Eine Schnitzeljagd auf dem Neroberg

Auf meinem Schreibtisch stehen gelbe Rosen in einer hellblauen Vase. Diese Maßnahme der Selbstliebe musste gestern, am letzten Tag des grauen Februars unbedingt sein. Schließlich möchte ich diese Woche gut gelaunt und mit zumindest ein bißchen Energie und einer schönen Aussicht gestalten.

IMG_5348  Vergangenen Sonntag sollte es eigentlich auch richtig schön und sonnig werden. Im Gegensatz zu den Vorhersagen war aber nur das farblose Grau wie schon die zahlreichen Wochen vorher zu sehen. Dazu wehte auf unserem Hausberg selbst zwischen den Bäumen ein heftig kalter Wind. Uns war das die meiste Zeit egal. Wir waren mit der Klasse unseres Sohnemannes zu einem besonderen Klassenfest verabredet, dass sich statt durch gemeinsames Kalorienaufnehmen vor allem durch gemeinsame Streckenbewältigung auszeichnete.

IMG_5349Nach einem kleinen Blick auf die Russische Kapelle ging es direkt am Kletterpark auf den Walderlebnispfad. Bisher kannte ich lediglich drei der vorhandenen Stationen. Weitere Stationen waren mir zuerst aufgrund der noch nicht vorhandenen Wanderausdauer meines Großen und dann aus Zeitnot verwehrt geblieben. Wie schön, dass sich die Zeiten ändern. Nach einer guten Stunde und einer ganz ansehnlichen Strecke waren wir dann bei unserem Ziel, dem Spielplatz an der Leichtweißhöhle angekommen.

IMG_5356Frische Luft – gibt es in dieser Jahreszeit etwas besseres? In der kurzen Zeit, die meine Tochter außerhalb des Kinderwagens (und nicht mit dem Nachholen des verweigerten Mittagsschlafs) zugebracht hat, haben wir dann auf kräftig gesungen:

„Das Wandern schafft stets frische Luft und hält das Herz gesund – frei atmet draußen meine Brust – froh singet stets mein Mund.“

Und nun ist der graue Februar vorbei – und keiner vermisst ihn! Wir sollten feiern.

Die letzte Zeile der ersten Fussnote im ersten Absatz

Ich hatte es schon länger geahnt, inzwischen ist es Gewissheit: Zu jeder größeren wissenschaftlichen Arbeit gehört auch eine Druck-Geschichte. Meine geht so: Die letzte Zeile der ersten Fussnote in meinem ersten Absatz hat schon im Worddokument die ganze Zeit gesponnen und ist einfach immer wieder verschwunden. Nein, die Fussnote wurde nicht einfach geteilt, die Zeile war einfach nicht zu sehen. Diverse Male hatte ich es getestet: im PDF war sie immer vorhanden. Letzte Woche Montag früh, als dann endlich alle 38 Tabellen incl. Über- und Unterschriften am richtigen Ort waren, habe ich noch einen Probedruck gemacht. Auch hier war die Fusszeile sowohl im pdf als auch im Ausdruck vorhanden. Nach einigen Änderungen auf anderen Seiten habe ich dann erneut ein pdf abgespeichert und bin dann glücklich und zufrieden zum Copyshop gepilgert. Hier habe ich mich für ein Softcover entschieden, mich über einen günstigeren Preis als eingeplant gefreut und mir dann im Anschluss noch eine Massage verpassen lassen.

Als ich dann im Auto noch einmal durch die drei Exemplare durchgeblättert habe, ist mir das Herz fast stehen geblieben: Die letzte Zeile der ersten Fussnote im ersten Absatz war nicht da. Unglaublich. Wie man das wohl retten könnte? Könnte man so etwas überkleben? Mit Hand dazuschreiben? Weiter hinten hätte ich damit leben können, aber nicht an dieser prominenten Stelle. Irgendwann wusste ich, dass ich mich in Zukunft immer ärgern würde, wenn ich das so abgeben würde, so dass ich tatsächlich bereit war, noch einmal über 80 Euro in die Hand zu nehmen, um einen neuen Druck und v.a. eine erneute Bindung machen zu lassen.

Am nächsten Tag hatte ich den kurzen Gedanken die drei gedruckten Exemplare mit in den Shop zu nehmen. Vielleicht könnten sie noch irgendetwas retten, was ich für ziemlich unmöglich hielt. Die erste Mitarbeiterin machte mir keine großen Hoffnungen. Ihr Mann sah das jedoch ganz anders: Sie würden den Leim warm machen, die Seite jeweils austauschen und den Leim dann wieder abkühlen lassen. Ich habe mich gefreut wie Olle. Für einen Minibeitrag in die Kaffeetasse war meine Arbeit gerettet. Ihr lieben Wiesbadener: Die Druckerei Lang kann ich nur wärmstens empfehlen.

