Eine kleine Reise

„Wir möchten Sie gerne zum Vorstellungsgespräch einladen“ und „Dann machen Sie mit der Magisterarbeit mal so weiter“. Das waren zwei sehr schöne Sätze, die ich in dieser Woche gehört habe. Sie haben mich gefreut. Sehr sogar. Gleichzeitig gibt es in meinem Leben gerade viele Dinge, die ich traurig und frustrierend finde. Wie z.B. gerade der Versuch, ins Fitnessstudio zu gehen. Der ist am fehlenden Parkplatz und zu wenig Zeit gescheitert. Das ist natürlich eigentlich eine Kleinigkeit, bringt gerade aber trotzdem das Fass zum überlaufen.

Was hilft? Im Moment Stacy Kents wunderbare melodische, unaufgeregte Stimme. Sie holt mich ab und nimmt mich mit auf eine Reise um die Welt. Ich muss einfach nur die Augen zu machen. Ich bin dann mal weg.

http://www.youtube.com/watch?v=jITguAOkRsQ&list=PL199E307123760726

Fokus halten – ein Update gegen die Einsamkeit

Ja, der Fokus ist noch da. Manchmal gibt es Unterbrechungen, weil der Sohn Geburtstag hat und das sage und schreibe 5x gefeiert werden muss. Das habe ich geschafft. Ebenso die super intensive Arbeitsphase meines Mannes in der ich das Familienleben quasi alleine gewuppt habe. Auch das habe ich geschafft.

Über folgende Entwicklungen habe ich mich trotzdem sehr gefreut:

  • In einem motivierenden Gespräch mit meiner Professorin haben wir kurzerhand die geplante Erhebungsmethode über den Haufen geworden. Das spart mir super viel Zeit und Geld.
  • Für die neue Erhebungsmethode muss ich mich in SPSS (ein Statisktikprogramm) einarbeiten. Das stand sowieso schon länger auf der Liste.
  • Eine sehr liebe und in diesem Fall v.a. fähige Freundin hat sich angeboten, die Arbeit mit mir durchzusprechen und aktuelle Fragen zu reflektieren. Das ist ein Traum.
  • Durch die Kommentare zu einem facebook-Post von mir habe ich erst gelernt, wieviele meiner „Friends“ Ahnung von SPSS haben. Mit einer Freundin aus alten Zeiten könnte hier eine schöne Zusammenarbeit für die heiße Rechenphase entstehen. Auch das ist ein riesen Geschenk.
  • Und weil ich so super motiviert bin, habe ich heute Abend mal meinen Lebenslauf überarbeitet und mich gefreut, was ich die letzten Jahre so alles gemacht habe. Das vergesse ich manchmal vor lauter Zukunftsplänen.
  • Außerdem habe ich die Kurse im Fitnessstudio für mich entdeckt. Vor kurzem habe ich das erste mal Zumba und Yoga gemacht. Das macht natürlich auch mehr Spaß als alleine auf dem Crosstrainer und an den Geräten zu trainieren. Und jetzt kann ich auch mit meinem Sohn OHM singen und SHANTI, SHANTI, SHANTI (er ist ein kleiner Yogafan…)
  • Letzte Woche hatte ich zwei wunderbare Gespräche mit älteren Freundinnen, die in einer völlig anderen Lebensphase sind als ich. Das ist immer so genial zu sehen, wo sich das ganze hinentwickeln kann, eine größere Perspektive auf das eigene Leben zu bekommen.

Vor einiger Zeit habe ich erst entdeckt, wie sehr es mich anstrengt, mich immer und in allem selbst organisieren und strukturieren sowie motivieren zu müssen. Ich arbeite so gerne im Team, aber das ist im Moment in den meisten Bereichen nicht möglich. Deshalb freue ich mich auf den Berufseinstieg. Aber ich freue mich auch jetzt über jedes gemeinsame Erlebnis und jede Zusammenarbeit, weil sie mich entlasten und ausgleichen. Es ist schön zu sehen, das auch für diesen Bereich gilt: Wer sucht, der findet.

Und – mit wem möchtest Du zusammenarbeiten, Dich treffen, das Leben teilen?

 

Ein sortierter Kopf – für einen kurzen Moment

Ein herzliches Dankeschön an alle, die zu meinem letzten Post schöne Rückmeldungen gegeben haben. Das hat sehr gut getan.

