„Wir atmen uns da durch“

„Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.“ (Victor Hugo)

Mit allen drei hier beschriebenen Personengruppen kann ich mich im Moment hervorragend identifizieren. In meiner und unserer Zukunft als Familie ist im Moment unfassbar viel Bewegung drin. Das äußert sich am allerwenigsten im gelebten Alltag sondern v.a. in den höchst unterschiedlichen Optionen die in den letzten Wochen in Gedanken durchgespielt wurden. Und es betrifft die ganz nahe Zukunft. Mit dem Bestehen meiner mündlichen Prüfung und dem damit verbundenen Studienabschluss sind weitere Optionen dazu gekommen. Wir leben gerade mit soviel Spannung im Hirn, dass mich das Nachdenken darüber alleine schon müde macht. An vielen Stellen habe ich das Gefühl, ich kann nur abwarten und kaum einen aktiven Beitrag zur Klärung beitragen. So sind mir im Sinne des Zitates von Hugo Gefühle sowohl von Schwachheit und Furcht aber auch Mut gerade sehr vertraut und ich erlebe alles im schönen kurzweiligen Wechsel miteinander. Wenn ich gefragt werde, wie wir das gerade aushalten, sage ich immer: „Wir atmen uns da durch.“ Weil es das einzige ist, was man in solchen Situationen machen kann und weil es gleichzeitig so unfassbar effektiv ist.

Spätestens mit dem Kennenlernen, Einüben und Einsetzen von Atemübungen vor und während der Geburt unserer Tochter bin ich völlig begeistert von dieser Form der bewussten Entspannung. Es hat mich begeistert, zu spüren, wie durch richtiges atmen Schmerzen besser zu ertragen sind und das Baby mit Sauerstoff versorgt werden kann. Wie sich letzte Woche auf dem Crosstrainer mit tiefer bewusster Atmung der Puls sofort abgesenkt hat. Wie richtiges Atmen im Stehen in einer „Powerhaltung“ vor der mündlichen Prüfung zur Konzentration und positiven Einstellung beitragen konnte. (wenn nicht bekannt siehe dazu folgenden TedTalk)

Nicht zuletzt beginnen auch mit bewusster Atmung die Achtsamkeitsmediationen von headspace, einer über eine App ganz wunderbar leicht in den Alltag zu integrierenden Übung, die ich inzwischen sehr schätze.

Insofern spielt bewusstes atmen tatsächlich eine große Rolle darin, diese aktuelle Spannung auszuhalten und gut zu gestalten. Dazu gehört auch, sich immer wieder bewusst zu machen, dass alleine diese Situation auszuhalten schon enorm viel Kraft kostet (mein Mittagsschlafbedürfnis ist enorm erhöht) und entsprechend gut für mich zu sorgen.Das beinhaltet z.B.:

  1. Ich mache mir bewusst, dass diese Situation in erster Linie v.a. ganz viele Möglichkeiten und eher überschaubare Risiken enthält.
  2. Ich entscheide so bewusst wie möglich, was im Moment möglich und strategisch sinnvoll ist. Die anderen Dinge müssen warten.
  3. Ich versuche immer wieder neu, jeden Tag mit seinen schönen Seiten zu genießen: Die Zeit mit den Kindern; die Freiheiten, die ich gerade habe; neue Nichten und Neffen begrüßen; Ordnung an Orte in unserer Wohnung bringen, die schon länger darauf warten; Plätzchen backen mit der Großfamilie am gestrigen Nachmittag.
  4. Ich nehme Möglichkeiten wahr (z.B. zu ein paar kostenlosen Stunden Coachingweiterbildung) und gehe die Dinge, die umgesetzt werden können aktiv an. Das beinhaltet auch so klar und eindeutig wie möglich zu analysieren und zu kommunizieren. Das trägt sehr zu dem Gefühl bei, der Gesamtsituation nicht machtlos ausgeliefert zu sein.

Es ist schön zu wissen, dass diese Phase nicht unendlich lange anhalten wird und dass erste Klärungen am Horizont sichtbar werden.

In diesem Sinne atme ich und wir als Paar weiter und sind (meistens) freudig gespannt.

Wo atmet ihr euch gerade durch?