Inzwischen ist die Arbeit abgegeben und ich versuche nun einen eleganten Spagat zwischen „Entspannen/Auftanken“ und „liegengebliebenen Krusch wegarbeiten“ aufs Parkett zu legen. Das ist eine Herausforderung für sich. Aber immerhin saß ich heute zwei Stunden in der Sonne im Park (zehn Minuten davon stand ich ehrlich gesagt in einem Bach und habe mich vom eiskalten Wasser erfrischen lassen).

Bestes Campingplatzfeeling nur ohne Übernachtung: Lufti in Wiesbaden

Endlich ein Familientag und wir hatten keine Ahnung, wie wir ihn am schönsten gestalten könnten. Also haben wir einen Reiseführer für Kinder für die Region Wiesbaden gewälzt und sind auf das ominöse „Freizeitgelände Unter den Eichen“ gestossen, ca drei Minuten Fahrtzeit von uns entfernt. Wie kann das denn sein? Die Neugierde hat uns hingetrieben.

Freibad ohne große Becken, Spielplatz ohne den sonst üblichen Hochbetrieb, Tischtennisplatten und Badmintonplätze mit vorhandenen und funktionstüchtigen Netzen, Kneippbecken und weiße Plastikstühle, Eis am Stil und Pommes rot-weiß. Man fühlt sich wie in einem 60er Jahre Urlaubsfilm und unpassend weil viel zu modern gekleidet.

Wir kommen wieder. Schon ganz bald.

Ansonsten die alte Laier: Immer noch nicht alle gesund, immer noch nicht fit. Gestern habe ich die Flucht nach vorne angetreten und eine Andacht zum Versagen mitgestaltet. Eigene Anschauungsbeispiele aus dieser Woche gab es ja genug. Wie genial, dass mein Gott in meinem „Nicht-Hinbekommen“ trotzdem Beziehung mit mir haben möchte und mit meinem „Nicht- Funktionieren“ soviel besser umgehen kann als ich selbst.

Lufti

 

Meconomy und die Frauen: Wo will ich leben? oder ein Traum von den Philippinen

Die These dieses Meconomy-Kapitels lässt sich einfach zusammenfassen: Die neue Technologie ermöglicht es den modernen Wissensarbeitern von jedem Ort der Welt aus zu arbeiten, so lange dort schnelle und günstige Internetzugänge vorhanden sind.

Es lädt zum träumen ein, dieses Kapitel. Jeder, der noch kein Fernweh hatte, wird es spätestens nach dieser Lektüre sehr drängend verspühren. Für mich als Mutter in einer glücklichen Beziehung spielen natürlich ein paar mehr Faktoren in eine solche Frage mit hinein als lediglich die Geschwindigkeit des Internetanschlusses.

Lange Zeit war auch ich davon ausgegangen, dass man mit kleinen Kindern höchstens innerhalb von Europa reisen kann. Seitdem es Nido gibt und ich einige Ausgaben mitsamt der regelmäßigen Fernreiseberichte von Familien mit mind. zwei (Klein-)kindern genossen habe, scheint auch das kein Problem mehr zu sein. Das Elterngeld trägt ebenfalls einen Teil dazu bei, dass anscheinend immer mehr der besserverdienenden Elternpaare sich auf Weltreise begeben. Ich persönlich werde dann immer etwas wehmütig und habe die Großelternpaare meines Kurzen vor Augen, die jedem Treffen mit dem Kleinen entgegen fiebern und gar nicht genug von ihm bekommen können. Gerade im Kleinkindalter ist die Entwicklung ja so rasant, dass man schon manchmal nach zwei Wochen das Kind kaum wiedererkennt. Und dann denke ich: Vielleicht gibt ja die technische Entwicklung nicht nur die Möglichkeit der großen weiten Welt frei, sondern auch den Rückzug in die viel kleinere familiäre Welt, die aufgrund der bisherigen unmobilen Arbeitsplätze oft gegen den Willen der Beteiligten verlassen werden musste. Vielleicht haben junge Familien die Möglichkeit, mit den Kleinkindern zurück in die Nähe der Großeltern aufs Land zu ziehen um sie dort in guten Händen zu wissen, während man ein paar Stunden konzentriert arbeitet, anstatt die Kurzen in der Stadt bei der Tagesmutter um die Ecke abgeben zu müssen und den Großeltern höchstens übers Telefon von den neusten unglaublichen Entwicklungsschritten berichten zu können.