Die letzten drei Tage haben schon den absoluten Schalfmangel, zwei Abendtermine (also kaum Hausarbeit) und emotionale Herausforderungen mit sich gebracht. Und es hat sich gezeigt: Die selbst auferlegte Struktur gibt mir Halt; die genau definierten Zeiten des konzentrierten Arbeitens lohnen sich und werden mit jedem Tag effektiver; mein Kopf fühlt sich trotz der Müdigkeit sortiert und fokussiert an. Jetzt freue ich mich auf ein Wochenende ohne Termine.

Um euch einen kleinen Eindruck zu geben, womit ich meinen wunderbar geordneten Kopf beschäftige (und um eine ganz logische Begründung zu geben, warum es zwischen meinen beiden Kindern einen relativ großen Abstand gab), hier mein Tageshighlight an realitätsfernem Wissenschaftsgeschwafel: „So kann ein gewisser Abstand (der Zweitgeburt) zur Erstgeburt erforderlich sein, um das während der ersten Babypause teilweise entwertetes Humankapital zu restaurieren.“

Auf dem Crosstrainer im Fitnessstudio höre ich gerade das Audiobook „Half the Sky“, das sich mit dem weltweiten Frauenhandel und dessen möglicher Bekämpfung beschäftigt. Mit diesem grausamen Thema im Hinterkopf wird dann ein solcher Satz noch skuriler und unpassender. Und schon ist alle Ordnung im Kopf wieder durcheinander geschüttelt…

Fokus finden

Bis hierher war ich sehr geduldig wie ich finde. Ich möchte gar nicht laut sagen, wie lange ich schon studiere. Unterbrechungen gab es immer wieder, weil ich gearbeitet (ganz wunderbare Aufgaben als Trainerin, Coach, Projektmanagerin waren dabei…), gekotzt (wegen Schwangerschaft), gebärt, gestillt oder geurlaubt habe. Zwischendrin ging es dann mal weiter, aber immer nur in Minischritten. Dabei bin ich über jede Unterbrechung froh und glaube, dass es jeweils die richtige Entscheidung gewesen ist oder sie die Verzögerung zumindest wert war.

Seit heute nun kann ich mich offiziell Mutter eines Schulkindes nennen. Das fühlt sich schon sehr skurill an. Nachdem ich nun seit acht Wochen nicht mehr an meiner Magisterarbeit gesessen habe, merke ich aber auch, dass sich mein Geduldsfaden mit dem Studium nun tatsächlich dem Ende entgegen neigt. Um nun den Abschluss des Studiums umzusetzen und den Kopf entsprechend frei zu bekommen, werde ich einige Dinge ändern müssen. Und weil es so schön unter Druck setzt, werde ich das jetzt öffentlich machen (natürlich hoffe ich auch, dass es ein paar Leute gibt, die Lust haben, mitanzufeuern, wenn es mal kritisch wird…).

Hier also die Liste zum Fokus finden:

  1. Eine monatliche Zieleliste mit meinen Lebensbereichen ziert mein Fenster. Damit ich nicht alles andere in dieser Phase aus den Augen verliere. Meine Lebensbereiche sind im Moment: Familie; Hobby/Sport; Uni/Abschluß; Freunde; Berufseinstieg; LoI; Blog; Gemeinde. Viele der Ziele sind klein, aber so, dass es in dem Bereich weitergeht und ich klare To Dos habe.
  2. facebook/Twitter ist gestrichen. Zumindest das Lesen. Ich bin leider viel zu empathisch und nehme das alles in mich auf und trage es mit mir rum. Ausnahme ist im Moment eine wunderbare Frau, die in der Mitte Kairos mit ihrem Mann wohnt. Das ist einfach zu spannend und wichtig. Die Abstinenz wird v.a. am Anfang nötig sein, um den richtigen Drive zu bekommen.
  3. Wenn die Kinder in Betreuung sind, darf nur Magisterarbeit geschrieben werden. Kein Haushalt, keine Einkäufe, keine Besuche. Ausnahme: Sport zur frühen Stunde. Und Verabredungen für eine halbe Stunde. Und Coaching/Seminar Termine, die schon lange stehen.
  4. Wenn ich die Kinder geholt habe, stehen sie im Mittelpunkt. Der Computer bleibt aus (außer für Musik); der Haushalt liegen (bis auf Wäsche und kochen; also Sachen, die ich mit den Kindern zusammen machen kann).
  5. Das bedeutet: Der Großteil der Hausarbeit und alles andere muss abends erledigt werden. Das wird viel Kraft und Kaffee erfordern. Diese Aufteilung kommt aber meinem Biorhythmus (morgens fit) ganz wunderbar entgegen.