 

Zwei gute Freundinnen

Freundin A

  • Ihren Sohn bekam sie mit geplantem Kaiserschnitt und genoss es, den genauen Zeitpunkt der Geburt zu kennen und sich darauf einstellen zu können.
  • Außerhäuslich betreuen ließ sie ihn das erste Mal mit ca. sechs Wochen.
  • Um Ihre beruflichen Ambitionen umsetzen zu können, studierte sie während der kompletten Baby- und Kleinkindphase weiter.
  • Die Entscheidung für den Kindergarten traf sie v.a. wegen der Förderung von hochbegabten Kindern.
  • Nach drei Monaten Eingewöhnung ließ sie ihn dort ganztags betreuen.
  • Damit der Sohn sich nicht im Kindergarten langweilen würde, wurde er als Kannkind früher als die meisten anderen Kinder eingeschult.

 

Freundin B

  • Ihre Tochter brachte sie trotz mancher Bedenken von Ärzten mit einer natürlichen Geburt ohne Medikamente zur Welt.
  • Die ersten acht Monate wurde die Tochter von ihr voll gestillt und regelmäßig in Tragehilfen getragen, um eine enge Bindung sicherzustellen.
  • Um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kleinen eingehen zu können, achtete die Freundin darauf, einen flexiblen Kinderwagen zu nutzen, der einen weiten Blick nach vorne oder den sicherheitsgebenden Blick zur Mutter zurück ermöglichte.
  • Um einen engen Familienzusammenhalt zwischen allen Familienmitgliedern sicherzustellen, achtete die Mutter auf regelmäßige Mahlzeiten mit der ganzen Familie.
  • Bei Verzögerungen in der Entwicklung (sprachlich, motorisch, etc.) informierte sie sich umfassend, um die Tochter bestmöglich in entspannter Atmosphäre zu Hause zu fördern.
  • Weil sie bei Hausarbeiten ihrer Tochter nicht die volle Aufmerksamkeit widmen konnte, versuchte sie, diese so gut wie möglich spielerisch miteinzubeziehen, um ein gemeinsames Erleben zu schaffen.

 

Und, was denkst Du? Was ist den beiden Freundinnen jeweils wichtig? Wie würdest Du Freundin A charakterisieren? Wie Freundin B? Von welchen Werten lassen sich die beiden leiten?

 

Und ja, ich selbst bin sowohl Freundin A und Freundin B und bin traurig über die Urteile, die wir aus oberflächlichen Momentaufnahmen über andere und deren (Familien-)Leben fällen. Und ja, da greife ich mir zuerst auch an die eigene Nase und gelobe Besserung. Ist aber gar nicht so einfach, wie ich immer wieder feststelle.

Projekt „familienfreundlicher LOI Tag“ – Was ich gelernt habe

Einer der klassischen Dienste in einer Gemeinde, die ich noch nie übernommen habe, ist die Gestaltung der Kinderbetreuung oder Kindergottesdienste. In keiner Altersgruppe. Auch hatte ich mich bisher sehr wenig dafür interessiert, ob und wie Konferenzen eine Kinderbetreuung organisieren. Insofern war ich auf den „Job“, einen familienfreundlichen LOI Tag auf die Beine zu stellen, ausgesprochen schlecht vorbereitet. Was ich aber gut kann und auch schon viel gemacht habe, ist Fragen zu stellen und zu organisieren.

Beides habe ich in das Projekt eingebracht; allerdings zeitlich etwas versetzt. Erst einmal Fragen stellen: Wie machen das andere? Antwort: Sie machen es kaum. V.a. nicht mit dem Anspruch, inhaltlich an den gleichen Themen zu arbeiten wie die Erwachsenen. Das hieß, ich durfte kreative Ideen entwickeln. Und zwischendrin versuchen, meine Vision in Worte zu fassen. „Maybe we can create new learning environments for both kids and grown ups in a way that we all speak about the same topic but each group has its unique way of apprehending it. In this perspective, the LOI day could serve as an experiment for new ways of working and learning alongside kids but also together with them.“