Gleichzeitig denke ich begeistert an die sechs Monate zurück als mein Schwager mit seiner Frau nach NewYork gegangen ist und unser acht Monate alter Knirps skype entdeckte. Die Kombination von Bild und Ton hat erstaunlich gut für ihn funktioniert (auch wenn er immer wieder hinter dem Labtop nach den beiden gesucht hat…). Auf der anderen Seite geht eine solche Rechnung auch nur soweit auf, wie das restliche Umfeld online ist. Als wir nach einer Woche Allgäu (in der wir nur Internet und keinen Handyempfang hatten) den verzweifelten Hilferuf einer Freundin auf dem Anrufbeantworter gehört haben, die es in dem Trubel einfach nicht an den Computer geschafft hat, kamen mir doch Zweifel, inwiefern ich mich auf die schöne neue Technik verlassen kann, wenn nicht alle anderen so selbstverständlich und v.a. kontinuierlich online sind wie ich.

Ich habe eine Freundin auf den Philippinen, zu der die Beziehung seit Jahren hauptsächlich auf Email basiert und bei der ich über die Ankunft des neuen Babys innerhalb von Minuten bescheid wusste. Dieses Kapitel von Meconomy macht mir Hoffnung, dass mein Traum verwirklicht werden kann: Vielleicht ist es ja wirklich möglich, mit meinem Mann und unserem Kurzen für ein paar Wochen in ihre Welt einzutauchen; ihm (dem kleinen Mann) zu zeigen und selbst mal wieder aus erster Hand zu erleben: Nicht jedem geht es so gut wie uns; mithelfen, die Straßenkinder mit Essen zu versorgen; möglicherweise eine Kooperation mit der Papierfabrik vor Ort auszuhandeln, um ihre wunderschönen Produkte hier zu vertreiben; und dann noch ein, zwei Wochen Urlaub an einem der weißen Sandstrände anzuhängen… Und ganz nebenbei für meine Klienten hier in Deutschland nicht unerreichbar zu sein. Ich denke da an eine Agentur, für die ich schon einige Mal einen Fragebogen für ihre Marktforschungsprojekte entwickelt und in der Auswertung beraten habe. Auch wenn sie nur ca. 50km von Wiesbaden ihren Sitz haben: Der Kontakt und die Aufträge kamen bisher nur per Telefon und Email zustande. Und da ist es dann tatsächlich egal, ob ich in Wiesbaden oder auf den Philippinen arbeite.

Frauen und Meconomy: Wie werde ich arbeiten? oder: ein Status Quo

Hier geht es nun endlich weiter mit der kleinen Meconomy-Reihe:

Vor einigen Monaten habe ich dieses Kapitel das erste Mal gelesen und es war interessant, es sich jetzt noch einmal genauer anzuschauen. Mir ist jetzt erst klar geworden, wieviel sich bei mir selbst in dieser Zeit entwickelt hat.

Als ich es das erste Mal gelesen hatte, sah ich meinen Abschluss incl. Magisterarbeit immer näher kommen und damit die große Frage, die zahlreiche Studenten am Ende der Studienzeit umtreibt: Was will ich eigentlich machen???

Bisher hatte ich immer gesagt: Personalentwicklung in einem größeren Unternehmen. Aber ich wollte auch ein zweites Kind und das nicht sofort abgeben. Also kam diese Option ersteinmal nicht infrage.

Dann kam der denkwürdige Abend, als ich mit meinem Mann zusammen saß und er mir sein Geschäftsmodell für meine Magisterarbeit erklärt hat. Für ihn war schon seit langer Zeit klar, wie man mit einem solchen Projekt Geld verdienen kann.

Da war dann also eine Idee geboren, diese Phase der Arbeit als Start in eine Selbständigkeit zu sehen… Damit kamen die Themen dieses Kapitels zum richtigen Moment:

Zunächst wird die Frage gestellt: Was macht mich glücklich? Womit möchte ich meine Zeit verbringen?

Alles andere als eine leichte Frage, aber zum Glück hatte ich sie mir nicht zum ersten Mal gestellt: Ein Thema, das mich schon seit langer Zeit beschäftigt sind Frauen… Ok, das muss erklärt werden: Ich schaue mich um und sehe: Es gibt tolle Frauen mit erstaunlichen Fähigkeiten, die ihr Leben in aller Fülle auskosten und gestalten. Aber fast alle Frauen (und da schließe ich mich selbst natürlich mit ein) haben auch zahlreiche Fragen, machen sich Sorgen (denkt an den Film „was Frauen wirklich wollen“) und wünschen sich ihr Leben an der einen oder anderen Stelle zu verbessern. Das ist die Mikroperspektive. Auf der Makroebene macht es mich traurig, dass Frauen immer noch viel zu selten die Möglichkeit haben, in unserem Land an die wirklich entscheidenden Positionen zu kommen und mitzugestalten und es häfuig einfach auch gar nicht wollen, weil sie wissen, welchen Preis eine solche „Stelle“ für sie und ihre Beziehungen bedeuten würde. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir als Frauen einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung unserer Gesellschaft leisten können und sollten. Also habe ich schon früh angefangen, an verschiedenen Punkten Unterstützerarbeit zu leisten: habe Mädelscamps und –tage mit Freundinnen organisiert und später Frauenfreizeiten mitgestaltet. Eigentlich wünsche ich mir, diese Arbeit auf anderer Ebene weiterzuführen. Deshalb will ich mich in meiner Magisterarbeit mit der Frage beschäftigen, wie mehr Frauen in Führungspositionen kommen können und deshalb möchte ich andere Mütter darin unterstützen, einen Weg für sich zu finden, wie sie ihre Rolle erfüllend leben können. Das ist also meine Leidenschaft. Puh, am Ende war es doch harte Arbeit, diese Gedanken so auf den Punkt zu bringen…