Soviel zur Theorie. Ich hoffe auf schlafende, gesunde Kinder. Einen Mann, der mich unterstützt habe ich in jedem Fall. Diverse Dinge werden länger dauern oder nicht möglich sein. Den Umgang damit werde ich hoffentlich lernen. Und los geht´s.

Übrigens: Die Liste mit den Monatszielen hat mir letzte Woche den furchtbaren Tag mit dem Lack gerettet. Hat sich also schon ausgezahlt, der Aufwand. Das Regal ist inzwischen fertig und wirklich schön geworden. Insgesamt werde ich wegen des guten Stückes fünfmal im Baumarkt gewesen sein. Als ich nämlich die richtige Farbe hatte, hat die eine Dose nicht gereicht. Eine große Dose hatten sie dann nicht mehr, also habe ich zwei kleine genommen. Davon ist eine nun übrig und muss noch zurück gebracht werden.

„biblical womenhood“ und ein Tagesplan

Rachel Held Evans hat mit ihrem Selbstversuch und dem daraus entstandenen Buch „A year of Biblical Womenhood“ im letzten Jahr eine rege Diskussion angeschoben. Nachdem ich auf facebook erzählt hatte, dass ich das Buch lese, gab es immer mal wieder nachfragen, wie es denn nun war und was ich denke. Hier nun eine kleine Rezension:

Rachel Held Evans geht mit ihrem Projekt dem Slogan „biblical womanhood“ auf den Grund, der die Rollenvorstellungen und -vorgaben für amerikanische evangelikale Frauen beschreibt. Dabei arbeitet sie zum einen theoretisch: Die Bibel selbst hat sie intensiv studiert, dazu unzählige Kommentare gelesen, Frauen aus unterschiedlichsten religiösen Hintergründen befragt. Genauer hat sie sich natürlich auch mit den den Vertretern der „biblical womenhood“-Bewegung auseinandergesetzt. Das Projekt selbst hatte dann zwei praktische Richtungen:

1) Die biblischen Aufforderungen an Frauen möglichst wörtlich umzusetzen, um deutlich zu machen, dass wir alle immer nur Teile der Bibel aufgreifen und umsetzen und bei andere Teilen entscheiden, dass sie nicht (mehr) umsetzungswürdig sind. (zB das Bedecken des Hauptes zum Gebet)

2) Überlegen, welchen Sinn die biblischen Aufforderungen auch heute noch für uns Frauen machen können und hier nach einer praktischen Umsetzung suchen.

Kurze Erklärung vorab: Ich habe mich selbst selten in einer Situation gesehen, in der mich Männer bevormundet haben, ich Positionen aufgrund meines Geschlechts nicht erreichen konnte oder gar zum schweigen in der Gemeinde aufgefordert gewesen wäre. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Männer in meiner Welt haben mich vor allem unterstützt, gesegnet, herausgefordert. Insofern sind mir viele der aufgeführten Diskussionspunkte aus eigener Erfahrung fremd.

Natürlich ist aber die Rollendiskussion und die „biblischen“ Positionen, die manche Gemeinde (oder Einzelperson) auch hier in Deutschland einnimmt, ein durchaus relevantes Thema für mich. Trotzdem bin ich durchaus erstaunt über eine Debbie Pearl in Amerika, die noch 2004 ein Buch herausbringt mit der These: Die einzige Aufgabe der Frau ist es, ihren Mann zu unterstützen. Oder über John Piper, der versucht, eine Orientierung zu geben, was die Unterordnung der Frau unter den Mann heute bedeutet. Dabei lässt er die Stadtplanerin, die zwar den Verkehr plant (und so Männer indirekt führt), hier aber nicht direkte Führungskraft ist, gewähren.  Die weibliche Schiedsrichterin, die ein Fussballspiel von Männern pfeift verstößt aber ganz klar gegen das Wort Gottes. Die Thesen des „Council on Biblical Manhood & Womenhood“ wie Evans sie beschreibt lösten bei mir nur Kopfschütteln und große Fragezeichen aus. Gleichzeitig freue ich mich um so mehr über meinen Mann, die eigene Familie, die eigene Gemeinde.

Unterhaltsam sind die Beschreibungen der praktischen Umsetzungen des Projekts: Wie sie ein Probebaby versorgt (Thema „Fruchtbarkeit“) und sich durch ein Martha Stewart Rezeptebuch kocht (Thema „Häuslichkeit“ hat etwas von einer Comedyshow. Ihr wunderbarer selbstironischer Humor hat mich für manche Situation in meinem Alltag inspiriert (auch heute… aber dazu kommen wir gleich).