Wunderbarerweise fand ich zwei junge Frauen, die bereit waren, sich mit mir auf diese gedankliche Reise einzulassen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie das ganze Realität werden könnte. Wir verbrachten diverse Abende mit Brianstorming via skype und trugen nach und nach das Gerüst für den Tag zusammen. Es wurde klar, bei wem wir ein gutes Konzept einkaufen könnten, wie wir das ganze finanzieren könnten (Sponsoring) und was organisatorisch notwendig sein würde, um es Familien so einfach wie möglich zu machen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Anne Bleis und Maggy Kleske, die sich hier ganz wunderbar eingebracht haben. Folgende Dinge habe ich auf dem Weg gelernt:

  • Ideen entwickeln ist alleine total ätzend und gemeinsam wunderbar! (das merke ich auch immer wieder in meinem sonstigen Arbeitsalltag: und weil die nächsten Monate mit der Magisterarbeit eher Einzelarbeit werden, gibt es Projekte, die ich einfach nur mache, um mit anderen gemeinsam etwas voran zu bringen…)
  • Organisieren kann ich auch ganz gut alleine, wenn die anderen Teammitglieder zu viele eigene Projekte haben. Erleben, wie dann am Ende alles zusammen kommt, macht dann gemeinsam trotzdem am meisten Spaß!
  • Gott will geben über „bitten und verstehen“: Als die Ideen standen und es an die Umsetzung ging, gab es so viele Baustellen, bei denen ich immer wieder dachte: Keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Gott, ich gehe davon aus, dass Du hierfür eine Lösung hast!? Und er gab: die richtigen Mitarbeiter; ausreichend Mitarbeiter; mehr als ausreichende Finanzen; Familien, die sich mit ihren Kindern angemeldet haben, obwohl sie kaum Informationen hatten, etc.
  • Gute Leitung hilft auch mir, mutig loszuziehen und neues Land zu erobern. Es ist einfach wunderbar, mit einem Team von Menschen zusammenzuarbeiten, die (auch wenn sie nichts mit dem eigenen Aufgabenbereich zu tun haben) immer und immer wieder ihre Begeisterung ausdrücken und tatkräftig unterstützen. Ich habe mich total durchgetragen und wertgeschätzt gefühlt von meinen Leitern innerhalb der LOI Arbeit, gerade auch, wenn es schwierig war.
  • Ich will mehr erzählen: Das war echt schräg. Ca. zwei Wochen vor dem großen Wochenende wurde mir bewusst, dass kaum jemand meiner engsten Freunde oder Familymitglieder wusste, was ich da mache und wie groß und wichtig und was für ein Abenteuer das für mich war. Warum? Vielleicht weil ich Angst hatte, dass das ganze doch nicht klappt und ich viel Wind um nichts gemacht hatte? Ich bin mir nicht so sicher, aber ich weiß, dass ich genau von solchen Wackelprojekte in Zukunft mehr erzählen will. Weil sie wichtig sind… für mich…
  • Wichtige Mitarbeiter am großen Tag das erste Mal face to face kennenlernen kann auch erstaunlich gut funktionieren! Wenn man vorher intensiv kommuniziert…
  • Auch der Follow Up Prozess dauert immer länger als geplant… Ich dachte, mit diesen ganzen Posts und der Materialrückführung und den Danksagungen wäre ich nach einer Woche durch… Vergesst es…

Diese Woche bekam ich dann den xpand Teamnewsletter, indem Anne Burdenski (Vorstand bei xpand) ihre Eindrücke vom LOI Tag schilderte und dabei das Herz des ganzen Projektes ziemlich gut trifft:

Es trafen sich am 16.+17.11.12 130 LOIs, ca. 40 Mentoren, 23 Kinder und 20 zusätzliche Helfer. Vielleicht wundert ihr euch, dass ich die Kinder extra nenne – sie hatten ihr eigenes gesellschaftsrelevantes Programm: parallel zu den Erwachsenen, die sich in den verschiedenen Gesellschaftsbereichen trafen, um zu diskutieren, wie wir als Christen hier prägen können, haben sie sich gestalterisch mit diesen Themen beschäftigt. Es hat mich echt berührt, zu sehen, wie selbstverständlich die jungen Leiter, auch die Frauen, ihre Familien mit einbeziehen. Allein das ist doch schon eine gesellschaftsrelevante Spur, da gerade junge Frauen, trotz Kita- und U 3 Betreuungsangeboten, immer noch mit der Frage kämpfen, wie sie wachsende Verantwortung und Familie vereinbaren können. Hier Modelle zu bauen finde ich sehr begeisternd.