„Brand Me“ war dann die nächste Herausforderung des Kapitels: Es wird beschrieben, wie wichtig es ist, sich selbst als Marke im Internet zu positionieren. Mh, keine Ahnung, wie man das macht. Und v.a. was heisst in diesem Zusammenhang für mich „stimmig“? Also habe ich mich mit meinem Bruder hingesetzt und ihn zu facebook und twitter interviewt. Dieses Blog gibt es ja schon seit einer ganzen Weile, aber die Frage war: Was ist für den Moment die passende Mischung? Macht es Sinn, das Private und Berufliche zu trennen? Das war für mich am Ende die entscheidende Frage, weil mir irgendwann klar geworden ist: Ich kann mich selbst nicht aufteilen in beruflich und privat, das ist jetzt schon viel zu verwoben. Und v.a.: Für ev zukünftige Kunden wird es mehr Sinn machen, wenn sie eine vollständige Debora Hofmann präsentiert bekommen. Also blieb es bei nur einem Blog, in dem sich die Dinge vermischen und dadurch hoffentlich auch ein bisschen interessanter werden. Bei facebook dachte ich irgendwann: Welche Ding sprechen mich denn bei anderen an? Es sind nicht die typischen Updates a la „bin jetzt auf der Arbeit“, sondern die kleinen unterhaltsamen Anekdoten, Erzählungen aus dem Alltag mit einem kleinen Augenzwinkern; interessante Links und wenn man Zeit hat auch Fotos… Also versuche ich alle paar Tage eine Kleinigkeit zu erzählen und lerne dabei, worauf meine „friends“ regieren. Was immer super ankommt: Die Sprüche des Kurzen und Entweder/ Oder-Fragen. Ein Twitter-Account ist auch schon eingerichtet, aber so ganz ist mir gerade noch nicht klar, wie ich ihn nutzen will. Kann mir vorstellen, dass das mit dem Einstieg in die Magisterarbeit deutlicher wird, weil ich dann auf noch mehr Inhalte im Netzt treffe, die spannend sind und ich als verbreitungsnötig erachte. Insgesamt habe ich das Gefühl, noch in den Kinderschuhen zu stecken mit social media. Aber das macht ja nichts. Schön ist doch, dass ich schon ein ganzes Stück weiter bin als vor drei Monaten. Mich haben in der Zeit übrigens auch zwei Frauen im Netz inspiriert, bei denen ich das Gefühl hatte: Die wissen, was sie tun und ich kann mir über das Netz ein ziemlich realistisches Bild von ihrer Arbeit, ihrer Persönlichkeit und ihren Interessen machen: Michelle Ward und Gwen Bell.

Im weiteren Verlauf des Kapitels wird der Frage nachgegangen, welche Eigenschaften die modernen Gründer mitbringen sollten und die These aufgestellt, dass es noch nie so einfach war wie jetzt, ein eigenes weltweit agierendes Unternehmen auf die Beine zu stellen, weil man über das Internet nie dagewesene Möglichkeiten hat. Das Thema finde ich total spannend und auch hoch relevant für mich, aber noch nicht so aktuell, dass ich es an dieser Stelle vertiefen will.

Dafür hatte es der nächste Abschnitt umso mehr in sich: Coworking-Spaces – Ein Begriff, den ich das erste Mal bei meinem Bruder Johannes mitbekommen habe. Nach einigem Recherchieren gefiel mir die Idee immer besser. Albers definiert Coworking ganz allgemein als „Orte (…), an denen sich wildfremde Menschen treffen, um gemeinsam zu arbeiten“. Wer mehr wissen will, kann sich hier weiter informieren. Zunächst dachte ich, dass solche Ort doch gerade für Mütter mit sehr kleinen Kindern und Babys hervorragend geeignet sein könnten, weil sie nicht alleine zu Hause sind, auf der anderen Seite die Atmosphäre aber auch so ungezwungen ist, dass keiner schief guckt, wenn neben dem Schreibtisch eine Grabbeldecke liegt oder in der Toilette ein Wickeltisch steht. Nach ein bisschen Recherche stellte ich aber fest, dass Kinder in vielen Coworking Spaces noch genauso fremd sind wie in vielen anderen Büros. Bin gespannt, wie sich das weiter entwickeln wird…