Die eigentlichen Highlights sind aber definitiv ihre eigenen tieferen Auseinandersetzungen mit der Bibel: Warum kann heute „schweigen“ für mich als Frau etwas gutes, hilfreiches sein (nicht nur in der Gemeinde)? Wie kann ich mich heute für die Armen und gegen Ungerechtigkeit einsetzen? Wie können wir mit den „dunklen Frauengeschichten“ in der Bibel umgehen; die Frauen, die umgebracht oder vergewaltigt wurden? Wie werden die Aussagen bezüglich Frauen eigentlich von Juden interpretiert und ausgelebt? Hier hat mich das Buch mit zahlreichen neuen Sichtweisen beschenkt, die mich auch jetzt noch begleiten (ich habe es vor ca. einem Jahr gelesen).

Und das allerbeste: Das Buch macht total Lust, die Bibel selbst zu lesen und zu forschen; selbst zu den Fragen zu reflektieren.

In diesem Monat ist ein StudyGuide zum Buch erschienen, den man kostenlos herunterladen kann.

Wer also den Nerv hat, die anstrengenden Meinungen der biblical womenhood-Bewegung mit ausreichend persönlichem Abstand durchzustehen, hat die Chance auf ein erstaunlich tiefgründiges und weiterführendes Buch zu der Frage, was die Bibel uns Frauen denn tatsächlich heute sagen kann.

Und um kurz den Hintergrund dieses Blogposts zu beschreiben:

Der ursprüngliche Plan für heute war: Fitnesstudio, mit Sohnemann Zimmer aufräumen, Sohnemann plus Freund plus Tochterfrau nachmittags betreuen.

Weil Sohnemann heute morgen plötzlich krank war, gab es einen neuen Tagesplan: Ehemann verschiebt Termin, damit ich einen Lack umtauschen kann, den ich am Montag mit halbkranker Tochterfrau falsch gekauft habe (richtige Farbe, aber glänzend statt matt). Mit Lack wird dann in Rufnähe zu krankem Sohnemann ein Regal gestrichen.

Als der Lack umgetauscht, der Mann glücklich auf der Arbeit, alles aufgebaut und vorbereitet ist, stelle ich fest, dass ich nun matten Lack, dafür aber die falsche Farbe habe.

Dritter Tagesplan: zähneknischen, Füße stampfen, schimpfen. Danach ein paar andere Ziele abarbeiten, zu denen auch dieser Post gehörte…

Mal ehrlich: Was bleibt mir anderes übrig, als mich selbst nicht zu ernst zu nehmen.

In aller Kürze: Gender-Mainstreaming

Heute Morgen habe ich diesen Zeit-Artikel zu Gender-Mainstreaming gelesen, der in einfacher und verständlicher Sprache die verdrehten Auswüchse einer Forschungsrichtung beschreibt. Ähnliche Fragen haben nach der Ausstrahlung dieser Dokumentation in Norwegen zu einer breiten Diskussion und im Anschluß daran zur Streichung der Forschungsgelder geführt. In den großen Medien in Deutschland wurde damals über die Vorgänge in Norwegen nicht berichtet, wie sie auch keine Erwähnung in dem aktuellen Zeit-Artikel finden. Deshalb hier eine sehr subjektive Quelle mit dem Versuche einer einigermaßen objektive Darstellung der Ereignisse. Ob so eine Debatte auch in absehbarer Zeit in Deutschland geführt werden wird?

Trotzdem bin ich der Meinung, dass Gender-Mainstreaming einen wichtigen Schwachpunkt in unserem Umgang mit der Unterschiedlichkeit der Geschlechter anspricht. Wenn einem Individuum aufgrund von Vorurteilen, die auf dem jeweiligen Geschlecht beruhen, bestimmte Positionen in Organisationen/Gemeinden oder Vereinen/Familien nicht erlaubt oder zugetraut werden, ist dies zunächst einfach nur unfair. Hinzu kommt die Tatsache, dass wir so systematisch die  mögliche Weiterentwicklung der Organisation, die aufgrund der individuellen Stärken eines Individuums (unabhängig vom Geschlecht) möglich wären, untergraben. Spannend fand ich hierzu, die Hinweise von Prof Correll, die einfache Wege für die Arbeitswelt vorschlägt, um solche „Fehler im Entscheidungsprozess“ bei  Einstellungen zu vermeiden.