Und jetzt? Es gibt neue Projekte, die in den Startlöchern stehen. Und über die ich hoffentlich natürlich berichten werde. Aber im Moment nehme ich mir auch bewusst Zeit, Advent zu feiern mit meiner wunderbaren Familie. Deshalb die ganz wichtige Frage: Habt ihr schon einen Tannenbaum? Wir nicht, aber dafür seit letzten Sonntag einen Holzgesellen, der uns beim heimkommen adventlich begrüßt!

Bits & Pieces 2

Was war gut? Ich habe ein Fahrrad! Mit 24 Gängen (also wiesbadentauglich) und schon montierten Kindersitz für die kleine Maus. Das ist die falsche Jahreszeit? Ganz egal. Die erste Tour habe ich bei grauem Regenwetter gemacht (die Kleine in rosa roter Matschmontur hinten drauf) und wir haben beide großen Spaß gehabt.

Was habe ich gelernt? Zu wenig Kaffee lässt mich zwar schlafen, macht mich aber den ganzen Tag müde und arbeitslustlos. Auch nicht das richtige, wenn man diverse Projekte (incl. eines Vierpersonenhaushalts) am Laufen halten möchte. Ich suche noch nach einer Lösung…

Was war blöd? Schlüssel verloren. Das könnte noch teuer werden…

Gute Begegnungen? Das Treffen mit meiner Mentorin (tief, ehrlich, bewegend, nachklingend) und meiner lieben Freundin Wintermantelshoppen gehen (schön, teuer, warm… der Mantel, nicht die Freundin, die ist v.a. immer die pure Erholung für mich).

Was kam zu kurz? Wache Phasen. Das Leben kann so anstrengend sein, wenn man immer nur müde ist…

Was war noch wichtig? Die Zeit hat gerade ein interessantes Titelthema zu der „Spezies“ Hausfrau. Norbert Blüm hatte auch vor kurzem einen Onlineartikel zu dem Thema Vereinbarkeit geschrieben und seit heute Morgen ist klar: Das Betreuungsgeld kommt, dafür wird die Praxisgebühr abgeschafft. Ich bin bei diesen ganzen Themen äußerst ambivalent und wundere mich immer, wie man als Politiker oder Privatperson zu einer völlig klaren und eindeutigen Meinung kommen kann (außer: für mich selbst macht das Sinn oder eben nicht). Außerdem ist vor kurzem das neue Buch von Rachel Held Evans erschienen: A year of biblical womanhood! Darin beschreibt sie, wie sie ein Jahr lang die ganzen Vorschriften und Lebensweisen von Frauen in der Bibel eingehalten hat. Deutlich wird wohl am Ende v.a., dass es NICHT den einen richtigen Weg für Frauen gibt, um nach biblischen Maßstäben zu leben. Es kommt viel mehr darauf an, seine Berufung zu kennen und dieser entsprechend zu leben. Ähnliches dachte ich auch bei den Geschichten von Hausfrauen im Zeit Magazin: Gerade die Frau, die in meinem Alter ist und auch zwei Kinder in ähnlichem Alter hat wie ich und sich voll und ganz für die Rolle der Hausfrau entschieden hat, beeindruckt mich. Weil sie weiß, was sie will und es liebt und darin aufgeht. Gerade auch, weil es komplett nicht mein Weg ist, finde ich das toll.

Rachel Held Evans bekommt übrigens gerade richtig Gegenwind (es erinnert mich ein bißchen an den Buchrelease von Rob Bells Love wins im letzten Jahr, z.B. hier). Bei ihm habe ich ganz viel über Kommunikation in solchen Situationen gelernt und bin total gespannt, wie Evans das hinbekommen wird!