Für mich war in der Zwischenzeit aber klar geworden, dass ich meine Magisterarbeit nicht alleine zu Hause an meinem Schreibtisch schreiben will (auch wenn der Kurze jetzt in den Kindergarten kommt und die Betreuung nicht mehr das Problem ist). Ich habe einfach keine Lust soviel Zeit am Tag alleine zu Hause zu verbringen und mit keinem zu reden. Ich brauche zumindest ab und zu ein paar Menschen um mich herum. Erfreulicherweise haben sich ein paar sehr enge Freunde (domiundbini, Oli und Sophia sowie der Abi) Anfang des Jahres in einem Hinterhaus in der Hallgarterstraße eingemietet, zu dem neben den Mietswohnungen auch ein paar Gemeinschaftsräume gehören. Also werden wir in Kürze einfach mal den Versuch starten. Im Moment ist noch völlig unklar wer wie wann die Räume wofür nutzen wird und mir ist selber noch sehr unklar, ob ich am Ende nicht doch die meiste Zeit alleine wuseln werde. Aber weil die Anfangskosten so extrem klein sind und so vieles von der Infrastruktur schon vorhanden ist (selbst kostenlose Schreibtische, die bei einer Amtsauflösung ergattert werden konnten, stehen schon bereit) liegt es nahe, einfach mal den Test zu machen. Ich bin riesig gespannt und freue mich schon und bin einfach auch ein bisschen nervös. Am kommenden Montag ist es soweit: Mein Sohn kommt in den Kindergarten und ich werde einen Schreibtisch schön weiß streichen, vielleicht noch das Fenster dazu und eine Blume kaufen und dann kann das Abenteuer beginnen… Insofern hat dieses Meconomy-Kapitel einen großen Anteil an meiner ganz persönlichen Entwicklung der letzten Monate gehabt und ich bin riesig gespannt, wie alles in einem Jahr aussehen wird…

Ein Rückblick auf das Jahr 2009 von A bis Z

Habe mir bei einer nicht ganz so spannenden Predigt alphabetische Gedanken über das letzte Jahr gemacht:

A- ufregend: Das war es mit Sicherheit. Im nächsten Jahr darf es ruhig ein bißchen abgeregter sein…

B- rustkrebs: Das ist eine Krankheit, die bisher sehr weit weg war. Jetzt kämpft eine gute Freundin dagegen an. Ich dachte, dieses Thema hätte noch mind. zehn Jahre Zeit…

C- olt: Letztes Jahr kurz vor Weihnachten haben wir einen Neuwagen gekauft und ihn dieses Jahr sehr genossen. Die anfängliche Skepsis, ob er tatsächlich groß genug für eine kleine Familie ist, hat echter Begeisterung Platz gemacht. Wie schön, ein verlässliches Auto zu haben!

D- rei-Fluss-Stadt Passau: Die haben wir die Tage vor Weihnachten besucht. Es war wunderschön und sehr entspannend und die Stadt ist einfach echt sehenswert!

E- ssen mit Freunden: Schon immer eine Leidenschaft gewesen. Wie schön, dass wir derselben in Wiesbaden jetzt wieder viel häufiger fröhnen können.

F-reuen: Benico professionalisiert diese Tätigkeit gerade mit immer neuen Ausdrücken und Luftsprüngen: „Hurra!“, „Wahnsinn“, „oh wie toll“

G- roningen: Ein weiterer Städtetrip (diesmal mit meiner Freundin Miri) diesen Jahres: Wirklich süß, gemütlich und spitze zum einkaufen (auch wenn die Geschäfte schon um 18 Uhr zu machen)

H- obbies: Hier hat das Jahr mir einige neue spendiert: lesen, stricken, scrappen

I- nline skaten: das habe ich einige Male im Sommer mit Benico im Kinderwagen gemacht und ich hoffe definitiv auf eine Fortsetzung im kommenden Jahr. Vielleicht fährt Benico dann schon alleine mit dem Laufrad. Dann muss ich meine Künste aber noch definitiv verbessern.

J-an und Julia: Die haben zu meinen Lieblingskinderbüchern gehört und das hat Benico wohl in den Genen mit abbekommen: Die beiden Bücher die wir haben (J&J feiern Weihnachten und J&J ziehen um) werden immer noch rauf und runter gelesen, obwohl die erzieherischen Höhepunkte für die sie angeschafft wurden, längst vergangen sind…

K- rankheitsphasen: Davon hatten wir zwei ziemlich intensive: Eine richtig heftige direkt zu Beginn des Jahres. Sie hat mich total erschöpft und ich habe einige Wochen gebraucht, um irgendwie wieder zu Kräften zu kommen. Eines der Dinge die ich gelernt habe: Ich muss Schlafen!!! Egal, was deshalb liegen bleibt! Dieses Wissen konnte ich in der zweiten Phase direkt vor Weihnachten ganz gut anwenden und ich habe sie als nicht halb so schlimm erlebt.