Zwei gute Freundinnen

Freundin A

  • Ihren Sohn bekam sie mit geplantem Kaiserschnitt und genoss es, den genauen Zeitpunkt der Geburt zu kennen und sich darauf einstellen zu können.
  • Außerhäuslich betreuen ließ sie ihn das erste Mal mit ca. sechs Wochen.
  • Um Ihre beruflichen Ambitionen umsetzen zu können, studierte sie während der kompletten Baby- und Kleinkindphase weiter.
  • Die Entscheidung für den Kindergarten traf sie v.a. wegen der Förderung von hochbegabten Kindern.
  • Nach drei Monaten Eingewöhnung ließ sie ihn dort ganztags betreuen.
  • Damit der Sohn sich nicht im Kindergarten langweilen würde, wurde er als Kannkind früher als die meisten anderen Kinder eingeschult.

 

Freundin B

  • Ihre Tochter brachte sie trotz mancher Bedenken von Ärzten mit einer natürlichen Geburt ohne Medikamente zur Welt.
  • Die ersten acht Monate wurde die Tochter von ihr voll gestillt und regelmäßig in Tragehilfen getragen, um eine enge Bindung sicherzustellen.
  • Um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kleinen eingehen zu können, achtete die Freundin darauf, einen flexiblen Kinderwagen zu nutzen, der einen weiten Blick nach vorne oder den sicherheitsgebenden Blick zur Mutter zurück ermöglichte.
  • Um einen engen Familienzusammenhalt zwischen allen Familienmitgliedern sicherzustellen, achtete die Mutter auf regelmäßige Mahlzeiten mit der ganzen Familie.
  • Bei Verzögerungen in der Entwicklung (sprachlich, motorisch, etc.) informierte sie sich umfassend, um die Tochter bestmöglich in entspannter Atmosphäre zu Hause zu fördern.
  • Weil sie bei Hausarbeiten ihrer Tochter nicht die volle Aufmerksamkeit widmen konnte, versuchte sie, diese so gut wie möglich spielerisch miteinzubeziehen, um ein gemeinsames Erleben zu schaffen.

 

Und, was denkst Du? Was ist den beiden Freundinnen jeweils wichtig? Wie würdest Du Freundin A charakterisieren? Wie Freundin B? Von welchen Werten lassen sich die beiden leiten?

 

Und ja, ich selbst bin sowohl Freundin A und Freundin B und bin traurig über die Urteile, die wir aus oberflächlichen Momentaufnahmen über andere und deren (Familien-)Leben fällen. Und ja, da greife ich mir zuerst auch an die eigene Nase und gelobe Besserung. Ist aber gar nicht so einfach, wie ich immer wieder feststelle.

Projekt „familienfreundlicher LOI Tag“ – Was ich gelernt habe

Einer der klassischen Dienste in einer Gemeinde, die ich noch nie übernommen habe, ist die Gestaltung der Kinderbetreuung oder Kindergottesdienste. In keiner Altersgruppe. Auch hatte ich mich bisher sehr wenig dafür interessiert, ob und wie Konferenzen eine Kinderbetreuung organisieren. Insofern war ich auf den „Job“, einen familienfreundlichen LOI Tag auf die Beine zu stellen, ausgesprochen schlecht vorbereitet. Was ich aber gut kann und auch schon viel gemacht habe, ist Fragen zu stellen und zu organisieren.

Beides habe ich in das Projekt eingebracht; allerdings zeitlich etwas versetzt. Erst einmal Fragen stellen: Wie machen das andere? Antwort: Sie machen es kaum. V.a. nicht mit dem Anspruch, inhaltlich an den gleichen Themen zu arbeiten wie die Erwachsenen. Das hieß, ich durfte kreative Ideen entwickeln. Und zwischendrin versuchen, meine Vision in Worte zu fassen. „Maybe we can create new learning environments for both kids and grown ups in a way that we all speak about the same topic but each group has its unique way of apprehending it. In this perspective, the LOI day could serve as an experiment for new ways of working and learning alongside kids but also together with them.“

Wunderbarerweise fand ich zwei junge Frauen, die bereit waren, sich mit mir auf diese gedankliche Reise einzulassen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie das ganze Realität werden könnte. Wir verbrachten diverse Abende mit Brianstorming via skype und trugen nach und nach das Gerüst für den Tag zusammen. Es wurde klar, bei wem wir ein gutes Konzept einkaufen könnten, wie wir das ganze finanzieren könnten (Sponsoring) und was organisatorisch notwendig sein würde, um es Familien so einfach wie möglich zu machen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Anne Bleis und Maggy Kleske, die sich hier ganz wunderbar eingebracht haben. Folgende Dinge habe ich auf dem Weg gelernt:

  • Ideen entwickeln ist alleine total ätzend und gemeinsam wunderbar! (das merke ich auch immer wieder in meinem sonstigen Arbeitsalltag: und weil die nächsten Monate mit der Magisterarbeit eher Einzelarbeit werden, gibt es Projekte, die ich einfach nur mache, um mit anderen gemeinsam etwas voran zu bringen…)
  • Organisieren kann ich auch ganz gut alleine, wenn die anderen Teammitglieder zu viele eigene Projekte haben. Erleben, wie dann am Ende alles zusammen kommt, macht dann gemeinsam trotzdem am meisten Spaß!
  • Gott will geben über „bitten und verstehen“: Als die Ideen standen und es an die Umsetzung ging, gab es so viele Baustellen, bei denen ich immer wieder dachte: Keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Gott, ich gehe davon aus, dass Du hierfür eine Lösung hast!? Und er gab: die richtigen Mitarbeiter; ausreichend Mitarbeiter; mehr als ausreichende Finanzen; Familien, die sich mit ihren Kindern angemeldet haben, obwohl sie kaum Informationen hatten, etc.
  • Gute Leitung hilft auch mir, mutig loszuziehen und neues Land zu erobern. Es ist einfach wunderbar, mit einem Team von Menschen zusammenzuarbeiten, die (auch wenn sie nichts mit dem eigenen Aufgabenbereich zu tun haben) immer und immer wieder ihre Begeisterung ausdrücken und tatkräftig unterstützen. Ich habe mich total durchgetragen und wertgeschätzt gefühlt von meinen Leitern innerhalb der LOI Arbeit, gerade auch, wenn es schwierig war.
  • Ich will mehr erzählen: Das war echt schräg. Ca. zwei Wochen vor dem großen Wochenende wurde mir bewusst, dass kaum jemand meiner engsten Freunde oder Familymitglieder wusste, was ich da mache und wie groß und wichtig und was für ein Abenteuer das für mich war. Warum? Vielleicht weil ich Angst hatte, dass das ganze doch nicht klappt und ich viel Wind um nichts gemacht hatte? Ich bin mir nicht so sicher, aber ich weiß, dass ich genau von solchen Wackelprojekte in Zukunft mehr erzählen will. Weil sie wichtig sind… für mich…
  • Wichtige Mitarbeiter am großen Tag das erste Mal face to face kennenlernen kann auch erstaunlich gut funktionieren! Wenn man vorher intensiv kommuniziert…
  • Auch der Follow Up Prozess dauert immer länger als geplant… Ich dachte, mit diesen ganzen Posts und der Materialrückführung und den Danksagungen wäre ich nach einer Woche durch… Vergesst es…

Diese Woche bekam ich dann den xpand Teamnewsletter, indem Anne Burdenski (Vorstand bei xpand) ihre Eindrücke vom LOI Tag schilderte und dabei das Herz des ganzen Projektes ziemlich gut trifft:

Es trafen sich am 16.+17.11.12 130 LOIs, ca. 40 Mentoren, 23 Kinder und 20 zusätzliche Helfer. Vielleicht wundert ihr euch, dass ich die Kinder extra nenne – sie hatten ihr eigenes gesellschaftsrelevantes Programm: parallel zu den Erwachsenen, die sich in den verschiedenen Gesellschaftsbereichen trafen, um zu diskutieren, wie wir als Christen hier prägen können, haben sie sich gestalterisch mit diesen Themen beschäftigt. Es hat mich echt berührt, zu sehen, wie selbstverständlich die jungen Leiter, auch die Frauen, ihre Familien mit einbeziehen. Allein das ist doch schon eine gesellschaftsrelevante Spur, da gerade junge Frauen, trotz Kita- und U 3 Betreuungsangeboten, immer noch mit der Frage kämpfen, wie sie wachsende Verantwortung und Familie vereinbaren können. Hier Modelle zu bauen finde ich sehr begeisternd.

Und jetzt? Es gibt neue Projekte, die in den Startlöchern stehen. Und über die ich hoffentlich natürlich berichten werde. Aber im Moment nehme ich mir auch bewusst Zeit, Advent zu feiern mit meiner wunderbaren Familie. Deshalb die ganz wichtige Frage: Habt ihr schon einen Tannenbaum? Wir nicht, aber dafür seit letzten Sonntag einen Holzgesellen, der uns beim heimkommen adventlich begrüßt!