 

Betreuungsgeld: Ich hab da ein paar Fragen

Seit ein paar Wochen geht es ja rund mit dem Betreuungsgeld… Weil ich zu diesem Thema noch immer keine feste Position habe, hier ein paar Fragen, die mich im Moment beschäftigen:

  1. Findet es irgendjemand außer mir seltsam, sich als Mutter oder Vater dafür bezahlen zu lassen, seine Kinder zu betreuen?  Ist es nicht das absolut selbstverständlichste der Welt? (das meine ich jetzt einmal völlig unabhängig davon, ob ich nur zu Hause „betreue“ oder noch Teilzeit/ Vollzeit arbeite)
  2. Was sagt die Forderung nach dem Betreuungsgeld über den Selbstwert von uns Eltern aus? Oder geht es hier im Kern nur um die oft viel zu leere Familienkasse?
  3. Und was drücken 100 oder 150 Euro für einen Wert aus? Ein angemessener Lohn für die Verantwortung, den Fortbildungs- und Zeitaufwand sowie den Verzicht auf Karrierefortschritt? Oder soll ich mich als Elternteil mit diesem Geld anerkannter in der Gesellschaft fühlen? Dann ist meine Leistung der Gesellschaft weniger als einen Euro die Stunde wert?
  4. daran anschließend: Macht es Sinn, den Wert von oder Anerkennung für Eltern in Form von einfachen Geldtransferleistungen auszudrücken?
  5. Welche bisher „ehrenamtlichen“ Leistungen müssten dann noch vom Staat belohnt werden?
  6. Kann sich der „Staat“ das Betreuungsgeld überhaupt leisten? oder anders: Wollen wir unseren Kindern noch mehr Schulden hinterlassen?
  7. wenn man nicht für neue Schulden verantwortlich sein will: Wieviel müsste ein Elternteil arbeiten, um aus staatlicher Sicht die Unkosten von ca. 1000 Euro für den Krippenplatz über die Lohnsteuer wieder rein zu holen? Wieviel müsste ein Elternteil für die Lohnsteuer bei 150 Euro Betreuungsgeld arbeiten?
  8. Wenn der Staat die Betreuung der Kinder durch die Eltern mit Geld belohnen möchte, macht es dann nicht auch Sinn, zumindest eine kleine Qualitätssicherung zu versuchen und die Auszahlung an den Besuch von z.B. Elternkurse zu knüpfen?
  9. Und mal ganz allgemein: Wieviel Geld stecken wir im Moment nochmal in die Rettung aus der Finanzkrise? Und wieviel Geld würde das Betreuungsgeld kosten?

Und welche Fragen fallen euch zu dem Thema ein?

 

 

Leidenschaft vs. Gelassenheit

Ich lerne gerade ganz viel über weibliche Führungskräfte mit Kindern, weil sie Thema meiner Magisterarbeit sein werden. In diesem Zusammenhang habe ich mir angefangen über den scheinbaren Widerspruch von Leidenschaft und Gelassenheit nachzudenken. Beides eigentlich gute Eigenschaften, die ein Leben auf ganz unterschiedliche Weise bereichern können. Ich finde Personen, die leidenschaftlich für etwas leben, total anziehend. Das passiert, wenn sie ein konkretes Ziel haben, das sie verfolgen und bereit sind, einen Preis zu zahlen und Unwägbarkeiten zu überwinden. ABER zuviel Leidenschaft kann auch dazu führen, dass man sich verrennt oder vereinsamt, weil keiner die Leidenschaft teilt. Am Anfang dachte ich, dass Gelassenheit zum Rückgang von Leidenschaft führen würde. Für mich hat Gelassenheit viel damit zu tun, Umstände so zu nehmen wie sie sind, mich auf etwas einzustellen und nicht dagegen anzukämpfen. Klingt wie das genaue Gegenteil von Leidenschaft und ich dachte, Gelassenheit würde uns vielleicht davon abhalten, leidenschaftlich für etwas einzustehen, weil es scheinbar soviel einfacher ist, die Dinge so zu lassen wie sie sind.

Wenn ich dann aber über den Alltag von den am Anfang erwähnten weiblichen Führungskräften lese und auch mein eigenes Leben anschaue, dann stimmt das überhaupt nicht. Wenn sie keine Leidenschaft hätten sowohl für ihre Arbeit als auch für ihr Muttersein, wären sie alle nicht so weit gekommen. Die Rahmenbedingungen machen es für viele Frauen unglaublich stressig, diese beiden Rollen zu leben, so dass es nahe liegt, entweder im Job kürzer zu treten oder kein Kind zu bekommen. Diese Frauen scheinen aber genug Leidenschaft für beide Bereiche zu haben, um den schwierigen Spagat über einen langen Zeitraum durchzuhalten. Gleichzeitig berichten sie, dass sie enorm an Gelassenheit und Pragmatismus dazu gewonnen haben. Nur diese Eigenschaften führen dazu, einen solch stressigen Alltag bewältigen zu können.