L-aufrad: Eigentlich „Shopper“ um in der Sprache von Benico zu bleiben. Sie begleitet uns inzwischen fast überall hin: In die Stadt, zu Freunden, im Aldi, bei Ikea. Definitiv das richtige Geburtstagsgeschenk.

M-ultiple Sklerose: Bei einer anderen Freundin ist diese Krankheit im Sommer diagnostiziert worden. Ich bin tief bewegt, mit welcher Würde und gleichzeitig Kaltschnäutzigkeit sie sich dieser Herausforderung stellt. Im nächsten Sommer will sie heiraten…

N-asen OPs: Flo hatte zwei davon innerhalb einer Woche. Die Erholung hat ungefähr sechs Wochen gedauert. Das Ergebnis ist nicht optimal (die Nase ist immer noch schief hihi) aber die OPS haben eine deutliche Verbesserung gebracht!

O- rganisation: Davon war jede Menge nötig, es hat aber auch riesig Spaß gemacht, auch wenn ich merke, dass ich organisieren an sich nicht besonders spannend finde, sondern das ganze für mich „Mittel zum Zweck“ ist. Vielleicht sollte ich „organisieren“ von meiner Liste der Motivationsfähigkeiten eher streichen?

P- odestbett: Mein Mann hat eins mit seinen Freunden gebaut und seit unserem Umug nächtigen wir darin. Eine gute Lösung für hohe Wände und Platzmangel bei gleichzeitiger Anwesenheit von Kleinkindern. Ein guter Nebeneffekt wenn das Büro noch mit im Schlafzimmer ist: Man schläft über den Dingen. Eine sehr angenehme Perspektive.

Q- uelle: Eine interessante Frage vom letzten LOI Tag: was ist Deine Quelle? Woraus ziehst Du Kraft und Inspiration? Diese Frage nur mit Gott zu beantworten ist für mich zu kurz und so bin ich am forschen und entdecken, was alles eine Quelle für mich sein kann.

R- asselbande: Das ist die neue Spielgruppe von Benico, wo er zweimal die Woche vormittags sein Sozialverhalten mit anderen Kindern trainieren darf… Kann es kaum glauben, dass er im kommenden Jahr schon in den Kindergarten kommt.

S- innhaftigkeit: Durch einen ziemlich heftigen Konflikt in den letzten Wochen habe ich hier so manches dazu gelernt: In so einer Krise kann auch ein gemütliches Mittagessen im Kreis der Familie eine sehr wichtige Bedeutung haben oder das Gefühl von „Normalität“ einen besonderen Wert bekommen.

T- rampolin springen: Macht ziemlich viel Spaß, nehme mir aber im Moment viel zu selten dafür Zeit. Eine Idee fürs nächste Jahr: ich gönne mir die letzte Staffel Gimore Girls und darf sie nur beim Trampolin hüpfen gucken…

U- ebernatürliche Kraft: Davon habe ich in diesem Jahr sehr viel gebraucht. Es gab zahlreiche Momente wo nur noch ein Stoßgebet möglich war und ich kann sicher sagen: Gott hat immer geantwortet: Mit Gelassenheit und Zuversicht oder guten Freunden, die einfach da waren oder meinem Mann, der mich in den Arm genommen hat.

V-eränderung: Die Vermutung von Anfang des Jahres hat sich bestätigt: Der Umzug war sicherlich eine größere Nummer, auch die neuen Verantwortlichkeiten bei xpand. Aber manche wichtige Veränderung findet ja v.a. in uns selbst statt und da gab es sicherlich auch wichtige Entwicklungen, die nach meinem Empfinden zu größerer Gelassenheit geführt haben.

W- iesbaden: Nizza des Nordens: Ich finde das so nett, weil ich mich in beiden Städten so unglaublich wohl fühle… Ich freue mich aufs nächste Jahr und zahlreiche weitere Entdeckungen.

x- pand: Hier fühle ich mich weiterhin sehr verbunden, auch, weil ich im Herbst das komplette LOI Büro übernommen habe, was auf der einen Seite großen Spaß macht, gleichzeitig aber auch noch eine große Herausforderung an meine Organisationsfähigkeit darstellt.

Y-psilanti: Ok, ich habe keinen Bezug zu der Dame und ich meine, die Geschichte wäre schon im letzten Jahr gelaufen… Aber mir ist nichts besseres eingefallen…

Z- weiter Geburtstag von Benico: Das war ein wirklich großer Tag für uns als Familie, auf den wir hingefiebert und den wir sehr genossen haben!