Projekt „familienfreundlicher LOI Tag“

Ich hatte am 15. November Geburtstag. Abgesehen von einem gemütlichen Frühstück in einem kleinen Cafe hier in Wiesbaden und einem Mittagessen im Burgerrestaurant in Frankfurt ist er nicht gefeiert worden. Klingt traurig? Hat mir aber tatsächlich nichts ausgemacht, weil ich einen Tag später nach Erkrath gefahren bin und gesehen habe, wie sich die Arbeit von über einem Jahres vor meinen Augen entfaltet hat. Das war tatsächlich Feier genug und hat großen Spaß gemacht (auch wenn es nicht soviele Geschenke gab wie sonst…)

Seit Mai 2006 bin ich Teil des LOI Programms: Ich werde von wunderbaren Frauen in meiner Entwicklung begleitet, darf dreimal im Jahr an einer regionalen Coachinggruppe und jedes zweite Jahr an einem internationalen LOI Tag teilnehmen, bei dem alle Mentoren und Mentees zusammen kommen. Was ich schön finde: Im LOI Programm kommen junge Leiter und Führungskräfte zusammen, die in allen möglichen Gesellschaftsbereichen arbeiten. Vor drei Jahren haben wir uns das erste Mal auch direkt in den Bereichen getroffen und ausgetauscht. Dass Kinder praktisch im LOI Programm nicht vorkommen und auch nicht vorgesehen sind, bemängelten wir dann vor zwei Jahren. Und fingen an, davon zu träumen, genau hier als LOIs einen Unterschied zu machen.

So entstand die Vision eines LOI Tages, bei dem sowohl die Partner der LOIs als auch deren Kinder teilnehmen können und wollen. Explizites Ziel war es, nicht nur eine Kinderbetreuung anzubieten, sondern den Kindern und Eltern Raum und Zeit zu geben, gemeinsam an den gleichen Inhalten zu arbeiten wie die Erwachsenen. Ein hochgestecktes Ziel, ich weiß. Aber man kann ja mal träumen…

Organisatorisch haben wir uns dann um folgendes gekümmert, um es den Familien vor Ort so einfach wie möglich zu machen:

  • Freitagabend: Treffen der Eltern, die bei Kindern im Hotel geblieben sind und nicht an normalem Programm teilnehmen.
  • den ganzen Tag Familienlounge als Rückzugsmöglichkeit für Eltern mit Kleinkindern und Babies (mit Sichtfenster zum Plenumssaal und akustischer Übertragung)
  • Spielteppich im Plenumssaal für Babies und Kleinkinder, die nicht zu laut sind
  • Ruheraum für Kinder, die Mittagsschlaf benötigen
  • Extra Menü für Kinder und vorbereitete Sitzmöglichkeiten mit Hochstühlen für die ganze Familie
  • Möglichkeit zum prophetischen Gebet für die ganze Familie
  • im Vorfeld gab es ein Video, dass die Eltern über alles Organisatorische informierte
  • Vormittags: klassische Kinderbetreuung mit Input, Spielen, Basteln, etc.
  • Mittags: neben ConSpire! für die Erwachsenen Angebot von ConSpire!Kids mit gleicher inhaltlicher Ausrichtung
  • Abschluss: Bewegungsspiele, damit die Kinder müde ins Auto klettern

ConSpire! für die Erwachsenen bedeutet Connect und Inspire, also netzwerken und inspiriert werden. Dafür trafen sich die Erwachsenen zu kurzen Sessions in den Gesellschaftsbereichen, um sich dort kennenzulernen und eigene Projekte vorzustellen.

ConSpire!Kids konzentrierte sich auf die Inspiration. Kinder sind die gesellschaftlichen Gestalter der Zukunft und wir haben sie darin gestärkt, sich kreativ mit dem „Heute“ und „Morgen“ innerhalb von sieben Gesellschaftsbereichen auseinanderzusetzen. Diese waren jeweils in Stationen organisiert:

  • Education: Du bist ein Erfinder, Forscher und Entdecker! (Malpapier mit angefangenen Bildern, die weiter entwickelt oder verändert werden; Hauptwörterpuzzle z.B. Luft+Auto=Luftauto)
  • Religion: Gott einbeziehen, sein Auftrag an uns; Visionen, Fantasien entwickeln! (Auseinandersetzen mit unterschiedlichen Paradiesdarstellungen; Dankeskarte an Personen, die jetzt schon Paradies in mein Leben bringen)
  • Media: Bestandsaufnahme, Wünsche und Beschwerden äußern (Klagemauer und Wünsche an PostIt Wand)
  • Government: Wir stimmen ab und verändern die Zukunft (mit Klebepunkten über Zukunftsvisionen (Bildern) abstimmen)
  • Business: Sich mit seinen Gaben investieren (die Wünsche für die Zukunft von der letzten Station bauen)
  • Family: Wünsche darstellen (Gestalte Dein Familienwunschbild)
  • Art&Entertainment: Ergebnisse festhalten, überarbeiten (gestaltet Bilder mit Nachtleucht- und Schwarzlichtfarbe „veredeln“

Ein herzlicher Dank geht an dieser Stelle an Susanne Potthast und das Team von Himbeerblau, die uns mit einem großartigen Konzept und der Bereitstellung aller benötigter Materialien untertsützten!

Ich bin überwältigt, wenn ich mir anschaue, was alles Realität geworden ist! Und unglaublich dankbar! Was ich auf dieser Reise persönlich erlebt und gelernt habe, kommt noch einmal in einem späteren Post. Jetzt habe ich erst einmal Lust zu feiern! Mal sehen, wie ich das machen werde!

Mein Mann hat wunderbarer Weise ein kurzes Video von ConSpire!Kids gemacht:

ConSpire!Kids

 

 

Bits & Pieces 2

Was war gut? Ich habe ein Fahrrad! Mit 24 Gängen (also wiesbadentauglich) und schon montierten Kindersitz für die kleine Maus. Das ist die falsche Jahreszeit? Ganz egal. Die erste Tour habe ich bei grauem Regenwetter gemacht (die Kleine in rosa roter Matschmontur hinten drauf) und wir haben beide großen Spaß gehabt.

Was habe ich gelernt? Zu wenig Kaffee lässt mich zwar schlafen, macht mich aber den ganzen Tag müde und arbeitslustlos. Auch nicht das richtige, wenn man diverse Projekte (incl. eines Vierpersonenhaushalts) am Laufen halten möchte. Ich suche noch nach einer Lösung…

Was war blöd? Schlüssel verloren. Das könnte noch teuer werden…

Gute Begegnungen? Das Treffen mit meiner Mentorin (tief, ehrlich, bewegend, nachklingend) und meiner lieben Freundin Wintermantelshoppen gehen (schön, teuer, warm… der Mantel, nicht die Freundin, die ist v.a. immer die pure Erholung für mich).

Was kam zu kurz? Wache Phasen. Das Leben kann so anstrengend sein, wenn man immer nur müde ist…

Was war noch wichtig? Die Zeit hat gerade ein interessantes Titelthema zu der „Spezies“ Hausfrau. Norbert Blüm hatte auch vor kurzem einen Onlineartikel zu dem Thema Vereinbarkeit geschrieben und seit heute Morgen ist klar: Das Betreuungsgeld kommt, dafür wird die Praxisgebühr abgeschafft. Ich bin bei diesen ganzen Themen äußerst ambivalent und wundere mich immer, wie man als Politiker oder Privatperson zu einer völlig klaren und eindeutigen Meinung kommen kann (außer: für mich selbst macht das Sinn oder eben nicht). Außerdem ist vor kurzem das neue Buch von Rachel Held Evans erschienen: A year of biblical womanhood! Darin beschreibt sie, wie sie ein Jahr lang die ganzen Vorschriften und Lebensweisen von Frauen in der Bibel eingehalten hat. Deutlich wird wohl am Ende v.a., dass es NICHT den einen richtigen Weg für Frauen gibt, um nach biblischen Maßstäben zu leben. Es kommt viel mehr darauf an, seine Berufung zu kennen und dieser entsprechend zu leben. Ähnliches dachte ich auch bei den Geschichten von Hausfrauen im Zeit Magazin: Gerade die Frau, die in meinem Alter ist und auch zwei Kinder in ähnlichem Alter hat wie ich und sich voll und ganz für die Rolle der Hausfrau entschieden hat, beeindruckt mich. Weil sie weiß, was sie will und es liebt und darin aufgeht. Gerade auch, weil es komplett nicht mein Weg ist, finde ich das toll.

Rachel Held Evans bekommt übrigens gerade richtig Gegenwind (es erinnert mich ein bißchen an den Buchrelease von Rob Bells Love wins im letzten Jahr, z.B. hier). Bei ihm habe ich ganz viel über Kommunikation in solchen Situationen gelernt und bin total gespannt, wie Evans das hinbekommen wird!