Inzwischen glaube ich, dass beides (Leidenschaft und Gelassenheit) ganz wichtige Seiten einer Medaille sind: Unser Leben bekommt Bedeutung, wenn wir uns leidenschaftlich für etwas einsetzen. Gleichzeitig bedeutet es eine unglaubliche Erfüllung, wenn wir genau das ausleben können, was uns wichtig ist und unserer Persönlichkeit entspricht. Aber immer, wenn wir für etwas kämpfen und einstehen, gibt es auch Widerstände und Schwierigkeiten. Und gerade in den Situationen, in denen wir uns diesen Widerständen stellen und uns mit ihnen auseinandersetzen müssen, hilft Gelassenheit enorm, wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden: Weil mir mein Abschluss und meine berufliche Zukunft wichtig sind, gehe ich mit Mittelohrentzündung in eine Vorlesung oder ziehe das Seminar trotz Magen-Darm-Grippe durch. Deshalb ist es mir inzwischen aber auch immer unwichtiger, die interessanten Filme im Kino zu sehen oder alle meine Freunde mind. einmal in der Woche zu sehen. Das ist einfach nicht möglich, wenn ich neben dem großziehen eines Kindes noch etwas anderes mache will. Meine Prioritäten klären sich schnell mit klaren Zielen, die ich leidenschaftlich verfolgen will. Von solchen Zielen kann ich auch nicht 25 gleichzeitig verfolgen. Das geht vielleicht mit zwei oder drei. Und dem großen Rest des Alltags tut Routine, Gelassenheit und ein bisschen Kreativität gut, so dass man Energie für die nächste Runde „leidenschaftlichen Kämpfens“ tanken kann.

Die Fragen sind also: Was ist Deine Leidenschaft? Wofür setzt Du Dich mit Haut und Haaren ein? Und welche Schwierigkeiten bringt das mit sich? Wie könnte Dir Gelassenheit in solchen Situationen weiterhelfen?

Meconomy und die Frauen: Wo will ich leben? oder ein Traum von den Philippinen

Die These dieses Meconomy-Kapitels lässt sich einfach zusammenfassen: Die neue Technologie ermöglicht es den modernen Wissensarbeitern von jedem Ort der Welt aus zu arbeiten, so lange dort schnelle und günstige Internetzugänge vorhanden sind.

Es lädt zum träumen ein, dieses Kapitel. Jeder, der noch kein Fernweh hatte, wird es spätestens nach dieser Lektüre sehr drängend verspühren. Für mich als Mutter in einer glücklichen Beziehung spielen natürlich ein paar mehr Faktoren in eine solche Frage mit hinein als lediglich die Geschwindigkeit des Internetanschlusses.

Lange Zeit war auch ich davon ausgegangen, dass man mit kleinen Kindern höchstens innerhalb von Europa reisen kann. Seitdem es Nido gibt und ich einige Ausgaben mitsamt der regelmäßigen Fernreiseberichte von Familien mit mind. zwei (Klein-)kindern genossen habe, scheint auch das kein Problem mehr zu sein. Das Elterngeld trägt ebenfalls einen Teil dazu bei, dass anscheinend immer mehr der besserverdienenden Elternpaare sich auf Weltreise begeben. Ich persönlich werde dann immer etwas wehmütig und habe die Großelternpaare meines Kurzen vor Augen, die jedem Treffen mit dem Kleinen entgegen fiebern und gar nicht genug von ihm bekommen können. Gerade im Kleinkindalter ist die Entwicklung ja so rasant, dass man schon manchmal nach zwei Wochen das Kind kaum wiedererkennt. Und dann denke ich: Vielleicht gibt ja die technische Entwicklung nicht nur die Möglichkeit der großen weiten Welt frei, sondern auch den Rückzug in die viel kleinere familiäre Welt, die aufgrund der bisherigen unmobilen Arbeitsplätze oft gegen den Willen der Beteiligten verlassen werden musste. Vielleicht haben junge Familien die Möglichkeit, mit den Kleinkindern zurück in die Nähe der Großeltern aufs Land zu ziehen um sie dort in guten Händen zu wissen, während man ein paar Stunden konzentriert arbeitet, anstatt die Kurzen in der Stadt bei der Tagesmutter um die Ecke abgeben zu müssen und den Großeltern höchstens übers Telefon von den neusten unglaublichen Entwicklungsschritten berichten zu können.