Jetzt wünsche ich allen einen guten Rutsch und einen erfolgreichen Start ins neue Jahr!

Wiesbaden Look #1

Mir ist schon wieder schwindelig. Aber nicht vor lauter Arbeit, sondern vor lauter Locken… Musste euch das ja jetzt mal dringend präsentieren, weshalb ich mich heute Abend in Schale geschmissen habe: Umgezogen, Schminke aufgelegt, sogar einparfümiert, obwohl das keiner riecht; aber die Wirkung war BESTIMMT da.

Also, meine liebe Schwester Ruth hat mir zum Geburtstag das Babysitten während eines Wella Trips geschenkt. Den Gutschein habe ich letzte Woche unter verschärften Bedingungen eingelöst (Benico war krank, weshalb Ruth extra aus Darmstadt angereist kam… sie hat den Zug um 6.30 Uhr genommen, damit ich pünktlich loskam… würde sagen, das war dann auch schon das Weihnachtsgeschenk…)

Lange Rede, kurzer Sinn: Hier ist das Ergebnis:

Seitenblick kleinnicht zufrieden kleinFrontSeitenblick groß

Habe ein bißchen Angst, dass man in zwei Woche nichts mehr sieht, weil ich ja ach so dicke Haare habe… Diese blöden sanften Dauerwellen…

Das Leben ohne Fernseher!

Wir leben gerade ohne ein Fernsehgerät im Haus. Das haben wir mit dem Tag unseres Umzugs abgeschafft. Wie lebt es sich seitdem?

  • in der ersten Woche habe ich viel mehr Zeit für Körperpflege eingesetzt als vorher. Das hat sich aber nur eine Woche gehalten und hatte vielleicht mehr mit dem Umzugsdreck als dem Fernseher zu tun…
  • ich lese mehr! (habe jetzt schon in den paar Wochen mehr Bücher gelesen als im kompletten letzten Jahr)
  • ich habe habe wieder angefangen zu stricken. Das geht besonders gut, weil…
  • wir wieder mehr Filme auf dem Computer schauen, die wir typischerweise auch schon kennen.
  • wir gehen früher ins Bett!
  • ich schaue tagesschau im Internet.
  • Mittagsmagazin kann ich auch im Internet schauen, wenn auch mit ca. einem Tag Verspätung.
  • Wir nutzen gerade kaum unser Wohnzimmer. Damit habe ich komplett nicht gerechnet…

Ich schätze, dass sich unsere Ausgaben für DVDs in absehbarer Zeit erhöhen werden, weil wir dann wirklich alle interessanten (und auch die uninteressanten) Filme mind. 3x gesehen haben, aber das ist es mir definitv wert.

Zusammenfassend kann ich sagen: Uns tut es sehr gut. Im Grunde vermisse ich nichts und verbringe eindeutig mehr Zeit mit sinnvollen Aufgaben. Eine gute Entscheidung!

Freunde bleiben

„Über die Schwierigkeit von Menschen mit Kindern, mit Menschen ohne Kindern befreundet zu sein“

So lautet der Titel des Leitartikels der zweiten Ausgabe von Nido. Ich habe beim lesen das Gefühl bekommen, dass es fast unausweichlich ist, das sich mit der Geburt eines Kindes zumindest ein großer Teil des Freundeskreises verändert. Von vielen der alten Freunde entfernt man sich, während man gleichzeitig nach neuen Gleichgesinnten (oder denen mit dem gleichen „Schicksal“)  Ausschau hält. Beim nachsinnen habe ich dann gedacht: Auf uns trifft das nicht zu. Unser Freundeskreis hat sich mit der Geburt von Benico kaum verändert. Klar, man sieht sich nicht mehr so oft (wobei selbst das seit dem Umzug nach Wiesbaden kaum noch stimmt) und die gemeinsamen Gewohnheiten haben sich sicherlich auch weiterentwickelt. Aber vorher bestehende Freundschaften sind nicht einfach komplett weggebröckelt.

Mir sind folgende Gründe dafür eingefallen:

  • wir hatten vor Benico schon einen relativ „kinderfreundlichen“ Lebensstil. Durchgefeierte Partynächte waren selten. Dementsprechend haben wir auch keine Freunde, die jedes Wochenende zweimal bis fünf Uhr morgens auf die Piste gehen. Im Gegenteil: die wissen sich so gut selbst zu beschäftigen, dass sie die krasse Müdigkeit eher auch nachvollziehen können, als kopfschüttelnd nebendran zu stehen.
  • in unserem Freundekreis gab es auch schon vor Benicos Geburt Paare mit Kindern, Paare ohne Kinder mit Kinderwunsch, Paare ohne Kinder ohne Kinderwunsch, glückliche Singles, unglückliche Singles… alles bunt gemischt. Da kamen wir auch schon mit den unterschiedlichen Leuten bestens zurecht und das hat sich danach nicht geändert.
  • Ein gesunder Pragmatismus im Umgang mit den neuen Unumgänglichkeiten hat wahrscheinlich auch zur Entspannung beigetragen (inzwischen frage ich in kinderlosen Haushalten nicht mehr, in welchen Mülleimer ich die Windel entsorgen soll, sondern wo die Mülltonne ist).
  • Mir war es wichtig, dass jeder, der mit Benico zu tun hat, seinen eigenen Zugang zu ihm finden darf (oder auch nicht). Klar, im Moment übersetze ich diverse Dinge, damit Kommunikation möglich ist, aber was gespielt wird und ob gespielt wird, entscheidet Benico und sein Gegenüber. Das hat zu wirklich unterschiedlichen Beziehungen geführt, die Benico gerade v.a. mit den zahlreichen Tanten und Onkels auslebt und ich finde das genial.
  • Wenn Fragen zu unserer Erziehung da sind, gebe ich gerne Auskunft, spitze Bemerkungen hingegen von kinderlosen Leuten (die ich aber äußerst selten erlebe) werden freundlich lächelnd („wartet nur ab, bis ihr so weit seid ;-)“) überhört.
  • Eine Sache hat aber wahrscheinlich v.a. zu einem nach meinem Empfinden entspannten Umgang beigetragen: Benico ist weder für mich noch für Flo der einzige Lebensinhalt geworden. Mit uns kann man (hoffentlich) auch noch über diverse andere Dinge reden.

Ich freue mich riesig, dass wir unsere alten Freunde behalten konnten und nicht nur noch mit den Spielplatzbekanntschaften zu tun haben. Danke an dieser Stelle an alle, die diese immense Veränderung mit uns durchlebt haben, sich mit uns gefreut haben und manches seltsame ertragen haben und auch noch ertragen werden. Danke v.a. dass ihr nicht nur uns, sondern auch den Kurzen lieb habt!!! Das bedeutet uns sehr viel!

Und ich freue mich an und auf alle neuen Freundschaften, die ohne Benico nicht zustande kommen würden. Was für eine tolle Bereicherung!

Normalität rückt langsam näher

Es gab ja auch schon ein paar wirklich entspannte Tage hier in Wiesbaden… Aber zu denen hat die letzte Woche nun wirklich nicht gezählt. Flo musste unglaublich viel arbeiten, Benicos Tagesmutter hat sich von einer OP erholt wodurch ich keinen Babysitter hatte und kaum lernen konnte, Benico macht seit zehn Tagen mit einem wirklich fiesen Schnupfen rum, bei dem ihm nachts ab elf Uhr der Schleim in den Hals läuft und er dann so heftig husten muss, dass er sich übergibt. Zu allem Überfluss habe ich dann eine Nacht einfach nicht geschlafen, von einem anderen anstrengendem Konfliktherd ganz zu schweigen. Bin zeitweise wie ein Zombie rumgelaufen, könnt ruhig meinen Mann fragen, der euch das gerne bestätigen wird (ein paar verständnivolle Worte und ein aufmunterndes Schulterklopfen wären im Anschluss ganz gut).

ABER ich glaube, wir sind wieder auf dem aufsteigendem Ast. Heute haben wir einen fast normalen Tage: Benico war bei der Tagesmutter und ich lernen, heute Nachmittag gehen wir auf den ersten Martinsumzug in Benicos Leben und ich habe eine richtig erholsame Nacht hinter mir. Flo hält morgen ein Seminar in Berlin wo er heute schon hinfährt, aber ich bin sicher, dass Benico und ich uns auch so einen schönen Abend machen können.

Jetzt hoffe ich nur, dass es nicht wieder anfängt, in Strömen zu regnen…

Ach ja, einen Lichtblick gab es am Sonntagabend: Hatte mich in dem ganzen Frust nach einer netten Pizzeria im Internet umgeschaut. Die beste des Viertels ist direkt um die Ecke. Als wir dort ankamen, wurden wir gleich von unseren Nachbarn gegenüber begrüßt mit dem Hinweis, das halbe Haus sei heute hier. Die nette Dame aus dem dritten Stock haben wir dann auch kurz kennengelernt und eine kurzfristige Geburtstagseinladung abgestaubt. Den Herrn aus dem vierten Stock mit dem sie danach ins Kino wollte, haben wir nicht getroffen, weil sie keine Zeit mehr hatten. Aber das wird bestimmt auch nicht lange auf sich warten lassen… Benico hatte schnell seinen Lieblingsplatz an der Bar gefunden, wo er einen hervorragenden Blick auf den Kellner und seine Arbeit hatte und wo wir dann am Schluß auch noch ein riesen Stück Tiramisu zusammen verschlungen haben… Mh LECKER!!!