbeitswelt vorschlägt, um solche „Fehler im Entscheidungsprozess“ bei  Einstellungen zu vermeiden.