Gleichzeitig denke ich begeistert an die sechs Monate zurück als mein Schwager mit seiner Frau nach NewYork gegangen ist und unser acht Monate alter Knirps skype entdeckte. Die Kombination von Bild und Ton hat erstaunlich gut für ihn funktioniert (auch wenn er immer wieder hinter dem Labtop nach den beiden gesucht hat…). Auf der anderen Seite geht eine solche Rechnung auch nur soweit auf, wie das restliche Umfeld online ist. Als wir nach einer Woche Allgäu (in der wir nur Internet und keinen Handyempfang hatten) den verzweifelten Hilferuf einer Freundin auf dem Anrufbeantworter gehört haben, die es in dem Trubel einfach nicht an den Computer geschafft hat, kamen mir doch Zweifel, inwiefern ich mich auf die schöne neue Technik verlassen kann, wenn nicht alle anderen so selbstverständlich und v.a. kontinuierlich online sind wie ich.

Ich habe eine Freundin auf den Philippinen, zu der die Beziehung seit Jahren hauptsächlich auf Email basiert und bei der ich über die Ankunft des neuen Babys innerhalb von Minuten bescheid wusste. Dieses Kapitel von Meconomy macht mir Hoffnung, dass mein Traum verwirklicht werden kann: Vielleicht ist es ja wirklich möglich, mit meinem Mann und unserem Kurzen für ein paar Wochen in ihre Welt einzutauchen; ihm (dem kleinen Mann) zu zeigen und selbst mal wieder aus erster Hand zu erleben: Nicht jedem geht es so gut wie uns; mithelfen, die Straßenkinder mit Essen zu versorgen; möglicherweise eine Kooperation mit der Papierfabrik vor Ort auszuhandeln, um ihre wunderschönen Produkte hier zu vertreiben; und dann noch ein, zwei Wochen Urlaub an einem der weißen Sandstrände anzuhängen… Und ganz nebenbei für meine Klienten hier in Deutschland nicht unerreichbar zu sein. Ich denke da an eine Agentur, für die ich schon einige Mal einen Fragebogen für ihre Marktforschungsprojekte entwickelt und in der Auswertung beraten habe. Auch wenn sie nur ca. 50km von Wiesbaden ihren Sitz haben: Der Kontakt und die Aufträge kamen bisher nur per Telefon und Email zustande. Und da ist es dann tatsächlich egal, ob ich in Wiesbaden oder auf den Philippinen arbeite.

Alles eine Frage der Planung?

Gestern habe ich mich gewundert: Ich wusste schon im Voraus, dass diese Woche ziemlich voll wird. Am Montag Vorlesung und abends Lernkurs, Dienstag Vorlesung, gestern ein Geburtstagspicknick in Frankfurt und abends Hauskreis, heute fahre ich nach Düsseldorf für ein LoI Treffen (oder soll ich Meeting sagen, damit ich professioneller klinge… hihi). Komischerweise habe ich gestern festgestellt, dass es mir trotzdem erstaunlich gut geht. Mh, jetzt bin ich am überlegen: Liegt das daran, dass diese Woche wirklich gut geplant und durchdacht ist und ich mich in den Plänen aufgehoben fühle? Liegt es an ausreichend Schlaf? Der größeren Ordnung in der Wohnung, die ich versuche zu etablieren? Etwa an einem günstigen Zeitpunkt in meinem Zyklus??? Ich habe noch nicht wirklich eine Ahnung. ABER ich bemerke: Mich selbst an die Grenzen zu bringen tut mal wieder gut, weil ich zum einen sehr aufmerksam und konzentriert die Einzelheiten überlege und zum anderen mich nicht gehen lassen kann. Bin mal wieder begeistert, was ich in dieser Phase alles lernen kann. In diesem Sinne: Allen einen lehrreichen Tag mit hoffentlich noch langem Sonnenschein!